0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Es gibt sie: Musicals, bei denen mein Herz immer schneller schlägt und ich vor Aufregung ganz rote Wangen bekomme. Dazu gehört das Musical „Chicago“ von John Kander (Komponist), Fred Ebb (Songautor) und Bob Fosse (Co-Autor, Choreograf und Regisseur). Das Musical habe ich bereits vor ca. drei Jahren besucht, doch wer einmal das Musical gesehen hat, weiß, dass man sich ihm nie wieder entziehen kann und es einen süchtig macht.

Im Jahr 2019 geht eines der erfolgreichsten Broadway-Musicals aller Zeiten erstmals und endlich in der englischsprachigen Originalversion auf Deutschland- und Österreich-Tournee.
Das im Jahr 1975 geschaffene „Chicago“ basiert auf einem Theaterstück aus dem Jahre 1926 von Maurine Dallas Watkins. Die Journalistin des „Chicago Tribune“ schrieb damals über zwei junge Frauen, die ihre Liebhaber alkoholisiert und unter dem Einfluss von Jazzmusik getötet haben sollen. Daraus entstand das preisgekrönte Musical „Chicago“, das schon seit über 22 Jahren in New York (am Broadway das hinter „Das Phantom der Oper“ am häufigsten gespielte Musical) und seit 15 Jahren in London läuft.

Auch die im Jahr 2002 von mir geliebte Verfilmung mit Richard Gere, Catherine Zeta-Jones und Renée Zellwegger war erfolgreich und wurde 2003 mit sechs Oscars ausgezeichnet, der Soundtrack wurde im Jahr 2004 mit einem Grammy prämiert.
Vielleicht könnt Ihr mich jetzt ein wenig besser verstehen, warum ich auch im Jahr 2019 das Musical unbedingt erleben musste. Am Donnerstag, den 4. Juli 2019, zur Premiere im Admiralspalast, war es wieder soweit.

Doch für diejenigen, denen „Chicago“ nichts sagt, fasse ich an dieser Stelle den Inhalt dieses Ausnahmemusicals noch einmal zusammen:
Die Geschichte spielt im Chicago der 1920er Jahre. Die Tänzerin Roxie Hart ermordet ihren Liebhaber Fred Casely, weil er sie verlassen wollte. Roxie kommt daraufhin ins Gefängnis, in dem die korrupte Matron Morton („Mama“) herrscht, und in dem die Tänzerin Velma Kelly, die ihre Schwester und ihren Ehemann ermordet hat, berühmt und berüchtigt ist. Velma wurde mit Mamas Hilfe zu einem Star und plant schon ihre Karriere nach ihrer Freilassung. Dabei wird sie von dem Anwalt Billy Flynn unterstützt.

Durch ihren Ehemann erhält Roxie das nötige Geld, um sich diesen Anwalt auch leisten zu können. Der Anwalt hilft mit Unwahrheiten Roxie dabei, der neue Star im Gefängnis und in den Medien zu werden und damit die nun eifersüchtige Velma abzulösen.
Wie vorhergesehen kommt Roxie frei. Doch die Presse interessiert sich nicht mehr für sie, da es jetzt einen neuen und interessanteren Fall gibt. Am Ende werden Velma und Roxie zwei gefeierte Jazz-Sängerinnen und treten zusammen auf.

