Kritik zu: Don Quixote
Die literarische Vorlage „Don Quixote“ von Miguel de Cervantes ist weltberühmt, aber auch der gleichnamige Ballettklassiker in der Fassung von Víctor Ullate ist allen Ballettliebhabern ein Begriff.
So auch mir, die voller Vorfreude die Aufführung am Freitag, den 17. Dezember 2021, um 19:30 Uhr in der Deutschen Oper besucht hat.

Doch wovon handelt Cervantes’ berühmte Geschichte von „Don Quixote“?
Don Quixote träumt von edlen Abenteuern und von einer wunderschönen Frau, die er unbedingt finden möchte. Mit seinem treuen Diener Sancho Panza unternimmt er eine Reise voller Abenteuer. Auf ihrer Reise begegnen sie der hübschen Kitri, die ihren Liebsten, den Barbier Basil, heiraten möchte. Doch Kitris Vater mag Basil nicht und möchte seine Tochter lieber mit dem alten, aber reichen Adligen Camacho verheiraten. Das Paar flieht schließlich aus seinem spanischen Dorf und findet Unterschlupf bei Nomaden. Bald werden jedoch Kitri und Basil von Don Quixote und Gamache entdeckt.
Kann am Ende die leidenschaftliche Liebe zwischen Kitri und Basil siegen oder darf der Vater am Ende triumphieren?

Die schöne und junge Kitri ist hin- und hergerissen, zwischen dem Wunsch, ihrer großen Liebe nachzugeben und der Sorge, ihren Vater zu enttäuschen. Am Ende folgt sie dem Ruf ihres Herzens und flieht mit ihrem Basil. Evelina Godunova, die ich schon in "Jewels" wunderbar fand, verkörpert fabelhaft die liebende und innerlich zerrissene Wirtstochter. Ihre Liebe für Basil und die in ihr glühende Leidenschaft drückt sie in jedem Tanzschritt aus.

Auch der junge und lebensfrohe Basil – ein spanischer Barbier - schwärmt nicht für Kitri, sondern ist ihr vollkommen verfallen. Daher buhlt er nicht um ihre Liebe, sondern auch um die Akzeptanz ihres Vaters. Daniil Simkin geht in seiner Rolle vollkommen auf. Sein leichtfüßiger Tanz unterstreicht seine überschwängliche Liebe für Kitri.

Obwohl das literarische Werk „Don Quixote“ nach dem gleichnamigen Ritter benannt ist, sind die literarische Figur und ihr Diener in der Ballettaufführung nur Randfiguren. Aber auch hier wird Don Quixote – von Eoin Robinson fabelhaft gespielt – als ein verträumter Idealist dargestellt, der für Anstand, Ehre und Tapferkeit kämpft. Doch ist er von der Lektüre der Ritterromane so fasziniert, dass er oft zwischen Traum und Realität nicht mehr unterscheiden kann. Daher ist es gut, dass sein treuer Gefährte und Diener Sancho Pansa immer an seiner Seite ist. Alexandr Abdulkhalikov stellt den Gegenpart, einen sachlichen Realisten, überzeugend dar.
Sowohl Eoin Robinson als auch Alexander Abdukarimov tanzen nicht in der Ballettinterpretation, sondern treten nur als Schauspieler auf.

Die Tänze in „Don Quixote“ sind außergewöhnlich schön und erwärmen mit ihrer schwierigen Choreografie und der brillanten Umsetzung durch die Balletttänzer das Herz jedes Ballett- und Tanzliebhabers. Zu den überragendsten Tänzen an diesem Ballettabend zählen für mich:
die Tänze im ersten Akt: Die temperamentvollen Tänze der Toreros und die leidenschaftlichen Tänze der Straßentänzerinnen mit den Flamenco-Elementen, dem rhythmischen Händeklatschen und den Fächern begeisterten die Zuschauer im Saal. Im Mittelpunkt standen dabei die feurige und wunderschöne Mercedes (Krasina Pavlova) und ihr stolzer Liebhaber, der Torero Espada (Alexei Orlenco). Beide verführten das Publikum mit ihrem intensiven Tanz, ihrer unglaublichen Eleganz und ihrer starken Ausstrahlung.

Meine zweite Lieblingschoreografie findet im zweiten Akt der Ballettaufführung statt: Auf ihrer Flucht begegnen Kitri und Basil den Gitanos, dem Sinti und Roma- Volk in Spanien. Die Gitanos zeigen ihnen ein Theaterstück, das von den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen handelt. Dabei entführen uns die Tänzer Arshak Ghalumyan und Iana Balova mit ihren eindrucksvollen und emotionalen Tänzen in eine mystische Welt, die unser Herz gefangen nimmt.

