Kritik zu: Saturday Five
Improvisationstheater (Improtheater) stellt für mich die höchste Kunst der Comedy und allgemein der Schauspielkunst dar, denn es werden Szenen ohne eine vorgeschriebene Handlung dargestellt. Die Schauspieler müssen auf die Beiträge der Zuschauer sofort reagieren und um sie herum eine Geschichte bilden, auch wenn die hereingerufenen Wörter absurd erscheinen. 

Paternoster gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Improtheathern in Berlin. Seit 15 Jahren spielen die zehn professionellen Schauspieler des Improtheater Paternoster, die aus verschiedenen künstlerischen Bereichen wie Theater, Comedy oder Pantomime kommen, jede Woche dienstags („Der Spielekönig“) und mittwochs („Dein Held - Deine Geschichte“) vor einem ebenso spontanen und immer wieder begeisterten Publikum. 

Ab dem 04. Mai 2019 an jedem 1. Samstag im Monat um 19:00 Uhr gibt es für das Training der Lachmuskeln eine brandneue Show im Maschinenhaus der Kulturbrauerei: „Saturday Five - Die Erwachsenen-Impro-Show“! Am Samstag, den 3. August 2019, nahm ich eine Freundin mit zu der Show, die ich für ihre Spontanität und ihre witzige Art schätze und erhoffte mir dadurch viele interessante Herausforderungen für die Schauspieler. 

Um 19 Uhr stellten die drei Schauspieler (eine Frau und zwei Männer) an diesem Abend ihr folgendes Programm vor: Fünf improvisierte Szenen sollten nach den Zurufen der Zuschauer im gut gefüllten Maschinenhaus von den drei Darstellern präsentiert werden. An dem gestrigen Abend gab es Geschichten zu Kevin, der nicht wie sein Vater Metzger, sondern Astronaut werden wollte; eine Kriminalgeschichte in Japan; eine Geschichte im Kreißsaal und eine auf dem Wacken-Festival und sogar eine Oper mit dem Titel „Das große Zittern“ (ein Zuruf meiner Begleitung).

Nach den fünf Szenen konnte dann das Publikum anhand der Lautstärke seines Beifalls bestimmen, welche drei Szenen weiter improvisiert werden sollten. Nach der Pause wurden die ausgewählten drei Szenen weiter gespielt, bis es am Schluss nur eine Szene gab. Diese Szene, in unserem Fall die auch von mir favorisierte Kriminalgeschichte in Japan, wurde anschließend von den Darstellen bis zum Ende gespielt. 

Am Ende der Show gab es zusätzlich zu den gelungenen fünf Szenen noch etwas Anderes zu gewinnen: Wer am Anfang der Show schon wusste, welche der fünf Szenen gewinnen wird und seinen Namen in den richtigen Topf der vorhandenen fünf Töpfe getan hat, der hatte die Chance, zwei Karten für eine weitere Show „Saturday Five“ zu gewinnen. 

Mein Fazit: Die gestrigen drei Darsteller und der Musiker des Improtheaters Paternoster überzeugten durch ihre Spontanität, sympathische Art und ihr Improvisationstalent. Wir haben sehr viel gelacht und fanden die fünf entstandenen Geschichten in der Show „Saturday Five“ sehr amüsant. 

© E. Günther ("Mein Event-Tipp")
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- die aktuell angesagteste Tanzcompany auf Deutschlandtournee (Berlin, Köln) -

Tanzen ist die leidenschaftlichste Sprache auf der Welt, die die unterschiedlichsten Menschen verbinden kann, und das intensivste Stilmittel der Kunst. Und keine andere Tanzcompany beherrscht im Moment diese Sprache und dieses Stilmittel so gut wie das US-amerikanische Complexions Contemporary Ballet, das mit seiner Deutschlandtournee sein 25-jähriges Bestehen feiert.