Velma Kelly ist keine Heldin und keine rechtschaffene Frau und trotzdem liebe ich diese Figur. Ich liebe ihr Temperament, ihre feurigen Tänze und manchmal ihr loses Mundwerk. Ich bewundere sie für ihren Überlebenswillen und bemitleide sie, weil sie keinen auf der Welt hat, auf den sie sich verlassen kann. Die einzigen Menschen, denen sie vertraut hat – ihr Mann und ihre Schwester – haben sie betrogen.
Samantha Peo performt in höchster Perfektion diese ambivalente Rolle, die man gleichzeitig liebt und hasst.
Die Musicaldarstellerin Samantha Peo ist seit über 25 Jahren als Musicaldarstellerin erfolgreich („The Wizard Of Oz“, „West Side Story“ und „The Rocky Horror Picture Show“) und man merkt in jeder Szene, dass sie für die Bühne geschaffen ist. Eine großartige Tänzerin mit einer sehr starken und manchmal rauchigen Stimme, die mit ihrem Schauspiel den Wandel der Figur Velma Kelly offenbart. Zunächst wirkt Velma arrogant und hält sich für etwas Besseres, am Ende fleht sie Roxie an, mit ihr zusammen aufzutreten.

Mit der Figur Roxie Hart sieht es dagegen ganz anders aus. Ich empfinde keine Sympathien für sie, da sie einen liebenden Ehemann hat und diesen belügt und betrügt. Doch der Musicaldarstellerin Carmen Pretorius, einer der bekanntesten jungen Künstlerinnen Südafrikas („Cabaret“, „Mamma Mia!“ und „Footloose“), gelingt etwas Unmögliches. Trotz meiner anfänglichen Verachtung für diese Lügnerin entwickle ich mit der Zeit eine gewisse Sympathie für die Figur und nehme ihr das naive Mädchen ab, das den Liebhaber ermorden musste.

Die Zuschauer werden von ihr genauso um den Finger gewickelt wie die Presse. Die Presse glaubt ihren Lügen, dass sie schwanger sei, ihren Ehemann liebe und eine Klosterschule besucht habe. Mit Hilfe ihres Anwaltes und der Presse schafft es Roxie in die Zeitung („Roxie rocks’ Chicago“) und wird für kurze Zeit zu einem Star. Am Ende erkennt man aber noch einmal, um was es Roxie die ganze Zeit gegangen ist: Publicity, für die sie alles getan hätte. Eine unglaubliche schauspielerische und tänzerische Leistung von Carmen Pretorius - gepaart mit einer hochkarätigen Stimme!

Der korrupte und zwielichtige Anwalt Billy Flynn ist eine weitere „Antipathiefigur“ in diesem Musical. Billy Flynn liefert eine hervorragende Persiflage auf das Rechtssystem ohne Gerechtigkeitssinn. Nur Geld und körperliche Zuneigung der Mandantinnen interessieren den arroganten Anwalt, der „seine“ Frauen wie Marionetten behandelt, um selbst im Rampenlicht zu stehen. Die Rolle des skrupellosen Anwaltes ist dem Musicaldarsteller Craig Urbani auf den Leib geschnitten worden. Er überzeugt nicht nur mit seiner Mimik und Gestik, sondern auch mit seiner kraftvollen Stimme.

Ein weiteres Highlight auf der Bühne war für mich die Besetzung der Rolle der Mama Morton durch Ilsa Klink. Klink – mit ihrer sehr voluminösen Stimme – interpretiert sehr authentisch die Rolle der korrupten „Mama“ , die den anderen Gefängnisinsassen die Welt im Gefängnis erklärt („When You’re Good to Mama“). Willst du etwas von den anderen, musst du erst einmal was für sie machen.

Mitleid und Kopfschütteln, das alles erzeugte der naive Ehemann von Roxie Hart bei mir, der seiner Ehefrau zu viel verzeiht und ihr alles abnimmt. Selbst die Tatsache, dass er schon lange mit seiner Frau nicht geschlafen hat und sie trotzdem schwanger geworden ist, verwundert ihn nicht. Manchmal denkt man als Zuschauer, dass zurecht seine Dummheit von seiner Frau bestraft wurde. Aber Amos Hart hat nur einen Wunsch: Er möchte endlich von jemanden gesehen werden („Mr Cellophane“). Eine zugleich komische und tragische Figur, die sehr gut von Grant Towers gespielt wird.