So beeindruckend geht es in der Waldszene im zweiten Akt weiter. Don Quixote findet sich in einer Traumwelt wieder. Die Dryaden, die Waldnymphen, verzaubern mit ihrem verträumten Tanz nicht nur Don Quixote und demonstrieren eine Welt der reinen Schönheit und Perfektion. Cupido (Dominic Whitbrook) und die Königin der Dryaden (Sarah Brodbeck) sind dabei der Inbegriff der Unschuld, die alle im Saal in ihren Bann zieht.

Aber natürlich standen die beiden Protagonisten Kitri und Basil nicht nur handlungstechnisch im Vordergrund, sondern auch tänzerisch. Evelina Godunova und Daniil Simkin tanzten anspruchsvolle Tanzpartien wie zum Beispiel die herausfordernden Passagen des Hochzeits-Pas-de-deux im letzten Akt elfenhaft leicht. Ihre tänzerische Kunst raubte den Zuschauern oft den Atem und entlud sich an vielen Stellen in einem begeisterten Szenenapplaus.

Die Original-Choreografie von Marius Petipa und die Einstudierung von Eduardo Lao bringen mit ihrer dargestellten Tradition des Flamenco den authentischen Charakter Spaniens auf die Bühne.
Die ungezwungene Lebensfreude der Balletttänzer und heitere Handlung wird auch in den Zuschauersaal transportiert.
Doch diese spanische Lebensfreude wird nicht nur durch die Tänze, sondern auch durch die Musik hervorgerufen: Víctor Ullate ließ Ludwig Minkus‘ Partitur um die Gitarren-Musik des spanischen Gitarristen José Maria Gallardo del Rey erweitern. Der Dirigent Robert Reimer, den ich genauso wie die Balletttänzer Alexei Orlenco und Iana Balova schon in „Onegin“ bewundern durfte, und der Gitarrist Carlos Hamann setzen dieses spanische Gefühl wunderbar um.

Mein Fazit: „Don Quixote“ ist für mich eine der leidenschaftlichsten Ballettaufführungen, die ich je gesehen habe. Die Tänze sind unglaublich anspruchsvoll, werden aber elegant und dynamisch von den Balletttänzern umgesetzt. „Don Quixote“ sprüht vor Lebensfreude und begeistert auf ganzer Linie. In der Adaptation 2021 in der Deutschen Oper stimmt einfach alles: die herausragenden Balletttänzer, die auch begnadete Darsteller sind, die leidenschaftliche Choreografie, die gefühlvolle Musik und das authentische Lebensgefühl Spaniens. Neben den Ballettinterpretationen „Der Nussknacker“ und „Onegin“ gehört ab jetzt „Don Quixote“ zu meinen Lieblingsballettaufführungen.

Praktische Informationen: Der Ballettabend dauert 185 min. (inkl. 2 Pausen). Es gilt 2G, eine Maske muss überall getragen werden.

© E. Günther ("Mein Event-Tipp")
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Für mich bedeutet Winterzeit Märchenzeit. Vor allem in der Winterzeit sind uns Traditionen und die Zeit mit der Familie und mit guten Freunden wichtig. Und wenn dazu noch Grimms Märchen gezeigt werden, dann kann einem die Kälte draußen nichts mehr anhaben. Dieses Konzept verfolgte in den letzten Jahren auch der Glaspalast am Pfefferberg, in dem man im Winter Grimms Märchen für Kinder und für Erwachsene neu interpretiert erleben konnte. Dieses Jahr ist zwar wegen Corona vieles anders, doch das Hexenberg Ensemble lässt uns auch dieses Jahr nicht im Stich und zeigt uns seine Märchen einfach im Pfefferberg Theater nebenan.

Ich habe Grimms Märchen bereits unzählige Male im Glaspalast gesehen: „Der gestiefelte Kater“, „Hans im Glück“, „Schneewittchen“, „Frau Holle“, „Hase und Igel“, „Ali Baba“ und „Aschenbrödel“. Alle diese Märchen waren ganz anders als erwartet und das Hexenberg Ensemble brachte das erwachsene Publikum in den Abendvorstellungen jedes Mal zum explodierenden Gelächter. Warum sollte ich dann in diesem Jahr die Traditionen vergessen und etwas anders machen?! Am Freitag, den 3. Dezember 2021, um 20:30 Uhr entschied ich mich für die beiden Märchen „Rapunzel“ und „Rotkäppchen“.