Im Jahr 1994 gründete der mit mehreren Preisen ausgezeichnete Starchoreograf Dwight Rhoden, den ich schon in der Tanzshow „The Great Gatsby“ bewundern durfte, und der ebenfalls mit Preisen überhäufte Startänzer Desmond Richardson, der bereits mit mehreren Showgrößen gearbeitet hat, in New York das Complexions Contemporary Ballet. Das Complexions Contemporary Ballet gehört aktuell zu den angesagtesten US-amerikanischen Tanzcompagnien.  Die Tänzer der Company kommen aus den USA, Kanada, Australien, Kolumbien sowie aus Japan und Korea. 

Und so stand es für mich außer Frage, dass ich am Dienstag, den 9. Juli 2019, zur Premiere in der Komischen Oper gehen würde, um selbst über das außergewöhnliche Können der Tanzcompany des Chefchoreografen Dwight Rhoden und von Desmond Richardson, des ersten afroamerikanischen Solisten beim American Ballet Theatre, urteilen zu können.

Die Show „STAR DUST – From Bach to Bowie“ soll eine auf den ersten Blick musikalisch und tänzerisch nicht zusammenpassende Verbindung schaffen, zwischen den Tänzen zur Musik des Barockgenies Johann Sebastian Bach und seines Sohnes Carl Philipp Emanuel Bach und der Pop-Ikone David Bowie.
Um 20 Uhr öffnete sich der rote Vorhang in der fast auf den letzten Platz ausverkauften Komischen Oper Berlin und mit Bach 25 interpretierten 16 Ausnahmetänzer in der ersten Showhälfte tänzerisch die Musik von Johann Sebastian Bach (z.B. Klavierkonzert, D-Moll: „Adagio“) und die seines Sohns Carl Philipp Emanuel Bach.
Zur schweren und imposanten Barockmusik zeigten die grandiosen Talente in Gruppen, Duetten und Soli wunderschöne Choreografien, die eine unmenschliche Körperbeherrschung abverlangten. Diese vertanzte Körperkunst ließ mich sprachlos zurück: Wie kann man zur Barockmusik eine solche atemberaubende Choreografie auf die Beine stellen?!

In der zweiten Showhälfte ging es mit einer innovativen Mischung aus Klassik, Ballett und Popkultur auf der Tanzbühne weiter. Die 16 Tanzgötter widmeten sich nun einem anderen Musikgenie: David Bowie, zu deren Welthits „Space Oddity“ (1969), „Life On Mars“ (1971), „Heroes“ (1977), „Let's Dance“ (1983) und „Lazarus“ (2016) sie pulsierende Choreografien präsentierten. Vor allem die tänzerische Umsetzung des Liedes „Heroes“ hat mich tief bewegt.
Im Gegensatz zur ersten Hälfte waren die Tänzer jetzt wie die Pop-Ikone David Bowie extravagant geschminkt und tanzten in den farbenfrohen Kostümen von Christine Darch mehr in Gruppen.
Eine tänzerisch unglaublich beeindruckende und vielseitige Hommage an die Pop-Legende David Bowie. Jeder der Tänzer übernahm in der Show die Rolle von David Bowie, dessen Persönlichkeit in jedem von uns widerspiegelt werden kann.

Als Zuschauer bemerkte man, wie die Musik die durchtrainierten Körper der Tänzer durchströmte. Dwight Rhoden und die 16 Tänzer schufen sinnliche und leidenschaftliche Choreografien, die international ihresgleichen suchen. Das Lichtdesign von Michael Korsch verhalf diesen emotionalen Tänzen zu etwas Magischem.

Was mich an dem gestrigen Abend besonders inspirierte, war, dass in der Tanzcompagny unterschiedliche Menschen tanzten: Afroamerikaner (u.a.Jared Brunson), früher im Ballett undenkbar große Frauen (Jillian Davis), kleine Männer (Thomas Dilley), Asiatinnen (Eriko Sugimura), Lateinamerikaner (Miguel Solano), Tänzer in ihrer ersten Saison (u.a. Maxfield Haynes) oder in ihrem fünften Jahr (Shanna Irwin). Dieser Zeitgenössische Tanz verband die unterschiedlichsten Individuen zu einem poetischen Ganzen – so wie es David Bowie gewollt hätte – und bestätigte meine Eingangsthese, dass Tanzen verbindet.