Eines der Gründe, warum ich dieses Musical so sehr liebe, ist die Jazzmusik in dem Musical. Immer wenn ich die Lieder höre, zieht es mich auf die Bühne und ich möchte auch mitgrooven und meinen Sexappeal unter Beweis stellen. Vor allem beim Lied „Cell Block Tango“, in dem jede Insassin gesanglich erklärt, warum sie im Gefängnis gelandet ist, verspüre ich die Energie in jeder kleinen Pore und den Drang dazu, mitzutanzen.  
Das elfköpfige Orchester spielt während des gesamten Musicals AUF der Bühne und wird in die Show eingebunden. Aber man muss dazu auch sagen, dass dieses Orchester berechtigterweise zum Mittelpunkt der Show gehört, denn die Musik und die Musiker sind einfach fantastisch und erinnern an die Big Band der Goldenen Zwanziger. „Roxie“, „When you’re good to Mama“ und das berühmte „All That Jazz“ finden ihren Platz im Musical und entlockten mir viele Jubelschreie an diesem Premierenabend.

Die verführerische Choreografie - in schwarzen Kostümen bzw. in schwarzer Unterwäsche – von der Choreografin Ann Reinking, die für ihre Arbeit den Tony- und den Drama Desk Award erhielt, wurde von den Darstellern sehr verführerisch umgesetzt. Vielen wurde im ausverkauften Zuschauersaal bestimmt mehrmals heiß.

Das Musical „Chicago“ zeigt, dass man Gesellschaftskritik auch in eine unterhaltende Show, die einen nicht erdrückt, integrieren kann. Unserer Gesellschaft wird ein Spiegel vorgehalten. Nächstenliebe und Loyalität sind nichts mehr wert. Geld und das Streben nach Berühmtheit sind von Bedeutung. Die Schwachen, die nicht über das nötige Kapital verfügen, werden gehängt, denn die Wahrheit ist nicht wichtig. Eine wunderbare Kritik an der Justiz, der Presse und den sozialen Netzwerken, in denen auch mehr Schein als Sein herrscht.

Mein Fazit: Das Musical „Chicago“ bietet alles, was ich an einem Musical schätze: talentierte Darsteller, grandiose Stimmen, verführerische Tänze, wilde Jazzmusik, viel Satire und eine Geschichte, die immer aktuell sein wird. Das Lebensgefühl der Goldenen Zwanziger könnt Ihr noch bis zum 13. Juli 2019 im Admiralspalast live erleben. Danach zieht das Musical nach Linz (16.07. – 04.08.2019 Musiktheater) und München (06.08. – 11.08.2019 Deutsches Theater).

© E. Günther ("Mein Event-Tipp")
Dieses Jahr bedeutet etwas Großartiges für jeden Disney- und „Der König der Löwen“-Fan, denn im Jahr 1994 kam Disneys Meisterwerk in die Kinos und eroberte vor 25 Jahren die Herzen der kleinen und großen Disneyliebhaber. Wenn man von den Kinoeinnahmen ausgeht, ist es bisher weltweit der kommerziell erfolgreichste klassische Zeichentrickfilm.

Aber auch dieses Jahr können wir uns auf etwas ganz Besonderes freuen: „Der König der Löwen“ kommt als Realverfilmung am 17.Juli 2019 in die deutschen Kinos. Der Regisseur hat schon 2016 den Disneyklassiker „Das Dschungelbuch“ als eine düstere Version ins Kino gebracht. Ich werde mir auf jeden Fall auch diese Realverfilmung auf großer Kinoleinwand anschauen.

Doch zum 25. Jubiläum von „Der König der Löwen“ wollte ich dieses Jahr auch das weltbekannte Musical von der Theater- und Filmregisseurin Julie Taymo, die 1998 für „Der König der Löwen“ mit dem Tony-Award für die beste Regie und die besten Kostüme ausgezeichnet wurde, in Hamburg besuchen. Und da ich eine Frau der Taten bin, erfüllte ich mir diesen großen Wunsch am Samstag, den 22. Juni 2019.