Das traditionelle Märchen „Rapunzel“ begann mit dem modernen Lied „Hammer“ und einer Tanzeinlage der beiden Hautdarsteller und auch danach war nichts so, wie man es vorher erwartet hatte.
Andreas Klopp, den ich bereits in dem Theaterstück „Der Geizige“ (Molière) im Pfefferberg Theater live erlebt habe, ging in seiner Rolle des Prinzen und des Vaters vollkommen auf und zeigte vollen Körpereinsatz. Claudia Rippe, mir bereits aus dem Theaterstück „BEING JANE DARK“ bekannt, übernahm gleich drei Rollen: Die Charaktere Mutter, Rapunzel und Zauberin wurden von ihr sehr überzeugend dargeboten und Rippe bewies damit ihr komödiantisches Talent. Meine Lieblingsszene war die zwischen dem Prinzen und der Zauberin.

Nach einer 10-minütigen Pause kam mit „Rotkäppchen“ das zweite Märchen an diesem Abend. Mit Vlad Chiriac, der den bösen und wilden Wolf an diesem Abend spielte, erschien mein Lieblingsdarsteller des Pfefferberg Theaters auf der Bühne. Damit der/die Schauspieler/in an Chiriacs Seite nicht unterging, brauchte es natürlich eine genauso starke Persönlichkeit mit einem genauso überzeugenden Talent. Und mit Katrin Schwingel, die die Rolle des züchtigen Rotkäppchens übernahm und die ich bereits aus dem Märchen „Schneewittchen“ kannte, hat das Pfefferberg Theater eine ebenfalls sehr talentierte Schauspielerin dem Publikum präsentiert, die ihre Rolle ebenfalls mehr als überzeugend interpretierte.
Die Mimik dieser beiden Darsteller und die Artikulation (Überspitzung des rollenden R) waren einfach nur großartig und zum Brüllen komisch! Das Märchen war natürlich eindeutig für Erwachsene konzipiert, da es sexualisiert und derb präsentiert wurde. So wurde das Rotkäppchen von dem Wolf am Ende ins Bett gelegt, allerdings auf die erwachsene Art und Weise.

Mein Fazit: Neben „Hase und Igel“, „Hans im Glück“ und „Aschenbrödel“ gehören die Neuinterpretationen von „Rapunzel“ und „Rotkäppchen“ nun zu meinen Lieblingsmärchen des Hexenberg Ensembles. Auch die Ansprachen der Darsteller am Ende des jeweiligen Märchens sind jedes Jahr legendär.
Das ganze Publikum hatte einen sehr lustigen Abend und die Zeit verging leider wie im Flug. Die sehr zufriedenen Zuschauer werden sicherlich wiederkommen, mich eingeschlossen.
Also eine märchenhafte Zeit im Pfefferberg Theater...

Praktische Hinweise: Wer mit seinen Kindern kommen möchte, der sollte das Theater nachmittags besuchen, Erwachsene dagegen abends. Jedes Märchen dauert eine halbe Stunde. Es werden immer zwei Märchen hintereinander aufgeführt. Im Theater gilt die 2 G+-Regel: Genesene und Geimpfte kommen mit einem tagesaktuellen negativen Test in das Theater. Erwachsene zahlen 16 € (ermäßigt 13 €), Kinder bis zu 12 Jahren 8 €.

Text © E. Günther ("Mein Event-Tipp")
Ein normaler Samstagabend in den 70-er Jahren, es läuft die musikalische Familienshow im ZDF. "So, als ob Du schwebtest" - eine Fernsehshow, bei der sich die ganze Familie vor dem Fernseher versammelt.
Na, klingelt es bei Euch? Ich muss ehrlich zugeben, dass mir persönlich das in Deutschland beliebte Musik-Ehepaar Cindy und Bert vor der Show nichts gesagt hat. Allerdings bin ich seit der legendären Show „Frau Luna“ ein sehr großer Fan der talentierten
Geschwister Pfister. Aus diesem Grund musste ich einfach auch am Freitag, den 29. Oktober 2021, um 20 Uhr ihre neue und fast ausverkaufte Show im Tipi am Kanzleramt besuchen: „Cindy und Bert - So, als ob du schwebtest“.

Ursli Pfister (Christoph Marti) als Cindy und Toni Pfister (Tobias Bonn) als Bert – das musste einfach gut werden! Und eins darf ich schon vorab verraten: Unter der künstlerischen Leitung von Christoph Marti und der Produktionsleitung von Tobias Bonn war die musikalische Tanz-Parodie-Show "Cindy und Bert" phänomenal! Wir wurden für drei Stunden (mit Pause) in die Schlagerwelt der 70-er Jahre entführt, in der alles perfekt schien, aber doch nicht war.

Die für mich mal wieder überragenden Pfister-Geschwister haben auch in dieser Show perfekt ihre Rolle interpretiert: die des musikalischen Vorzeige-Schlagepaars Cindy und Bert. Und unter der musikalischen Leitung von Johannes Roloff (Piano/Keyboards) wurden alle bekannten Hits ds Duos überzeugend dargeboten. „Immer wieder sonntags“, „So, als ob Du schwebtest", „Wir spielen vierhändig Klavier“, alle Evergreens wurden gespielt und gesungen. Mein Lieblingssong an dem Abend war "Hallo Herr Nachbar", der davon handelt, dass wir mehr Liebe, Freundlichkeit und Humor in der Welt benötigen – auch heute noch sehr aktuell.