Mein Fazit: „STAR DUST – From Bach to Bowie“ ist eine überwältigende Tanzshow, die zurecht mit Beifallsstürmen quittiert wurde. Tänzerische und musikalische Grenzen wurden auf dem tänzerisch höchsten Niveau von 16 Tänzern und deren begnadeten Choreografen an diesem Abend gesprengt. Bis zum 14. Juli 2019 könnt Ihr diese Ausnahmeshow noch in der Komischen Oper Berlin besuchen, danach läuft sie in Köln (16.7.-21.07.19).


© E. Günther ("Mein Event-Tipp")
Kritik zu: West Side Story
„Only you, you're the only thing I'll see forever
In my eyes, in my words and in everything I do
Nothing else but you
Ever
And there's nothing for me but Maria “
(„Tonight“ aus „West Side Story“)

Warum faszinieren uns noch immer tragische Liebesgeschichten? Warum fiebern wir immer wieder mit, wenn sich Romeo und Julia, Tony und Maria, Jack und Rose und aktuell im Kino auch Emil und Milou die ewige Treue schwören? Wir tun das, weil wir daran glauben möchten, dass Liebe alle Grenzen überwindet und Oberflächlichkeiten wie eine unterschiedliche Herkunft, Religion und Hautfarbe keine Rolle spielen – zumindest nicht, wenn es um die wahre Liebe geht.

Das ist auch der Grund dafür, warum das Musical „West Side Story“, eine moderne Romeo und Julia-Geschichte und ein Musical-Klassiker, noch immer auf mich und auf Millionen von anderen Zuschauern eine nie endende Faszination ausübt.

„West Side Story“ wurde im Jahr 1957 uraufgeführt, hinter dem Musical stehen vier geniale Köpfe: der Komponist Leonard Bernstein, der Choreograf Jerome Robbins, der Autor Arthur Laurents und der Songtexter Stephen Sondheim. Auch die Verfilmung im Jahr 1961, die meine Lieblingsverfilmung darstellt, wurde mit zehn Oscars ausgezeichnet. Auf die baldige neue Verfilmung durch den Mastermind Steven Spielberg bin ich auch sehr gespannt.

Doch zunächst wollte ich mir die international preisgekrönte Produktion von Joey McKneely, die weltweit als einzige Jerome Robbins' Originalchoreografie von der Broadway-Premiere 1975 zeigt, nicht entgehen lassen. Am Samstag, den 6. Juli 2019, wartete ich mit zahlreichen anderen begeisterten Zuschauern auf die Premiere.

Die Geschichte von „West Side Story“ spielt in New York City der 1950er Jahre. Es herrscht ein Bandenkrieg zwischen rivalisierenden Jugendbanden: zwischen den US-amerikanischen Jets und der puerto-ricanischen Sharks.
Riff, der Wortführer der Jets, schlägt seinen Jets einen alles entscheidenden Kampf zwischen ihnen und den Sharks vor. Dafür möchte er auch seinen Freund Tony zurückholen.
Tony, der Mitbegründer der Jets, ist aus der Gang ausgetreten.
Auf einem Tanzabend der Schule verliebt sich Tony in Maria. Maria, die sich ebenfalls in Tony verliebt, ist aber die Schwester von Bernardo (Anführer der Sharks). Auf Marias Balkon gestehen sich beide ihre Liebe und schwören sich ewige Treue.
Am nächsten Abend treffen sich beide Gangs, um den Kampf um die Straßen von New York zu entscheiden. Maria hat zuvor jedoch Tony gebeten, den Kampf zu verhindern. Doch Riff wird im Laufe des Kampfes von Bernardo erstochen. Tony rächt daraufhin seinen Freund und ersticht Bernardo.
Tony gelingt es, Maria davon zu überzeugen, dass Bernardos Tod nicht geplant war. Beide entschließen sich, fortzugehen und an einem anderen Ort zusammen zu leben. Hat ihre junge Liebe eine Chance oder scheitert ihre junge Beziehung an dem Bandenkrieg?