Um 20 Uhr war es endlich soweit und wir tauchten für zwei Stunden lang in die mystische Welt Afrikas, in die Hitze der Savanne, in der Simba, der Sohn des königlichen Löwenpaares Mufasa und Sarabi, geboren und allen Tieren des geweihten Landes von Rafiki präsentiert wird. Doch nicht alle sind bei der Zeremonie anwesend. Mufasas Bruder Scar fehlt, da er auf den Thron und auf Simbas Erbe neidisch ist.
Zeit vergeht und der großzügige und ehrenhafte Mufasa versucht, seinem rebellischen Sohn die Güte und Weisheit eines Königs spielerisch zu vermitteln.
Doch der neugierige Simba hört nicht auf seinen Vater und vertraut dem Falschen, seinem Onkel Scar. Scar und die hinterlistigen Hyänen locken Simba in einen Hinterhalt, was sein Vater Mufasa mit dem Leben bezahlen muss. Da Scar Simba einredet, dass er für den Tod seines Vaters verantwortlich ist, flieht Simba und findet weit weg von seiner Heimat in dem Erdmännchen Timon und dem Warzenschwein Pumbaa neue Freunde und eine neue Heimat.
Doch seinen Wurzeln kann man nie entfliehen und so erkennt Simba nach Jahren mit der Hilfe von Rafiki und seiner Jugendliebe Nala und dem Geist seines Vaters, was seine Bestimmung ist. In dem geweihten Land angekommen muss Simba mit Schrecken feststellen, dass das einst blühende Land durch Scars Herrschaft und der Anwesenheit der Hyänen zu einem trostlosen Ödland geworden ist. Entschlossen fordert Simba seinen Onkel zu einem Kampf um den Thron heraus.

Das Broadway-Musical von Elton John und Tim Rice läuft schon seit dem 2. Dezember 2001 in Hamburg und ist noch immer ein Dauerbrenner unter den Musicals in Deutschlands – auch an diesem Abend im ausverkauften Zuschauersaal. Und am 22. Juni 2019 wurde mir klar, warum dieses Musical noch immer ein Zuschauermagnet ist. Über 300 atemberaubende Masken und Requisiten, mehr als 400 farbenfrohe Kostüme erschaffen die Welt des beliebten Disneyfilms auf der Musicalbühne, in der Mensch und Tier durch die besondere Präsentation der Tierfiguren miteinander verschmelzen.

Die Änderungen im Vergleich zum Disneyfilm erschienen mir an dem besagten Abend vollkommen zielführend. Die Figur Rafiki ist hier im Gegensatz zum Film weiblich, da die Regisseurin Taymor der Meinung war, dass es im Film keine weibliche Führungsrolle gibt. Bongiwe Malunga, die Rafiki-Darstellerin, dankte es ihr an dem Abend mit ihrer Stimmgewalt und hat dem Zuschauer das geheimnisvolle Afrika und dessen Gebräuche näher gebracht.

Cleveland Cathnott verkörperte sehr authentisch den zugleich starken und gütigen König des Geweihten Landes und den sich sorgenden Vater Mufasa. Das ständige Knurren der Figur wirkte an keiner Stelle aufgesetzt und die voluminöse Stimme des Darstellers war schön anzuhören.

Zudem hat mich die Besetzung der Simba-Rollen überzeugt. Während Enes den verspielten und naiven jungen Simba glaubhaft verkörperte, spielte Riccardo Haerri sehr authentisch den erwachsenen Simba, der zunächst den leichten Weg geht und seine Identität verleugnet. Da Simba sich seinen Ängsten nicht stellt, kommt es auch zu der folgenden Szene, die im Musical dazu geschrieben wurde: In der Szene „Der Löwe schläft heut Nacht“ fällt Timon in einen Fluss. Simba wird an den Tod seines Vaters erinnert und ist in dieser Szene wie gelähmt. Riccardo Haerri hat mich an dem Abend auch gesanglich sehr stark überzeugt.

