JG
KRITIKEN
Kritik zu: Carmen La Cubana
12 von 12 Personen fanden die Kritik hilfreich
Am 17. Oktober 2018 feierte „Carmen la Cubana“ Premiere im Deutschen Theater in München. Basis für die Neuinterpretation des Stücks war die berühmte „Carmen“-Vorlage von Franzose Prosper Mérimée und wurde von Christopher Renshaw (Opernregisseur, Regie), Edgar Vero und Alex Lacamoire (Orchestrierung und Arrangements) mit altbekannten Liedern, jedoch in modernem Mantel als afro-kubanisches Musical neu inszeniert. 

Das Stück mit spanischen Liedern und Dialogen (mit deutschen Übertiteln) dreht sich rund um die hübsche Kubanerin Carmen, die den Männern reihenweise den Kopf verdreht und schließlich während der Aufstände einen Soldaten kennen und lieben lernt. Die heißblütige junge Frau ist jedoch freiheitsliebend, berechnend und würde einiges dafür tun, nach Havanna zu gelangen und ihre Lebenssituation zu verbessern. Und so nimmt ihr Schicksal seinen Lauf. 

Luna Manzanares Nardo spielt absolut glaubwürdig, die selbstbewusste Carmen und überrascht - bedingt durch ihr zierliches Erscheinungsbild - mit einer unglaublich kraftvollen Stimme. Sie harmoniert zudem bestens mit José (Saeed Mohamed Valdés), dem ihr verfallenen Soldaten. 
Lateinamerikanische Rhythmen bestimmen das Klangbild des Abends, untermalt von den klassischen, durchweg starken Opernstimmen der Sänger. Die spanische Sprache und die temperamentvollen Salsa-Choreographien (Roclan González Chávez) tun das übrige, um den Zuschauer ganz nach Kuba und Havanna mit seiner brodelnden Leidenschaft zu entführen. 

Das Bühnenbild besteht aus einem großen Gebäude aus Stein und Holz und verwandelt sich vom Innenhof eines Häuserkomplexes durch die Schauspieler, Licht und Requisiten vom ärmlichen Hinterhof in Kuba zur Zigarrenfabrik, zur Villa bis hin zur schillernden Bar in Havanna. 

Wer Lust hat, einen Kurzurlaub im lebendigen Kuba vor und während der Revolution zu machen und das Schicksal der jungen Kubanerin zu verfolgen, kann dies noch bis zum 28. Oktober 2018 im Deutschen Theater in München tun. Auch wenn man nicht der spanischen Sprache mächtig ist, wird man sich inmitten kubanischer Sänger und Tänzer in Carmens Liebesgeschichte hineinziehen lassen können. 

(Jasmin Gollwitzer)

Kritik zu: Mamma Mia!
6 von 7 Personen fanden die Kritik hilfreich
Am 16. August 2018 feierte das Abba Musical „Mamma Mia!“ seine Premiere im Deutschen Theater in München. 

Die Liebeskomödie mit Musik von Björn Ulvaeus und Benny Andersson sowie deutschen Texten von Michael Kunze drehte sich rund um die 20-jährige Sophie (Katharina Gorgi) und ihre Mutter Donna (Sabine Mayer) und die Frage, wer nun wirklich Sophies Vater ist. Denn es gab gleich dreierlei Möglichkeiten, wie Sophie durch das Tagebuch ihrer Mutter erfahren hatte. Zu ihrer eigenen Hochzeit will Sophie nun endlich das Rätsel lösen und lädt alle potentiellen Herren heimlich - ohne das Wissen ihrer Mutter - ein. Chaos ist natürlich vorprogrammiert. 

Im Zentrum der Drehbühne stand das griechische, weiße Steingebäude, das das kleine Hotel von Donna beherbergte und je nach Szene von außen oder innen gezeigt wurde. Obwohl es keine großen Änderungen während des Stückes gab, wurde es nie langweilig. Die Requisiten, Kostüme, Beleuchtung und die interessanten Charaktere gaben jeder Szene ihre ganz eigene Atmosphäre. Vom Hotelinnenhof über Hotelzimmer, den Strand und die Disko verfolgte der Zuschauer die amüsante Geschichte bis zum Happy End. 
Zugegeben, die Geschichte ist vorhersehbar, die witzigen Schlagabtäusche zwischen den Charakteren und die bekannten Hits von der schwedischen Gruppe Abba geben dem Stück jedoch trotzdem Wiederholungstäter-Potential. 