An dem Abend, an dem Maria Tony begegnet, trägt sie ein weißes Kleid mit einem roten Band, das ihre Unschuld und Jungfräulichkeit unterstreicht. Zum ersten Mal wiedersetzt sich Maria ihrem Bruder Bernardo und verliebt sich in Tony, der aus einer anderen Kultur stammt und der Widersacher ihres Bruders ist.
In dieser Rolle der unschuldigen jungen Frau, die mit der Entscheidung für die Liebe ihren eigenen Weg geht, glänzt Sophie Salvesani. Sophie Salvesani hat in ihren jungen Jahren schon viele Erfahrungen auf der Bühne sammeln können (Christine in „Das Phantom der Oper“ und Cosette in „Les Misérables“  in der Produktion der Ipswich Musical Theatre Company) und überzeugte auch auf dem Premierenabend nicht nur mit ihrem Schauspiel, sondern mit einer unglaublich starken Sopranstimme, bei der ich oft Gänsehaut hatte.

In dem sehr jungen Cast beeindruckt Todd Jacobsson, der bereits in der preisgekrönten australischen Produktion von „The Book Of Mormon“ brillierte, mit der Figur Tony. Genauso wie Maria will er den Bandenkrieg endlich beenden und kämpft für das Recht auf die wahre Liebe. Voller Inbrunst sang an dem gestrigen Abend Jacobsson meine Lieblingslieder aus dem Musical. Eine grandiose Stimme!

Zwar bestechen die beiden Hauptdarsteller durch ihre großartigen Stimmen, doch den Preis für die beste schauspielerische Leistung des Abends würde ich Chloé Zuel verleihen.
In „West Side Story“ verkörpert Zuel sehr authentisch die feurige und temperamentvolle Anita, die ihren Bernado zwar über alles liebt, aber auch ihren eigenen Kopf hat, was sie sehr häufig unter Beweis stellt. Chloé Zuel ist eine Ausnahmeerscheinung, was das Tanzen, Singen und Schauspielern betrifft und bekam zurecht den meisten Applaus an dem Abend.

Auch Lyndon Watts, der zuletzt in ganz Australien als Jafar in Disneys „Aladdin“ überzeugte, interpretiert hervorragend die Rolle des Bernardo, die eines leidenschaftlichen und sich um seine Schwester sorgenden Puerto Ricaners.

Auch Noah Mullins hat mir gestern in seiner Rolle des Anführers Riff sehr gefallen. In seinem Schauspiel und seiner Art, sich zu bewegen, erinnerte er mich stark an den in Deutschland sehr bekannten Musicaldarsteller Anton Zetterholm.

Donald Chan und das Orchester spielten alle weltberühmten Kompositionen von Leonard Bernstein: „Maria“, „Tonight“, „Somewhere“ und „America“ gingen sofort in mein Herz und begleiteten noch die ganze Nacht meine Gedanken und Träume. Auch die Originalchoreografie von Jerome Robbins, in der die Jets vor allem Ballettelemente tanzten und die Sharks viele Flamenco-Elemente auf der Bühne zeigten, war wunderschön anzusehen und bekam häufig Szenenapplaus.

Mein Fazit: Verletzte Ehre, Bandenkrieg, Fremdenfeindlichkeit und Vorurteile gegenüber den anderen (und zwar von beiden Seiten), aber auch die wahre Liebe – davon handelt das Kultmusical „West Side Story“. Diese gelungene Inszenierung mit einem talentierten jungen Cast, einer wunderschönen Musik und bezaubernden Tänzen läuft noch bis zum 14. Juli 2019 in der Staatsoper Unter den Linden und zieht dann nach Dresden (17.7.- 4.8.19).


© E. Günther ("Mein Event-Tipp")

 

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