Sicherlich ist die Figur Scar ein bösartiger und intriganter Antagonist, der nicht einmal vor dem Mord an seinem eigenen Bruder zurückschreckt. Doch Stefan Voigt gelang es, mit der Darstellung der Figur, den Zuschauer bis zur letzten Minute zu fesseln und in den Bann zu ziehen.

An dieser Stelle muss ich positiv betonen, dass im Gegensatz zum Disneyfilm die Figur Nala im Musical viel stärker und selbstbewusster präsentiert wird, was sicherlich der stolzen Verkörperung der Figur durch die Darstellerin Gugu Zulu zu verdanken ist. Die Figur wäscht nicht nur ihrer Jugendliebe Simba bei einem Aufeinandertreffen den Kopf, sondern bleibt auch in einer intensiven Szene mit Scar stark.

Für die vielen Lacher an diesem Abend sorgten die Figuren, die schon im Disneyfilm unsere Herzen erwärmen: Der Nashornvogel Zazu ist der Haus- und Hofmeister des aktuellen Königs und Simbas glückloser Aufpasser. Zwar ist er seinem König und dessen Familie gegenüber sehr loyal, doch seine tollpatschige Art bringt ihn in viele schwierige und für den Zuschauer lustige Situationen. Großartig von Joachim Benoit gespielt.

In seiner schwierigsten Zeit wird Simba von zwei treuen Weggefährten aufgenommen, die ihm zeigen, dass die wichtigste Lebensweisheit im Leben ist: HAKUNA MATATA. Beide Figuren brachten mit ihrer sorgenfreien Art zu leben und ihrem manchmal tollpatschigen Verhalten den Zuschauer nicht nur im Film sehr oft zum Lachen. Tobias Korinth (Timon) und S'Thembiso Keith Mashiane (Pumbaa) machten aus den Figuren auch auf der Musicalbühne zwei Sympathieträger.

Neben Scar gibt es drei weitere Antagonisten im „Der König der Löwen“: Die drei hinterhältigen Hyänen Shenzi (Thenjiwe Nofemele), Banzai (Simon Gwala) und Ed (Sean Gerard) helfen Scar dabei, Mufasa zu ermorden und Simba zu vertreiben. An den Reaktionen der Zuschauer in der Pause konnte ich entnehmen, dass die Umsetzung der Szene mit den drei Hyänen in der ersten Hälfte das Publikum mehr als begeistert hat.

Die Musik. Was soll ich nur zu dieser wunderschönen und weltbekannten Filmmusik schreiben?! Vielleicht beginne ich von vorn. Für die Lieder engagierte man Elton John, der die Melodien zu den von Tim Rice geschriebenen Texten komponierte. Für die Musik erhielt der Film zwei Oscars: Hans Zimmer für die Beste Filmmusik und das Duo Elton John/Tim Rice für den besten Filmsong für „Can You Feel the Love Tonight.“

Der Dirigent Bradley Nyström und die Musiker triumphieren mit ihrer musikalischen Umsetzung im Musical. Die Mischung aus Popmusik von Sir Elton John und authentischen afrikanischen Rhythmen ergreift das Herz jedes Disneyfans. Alle bekannten Lieder („Der ewige Kreis“, „Kann es wirklich Liebe sein?“, „Hakuna Matata“) finden im Musical einen würdigen Platz.

Auch die Choreografie von Garth Fagan ist in dem „Der König der Löwen“ einzigartig und wurde zurecht mit dem Tony-Award für die beste Choreografie ausgezeichnet.