Das Vätertrio bestand aus drei völlig unterschiedlichen Charakteren (Karim Khawatmi, Detlef Leistenschneider, Jörg Zuch), die mehr oder weniger gut mit der alleinerziehenden Donna der Gegenwart zurechtkamen. Zusammen sangen sie harmonische Duette, die dem Zuschauer einen Einblick in die bewegte Vergangenheit der damaligen Liebespaare gaben. 

Besonders stach auch Donnas alte Busenfreundin Tanja (Betty Vermeulen) mit ihrer schrillen, aber dennoch sympathischen, selbstbewussten Schickimicki-Art hervor. Laut stöckelte sie in ihren Designerklamotten durch das Hotel, verdrehte allen Jungs den Kopf und freute sich des Lebens, in dem sie schon das Geld einiger ihrer reichen Exehemänner durchgebracht hatte. Sie hatte einige Lacher auf ihrer Seite und spielte die Rolle absolut überzeugend, konnte sie sie doch bereits über einige Jahre perfektionieren. 

Die Musik letztendlich riss auch den letzten Zuschauer in der hintersten Reihe mit. Beschwingt klatschten die Zuschauer bereits im ersten Akt bei „Chiquitita“ mit, „Dancing Queen“ erhielt spontanen Szenenapplaus ebenso wie „Lay all your love on me“. Auch „Super trouper“ war eines der Highlights des Abends, wobei die Ensembleszenen generell besonders stark waren. 
Warum einige Worte der englischen Liedtexte beibehalten wurden, als Michael Kunze sich an die Liedtexte setzte, obwohl die Lieder komplett deutsch waren, erschließt sich nicht 100%ig: „Du bist die Dancing Queen“ und „Money, money, money. Sonst kann man nie…“ klingen doch ein wenig befremdlich. 

Nichts desto trotz bedachte das Premierenpublikum das Stück mit tosendem Applaus und Standing Ovations - und das zu recht - und ging schließlich beschwingt aus dem Theater nach Hause. Das Stück ist noch bis zum 7. Oktober 2018 im Deutschen Theater in München zu sehen. Nicht nur für Abba-Fans ein Muss. 

(Jasmin Gollwitzer)

3 von 3 Personen fanden die Kritik hilfreich
Wer kennt es nicht, das Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“, das sich rund um den Fischer Munk dreht, der zusammen mit seiner Frau in einer alten Hütte am Hafen mehr schlecht als recht lebt, bis irgendwann ein sprechender Butt auftaucht, der dem Fischer Wünsche erfüllt. Von Gier gepackt wünscht sich des Fischers Frau Ilsebill erst ein größeres Haus, dann eine Villa, dann Macht und immer mehr Macht bis zur Allmacht von Gott selbst. Dass das ganze nach hinten losgehen muss, ist vorprogrammiert. 

Das Musical „Vom Fischer und seiner Frau“ von Kevin Schröder und Holger Hauer feierte am 3. August 2018 seine Premiere im Deutschen Theater in München und beleuchtet neben der Geschichte der Fischerfamilie und deren ausartenden Lebensstils auch die Geschichte des verwunschenen Butt, der ganz nach kleiner Meerjungfrau Manier Mensch werden möchte und dafür sein Leben und das seiner Freunde aufs Spiel setzt. 

Die Inszenierung ist einfach mit hölzernem Bühnenbild, erwacht aber durch einfallsreiche Unterwasserkostüme mit Muscheln und Seetang und durch schöne Effekte, wie z.B. blauer Stofffahnen und wehenden Stoffbahnen, die das raue Meer simulieren. 

Alle Darsteller sind gesangsstark, stechen jedoch besonders durch ihr Schauspiel hervor. Anna Montanaro (Chicago, Cats, Evita) als frustrierte, zänkische und gierige Ilsebill harmoniert prächtig mit Ron Holzschuh (Saturday Night Fever, Evita, Elisabeth), dem trägen und feigen Fischer Munk. Die Streitgespräche sitzen und irgendwie kann man beide Seiten verstehen und nachvollziehen, wieso die Geschichte Stück für Stück außer Kontrolle gerät. 
Auch hervorzuheben sind die amüsanten Szenen unter dem Meer, in der verwunschenen Stadt, in der der Butt mit seinen einfältigen aber liebenswerten Freunden lebt. 

Die Musik ist etwas gewöhnungsbedürftig, wenig melodiös und ohne Ohrwurmpotential. Nichts desto trotz ist das Märchen für Erwachsene aber eine gelungene Abendunterhaltung, die Kindheitserinnerungen wachruft. 
Mit Unterbrechung ist das Gastspiel noch bis zum 12. August im Deutschen Theater in München zu sehen. Wer das Märchen live erleben will, muss sich also beeilen. 

(Jasmin Gollwitzer)