Die Stimmen der Pfister-Geschwister waren wie immer kraftvoll, auch die Musik der Band (Gitarren: Gary Schmalzl, Bass: Jürgen Schäfer, Drums: Immo Hofmann, Trompete: Vit Polák, Posaune: Daniel Busch und Till Krause, Saxophone und Klarinette: James Scannell und Frank Lüdecke) war mitreißend.
Die Zuschauer wurden von der ersten Sekunde an von Tobias Bonn und Christoph Marti abgeholt und sangen mal lautstark, mal leise mit. Das Publikum klatschte und hüpfte wie ich begeistert auf seinen Sitzen. Da ich mich vor der Show mit dem Schlagerduo Cindy und Bert ausführlich beschäftigt hatte, konnte ich erkennen, dass Tobias Bonn und Christoph Marti Cindy und Bert fehlerfrei imitierten. Ihre Gestik und Mimik waren bis ins kleinste Detail meisterhaft übernommen. Es stimmte bei den beiden alles, man glaubte Cindy und Bert auf der Bühne live zu erleben.

Doch nicht nur die beiden waren fantastisch, sondern auch der tanzende Chor. Auch hier waren die Stimmen makellos und die Choreografie von Danny Costello fabelhaft. Die singende Tanztruppe (Chiara Cook, Anke Merz, Carolin Schönemann, Robert Johansson und Tobias Stemmer) unterhielten grandios mit den Werbehits "Strahlerküsse schmecken besser" oder "Nuts hat's" das Publikum mit ihrem starken Gesang und fröhlichen Tanz in den „Werbeblocks“, wenn sich „Cindy und Bert“ wieder umgezogen haben. Die Jo Roloff-Singers parodierten mit ihrer naiven Gestik, ihrem Dauergrinsen und dem für die damalige Zeit typischen Hüftschwung prächtig die Künstlerwelt der 70-er Jahre. Zurecht gab es auch für sie begeisterten Applaus nach den einzelnen Nummern und am Ende.

Dass die Show so glaubhaft gestaltet werden konnte, hat man auch den detailgetreuen und liebevoll gemachten 60 Kostümen von Heike Seidler und dem silberweißen Bühnenbild mit der geschwungenen Showtreppe von Stephan Prattes zu verdanken. Zeitweise dachte man, dass man sich wirklich gerade in der Mainzer Rheingoldhalle und in der Zeit der großen Samstagabendshows befindet.
Doch Cindy und Bert wurden nicht einfach wertfrei in der Show imitiert, sondern durch die an manchen Stellen mit Absicht überzogene Parodie wurde das Publikum im Saal zum Lachen und damit auch zum Reflektieren gebracht. Mit viel Augenzwinkern und Humor wurden das damals existierende passive und untergeordnete Frauenbild und der weit verbreitete Chauvinismus hinterfragt. Als die Sängerin und Tänzerin Gundula von den Jo Roloff-Singers die Postkarte mit dem Einsendeschluss eines Gewinnspiels präsentiert, schaut „Bert“ ihr auf den Hinterteil und bemerkt lobend, dass Gundula so vielseitig sei. Eine Tatsache, die heutzutage zum Glück nicht mehr möglich wäre.

Mein Fazit: Die Show „Cindy und Bert - So, als ob du schwebtest“ ist eine Show der guten Laune! Egal, ob man Fan von der Musik von Cindy und Bert gewesen ist / ist, man erlebt fast drei Stunden lang eine perfekte Unterhaltung und verlässt das Tipi am Kanzleramt sehr gut gelaunt. Die brillanten Pfister-Geschwister, die Jo-Roloff-Singers und die Band zeigen sowohl respektvoll als auch sarkastisch die Schlagerwelt der 70-er Jahre und machen den Abend zu einem besonderen Erlebnis und die Show zu einem Must-See mit Suchtpotential! Bis zum 28. November 2021 könnt Ihr diese großartige Show mit einem „Gastauftritt“ im Tipi am Kanzleramt erleben.

Praktische Hinweise: Bis zum 9. November 2021 gilt an jedem Showabend die 3 G-Regel im Tipi. Ab dem 9. November 2021 werden Shows sowohl nach der 2 G- als auch nach der 3 G-Regel durchgeführt. Dann gilt jeden Dienstag und jeden Sonntag 2 G, an anderen Tagen 3 G.

Text © E. Günther ("Mein Event-Tipp")