Mein Fazit: Das Musical „Der König der Löwen“ ist ein audiovisuelles Meisterwerk, das mit seiner grandiosen Musik, seinem Farbenreichtum und seinen wundervollen Darstellern überzeugt! Zurecht begeistert dieses Musical schon seit Jahren Groß und Klein in Hamburg. Auch die dargestellten Themen im Musical werden zu jeder Zeit aktuell sein: Loyalität, Freundschaft, Missgunst, Neid und der ewige Kreis aus Geburt, Tod und Wiedergeburt. Unbedingt besuchen und niemals vergessen: HAKUNA MATATA.

© E. Günther ("Mein Event-Tipp")
Kritik zu: The Band
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
1990 war ein Jahr, das in zahlreichen Frauenherzen für immer etwas verändert hat. 1990 war ein Jahr, das ein Feuer entfachte, das noch heute in den Herzen der weiblichen Fans brennt. 1990 war das Jahr, in dem eine der erfolgreichste Boybands geboren wurde: Take That. Robbie Williams, Mark Owen, Gary Barlow, Howard Donald und Jason Orange – fünf Gründe für viele schlaflose Nächte bei vielen Mädchen, deren Herz von der Band gleich zweimal gebrochen wurde. Im Jahr 1995 stieg Robbie Williams aus und ein Jahr später kam es sogar zur Trennung.
2005 gab es aber eine Reunion und Mark Owen, Gary Barlow und Howard Donald begeistern seitdem Mädchen und Frauen zugleich.

Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis die Musik von Take That in einem Musical verewigt wird. Im September 2017 wurde das Musical „The Band“ des britischen Dramaturgen Tim Firth uraufgeführt. Das zur Musik der Band Take That geschriebene Musical begeisterte unzählige Fans auf der Insel und kam im Jahr 2019 endlich auch nach Berlin, in das Stage Theater des Westens.
Am Samstag, den 18. Mai 2019, nahm ich meine Kollegin, den größten Take That-Fan aller Zeiten, ins Musical mit und wir versprachen uns zwei unvergessliche Stunden.

Und gleich im Zuschauersaal wurden wir in das Jahr 1993 gebeamt. Ein Videotext (Gibt es so etwas überhaupt noch?) erinnerte daran, was im Jahr 1993 alles passierte: Der Film „Jurassic Park“ lief im Kino, Bill Clinton wurde als US-Präsident vereidigt und in der TOP 40 der Charts war „Pray" von Take That die neue Nummer 1.

Doch in dem Musical „The Band“ geht es nicht um die musikalische und persönliche Entwicklung der Boyband Take That. In dem Musical wird zur Musik der britischen Boyband eine andere Geschichte erzählt:
eine Geschichte von fünf Freundinnen in den 90-iger Jahren, die durch ihre Freundschaft und ihre Liebe zu ihrer Boyband miteinander verbunden sind. Ihre Liebe zur Musik scheint zunächst auch das Einzige zu sein, das diese auf den ersten Blick so unterschiedlichen Charaktere miteinander gemeinsam haben.

Debbie ist die optimistische Wortführerin und Organisatorin der fünf Mädchen. Claire ist eine zielstrebige Sportlerin, die mit Turmspringen die Olympischen Spiele gewinnen möchte. Zoe ist die fleißige Streberin, die sich von ihren Büchern mehr verstanden fühlt als von Gleichaltrigen. Heather hat bis jetzt keine Feier und keinen Jungen ausgelassen, eine berühmte Modedesignerin möchte sie werden. Und Rachel möchte einfach nur den richtigen Mann heiraten und eine Familie gründen, dabei soll ihre beste Freundin Debbie ihre Trauzeugin werden.

Doch ein schrecklicher Unfall zerstört die Träume der Mädchen und reißt sie auseinander. Nach 25 Jahren treffen die Mädchen, die jetzt erwachsene Frauen mit anderen Problemen geworden sind, wieder aufeinander. Rachel hat nämlich wie früher Debbie an einem Gewinnspiel teilgenommen und Karten für ein Konzert der Boyband ihrer Jugend gewonnen
Gelingt es den fünf, den schrecklichen Unfall vor 25 Jahren aufzuarbeiten und wieder zueinander und zu sich selbst zu finden?

Das Musical berührt nicht nur das Herz jedes Take That-Fans, sondern auch das jeder Frau. Wir sehen, wie das Leben, von dem man als Teenager geträumt hat, zerbricht und man als erwachsene Frau viele seiner Träume begraben muss.
Aus den fünf jungen Freundinnen (Maria Arnold als junge Rachel, Ruth Lauer als Debbie, Jara Maria Buczynski als junge Heather, Kristin Heil als junge Claire und Laura Saleh als junge Zoe) sind nun erwachsene Frauen geworden, deren Realität nichts mehr mit ihren Wünschen von einst zu tun hat.

Rachel (Silke Geertz) lebt zwar in einer langen Beziehung, doch scheint sie nicht glücklich zu sein. Den Unfall vor 25 Jahren hat sie bis heute nicht verarbeitet und kann deswegen nicht heiraten. Der Unfall hat ein Loch in ihr Herz gebrannt und sie erhofft sich, durch das Treffen mit ihren Schulfreundinnen dieses Loch wieder füllen zu können. Ihr verändertes Verhalten – die Teilnahme an einem Gewinnspiel, die spontane Reise zu einem Konzert in Prag – macht jedoch ihrem langjährigen Partner eine große Angst.
Als Zuschauer nimmt man der Darstellerin ihre inneren Qualen und ihre Zerrissenheit zwischen dem aktuellen und dem früheren Leben ab und kann sich mit ihr sehr gut identifizieren.

Auch die Streberin Zoe hat sich verändert. Sie ist nicht nur eine Wissenschaftlerin, sondern auch verheiratet und hat vier Söhne. Doch da ihre Söhne längst studieren, fühlt sie eine innere Leere und weiß nichts mit sich anzufangen. Zoe wird glaubhaft von der Schauspielerin Heike Kloss verkörpert.
Heike Kloss wurde in der RTL-Comedy-Serie „Alles Atze" als Biene an der Seite von Atze Schröder bekannt. Zudem stand sie in verschiedenen Musicals wie „Cats“ in Hamburg, „Grease“ in Berlin und „Chicago“ in München auf der Bühne.

Für eine der größten Überraschungen unter den Freundinnen sorgt Heather. Aus dem Vamp Heather, der jeden Jungen verführte, wurde die Karrierefrau Heather, die mit einer Frau verheiratet ist. Laura Leyh, auch bekannt als Eliza in „My Fair Lady“, macht aus der Figur eine richtige Sympathieträgerin im Erwachsenenalter.

Die zweite große Überraschung hält Claire bereit. Aus der zierlichen und nach einer Goldmedaille strebenden Claire wird eine füllige Claire, die nicht nur ihren Traum von der Olympiade, sondern auch sich selbst aufgegeben hat. Grandios von Yvonne Köstler gespielt, die vielen aus den Musicals „Fame“, „Sister Act“ und „Tanz der Vampire“ bekannt ist.

Eine wunderschöne und an vielen Stellen herzzerreißende Geschichte über Freundschaft, die nach Jahren wieder aufblüht, und über Träume, die mit der Zeit zerplatzen und neu erfunden werden müssen. Die Frauen im Zuschauersaal, darunter auch meine Begleitung und ich, haben an vielen Stellen schluchzen müssen, denn man findet in dem Musical mindestens eine Figur, mit der man sich identifizieren kann und man muss automatisch die Träume seiner Jugend mit seinem aktuellen Leben vergleichen.

Neben der emotionalen Geschichte spielt selbstverständlich auch die Musik von Take That eine wichtige Rolle in dem Musical. Zum Glück werden die beliebten Take That-Lieder im englischen Original gesungen. Von „Never Forget“ bis „Back for Good“ kommen alle bekannten Lieder vor.
Obwohl das Logo der Musical-Band mit den beiden umgekehrten, aufeinander gestapelten Ts auf der Bühne auf die Band Take That verweist, hat die Band in dem Musical keinen Namen. Dadurch wird der Geschichte der fünf Freundinnen mehr Platz eingeräumt.

Auch die Band in dem Musical besteht aus fünf talentierten und charismatischen jungen Männern: Der Bekannteste unter ihnen ist sicherlich Prince Damien, der im Jahr 2016 die Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ gewonnen hat und aktuell als Vocalcoach bei DSDS arbeitet.
Auch Sario Solomon kennt man aus einer Castingshow. Sario Solomon gewann 2017 die TV-Talent-Show „Let It Shine“ von Gary Barlow.
Den dritten Sänger, Helge Mark Lodder, habe ich bereits im Kinder-Musical „Die Schneekönigin“ im Wintergarten Berlin live erleben dürfen. Taddeo Pellegrini kennen viele aus den Musicals „Aladdin“ und „West Side Story“. Der fünfte in der Band ist Alex Charles, von dem ich hoffe, noch mehr zu sehen.

Zusammen mit der sechsköpfigen Live-Band unter der Leitung von Shay Cohen lassen die fünf oben genannten Sänger die Zuschauerinnen im Saal wieder zu rot werdenden Teenagern werden, die bei jedem Lied begeistert mitsingen und ihre Textsicherheit demonstrieren. Die Songs werden von den fünf sehr gut live dargeboten, obwohl es die Geschichte verlangt, dass sie eher im Hintergrund agieren. Sie kommen aus dem Mobiliar im Jungmädchenschlafzimmer oder dem Schulspind. Auch als Brunnenfiguren oder als Flughafenpersonal treten sie auf und zeigen, dass sie noch immer ein fester Bestandteil im Leben der vier Frauen geblieben sind. Doch im Gegensatz zu den Frauen sind die Mitglieder der Boyband nicht älter geworden.

Mein Fazit: Das Musical „The Band“ hat mein Herz berührt. Die Geschichte und deren Figuren, die wunderbar besetzt wurden, lässt mich daran erinnern, wie vergänglich das Leben ist und wie wichtig loyale und gute Freundinnen sind. Wir müssen an ihnen festhalten und dürfen es nicht zulassen, dass der Alltag sie aus unserem Leben reißt. „The Band“ hat aber an dem Abend auch sehr viele Take That-Fans glücklich gemacht, denn alle Evergreens kommen vor – ohne dass die Musicaldarsteller die Band Take That kopieren möchten. Ein sehr schönes Musical, das noch bis zum 15. September 2019 im Stage Theater des Westens spielt und im Oktober 2019 ans Deutsche Theater in München wechselt.


© E. Günther ("Mein Event-Tipp")

 

Preis: €14,95 €11,95

UNSERE BÜCHER
ALS PDF-DATEI

AUSWAHL

 

Preis: €14,95 €11,95

 


DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN





AUF DER BÜHNE © 2021

AUF DER BÜHNE

Auf der Bühne

TICKETS KAUFEN
eventim


PDF-Datei: 11,95 € 8,95 €
Weitere Formate auf
Amazon & Google:
Kindle eBook
Taschenbuch
Google eBook

WEITERE BÜCHER


ANZEIGE

3.3
Durchschnittsnote aller Stücke
5 846+
4 1891+
3 1686+
2 1073+
1 427+
Kritiken: 2937

PDF-Datei: 22,60 € 16,95 €

Weitere Formate auf Amazon & Google Play:
Kindle eBook - Taschenbuch - Google eBook


UNSERE BÜCHER ALS PDF-DATEI

AUSWAHL


UNSER PARTNER

BUCH ALS PDF-DATEI
Toggle Bar
X

Right Click

No right click