JG
KRITIKEN
Kritik zu: Sherlock Holmes
9 von 9 Personen fanden die Kritik hilfreich
Mit Top-Besetzung feierte am 22. Juni 2019 das Musical „Sherlock Holmes – Next Generation” aus der Feder von Rudi Reschke, Jo Quirin und Theodor Reichardt umjubelte Premiere im Deutschen Theater in München. 

Wer kennt sie nicht, die spannenden Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle rund um den genialen Detektiv Sherlock Holmes (Ethan Freeman) und seinen Gefährten Dr. Watson (Frank Logemann)? Diebe, Wegelagerer und heimtückische Mörder treiben ihr Unwesen im historischen London. Doch sie haben die Rechnung ohne Sherlock Holmes gemacht. Seine brillante Fähigkeit zur Deduktion, die logische Ableitung von zwingenden Tatsachen, bringt den Ermittler doch immer auf die Spur der Schurken. 

Und auch diesmal: Ein Mord ist geschehen, das Auge des Horus, ein wertvoller Diamant ist verschwunden, ein mysteriöser Fall entwickelt sich. Holmes ist auf den Plan gerufen und jagt mit Dr. Watson, der jungen Catherine (Alice Wittmer) und dem mehr oder weniger aufgezwungenen, jungen Assistenten John (Merlin Fargel) seinen Erzfeind… oder wer auch immer hinter all dem stecken mag. 

Ethan Freeman („Les Misérables“, „Jekyll & Hyde“, „Phantom der Oper“, „Aladdin“) verkörpert einen wundervoll selbstverliebten, intelligenten und doch schrulligen Sherlock Holmes, bei dem schon mal die Personen um ihn herum auf der Strecke bleiben, denn da ist dieser viel wichtigere Mordfall, den es aufzuklären gilt. Mit gewohnt sicherer und voller Stimme meistert Freeman mit seinem Bariton die Rolle gesanglich aber auch mit Mimik und Gestik schauspielerisch wunderbar. Ist er doch ein alter Hase im Showgeschäft und stets ein Garant für „musicalische“ Qualität. 

An seiner Seite spielt Frank Logemann („Mamma Mia“, „Cats“, „Les Misérables) den britischen Arzt Dr. Watson, der nicht nur hin und wieder skurrile Situationen retten muss, sondern gegen seine eigenen Schatten zu kämpfen hat. 

Generell ist das Stück stimmlich stark besetzt - auch von weiblicher Seite. Hervorzuheben ist hier besonders Stephanie Tschöppe als Mrs. Mason („Allein“). Viele Lacher auf ihrer Seite hat außerdem Jeanne-Marie Nigl als überdrehte, zu spiritistischen Sitzungen neigende, laute und alternde Lady Chamberlain. 

Das Bühnenbild ist schlicht und dennoch abwechslungsreich mit unterschiedlichsten Projektionen auf Vorhang sowie einigen zusätzlichen Möbelstücken und Requisiten, um die 3D-Welt zum Leben zu erwecken: Sherlocks Wohnung, das britische Museum, elegante Hallen der feinen Gesellschaft, der Hafen, eine Opiumhöhle und vieles mehr. 

Neben Holmes‘ obligatorischer Pfeife und Hut sind die Kostüme allgemein an 1910 angelehnt. Die Musik aus der Feder von Christian Heckelsmüller geht ins Ohr, gerade im 2. Akt des Stückes. 
Messerscharfe Schlussfolgerungen, spannende und nachdenkliche Szenen sowie humorvolle Einlagen machen das Musical schlussendlich zur kurzweiligen Unterhaltung. Da kann es schon passieren, dass der Sitznachbar wegen eines Ensemblemitglieds, das als trotteliger Butler im Hintergrund über die Bühne trippelt, vor Lachen fast vom Stuhl fällt. 

Nur noch bis zum 30. Juni wird im Deutschen Theater in München ermittelt, wer also noch dabei sein und seine kleinen grauen Zellen in Schwung bringen möchte, muss sich beeilen. Es lohnt sich! 

(Jasmin Gollwitzer)

Kritik zu: Cabaret
Am 16. März 2019 stand im Deutschen Theater in München die Premiere des Musicals „Cabaret“ auf dem Programm. Das Stück aus der Feder von John Kander (Musik), Fred Ebb (Text) und Joe Masteroff (Buch) spielt in den 30er Jahren und behandelt die zwei Beziehungen des amerikanischen Schriftstellers Cliff Bradshawin und der Sängerin Sally Bowles sowie deren Vermieterin Fräulein Schneider und Obstverkäufers Herrn Schultz in der aufkommenden Nazizeit. Im Mittelpunkt steht neben der neuen Liebe zwischen Cliff und der Nachtclub Tänzerin Sally, die kurzerhand nach ihrem Rauswurf im Club ungefragt bei Cliff einzieht, der Heiratsantrag des jüdischen Herrn Schultz, den Fräulein Schneider aufgrund der politischen Situation mit gemischten Gefühlen abweist. 

Unter der Regie von Tom Littler und Choreographie von Cydney Uffindell-Phillips sind als „Sally Bowles“ Helen Reuben und als „Cliff“ Ryan Saunders zu sehen. Weitere Rollen spielen Greg Castiglioni (Conférencier), Sarah Shelton (Fräulein Schneider), Richard Derrington (Herr Schultz), Lindsay Goodhand (Fräulein Kost) und Matt Blaker (Ernst). 

Das Stück ist absolut aktuell und befasst sich mit dem neu zur Macht gelangten Nazi Regime, dem Hass gegenüber nicht Deutschen und der aufkommenden Gewalt gegenüber Juden. Gerade schauspielerisch ist das Musical stark besetzt, man nimmt die Zerrissenheit aber auch völlige überzeugte politische Gesinnung jederzeit ab. Gesanglich ebenso stark führt Castiglioni als Conférencier durch die Handlung unter anderem mit dem wohl bekanntesten Show Opener „Willkommen“. 

Doch obwohl bei der Besetzung alles zu stimmen scheint, kommt das Musical nicht so recht in Gang und hat einige Längen. Das Bühnenbild, eine Bahnhofszene, verändert sich wenig und wandelt sich hin und wieder zu Cliffs angemietetem Zimmer oder dem Kit Kat Club mit seinen leicht bekleideten Tänzern. Trotz einiger bekannter Stücke kann auch die Musik nicht wirklich mitreißen. Wobei jedoch Lindsay Goodhand hervorzuheben ist, die neben einer schauspielerisch überzeugenden Rolle eine beindruckende Begabung für das Spielen von verschiedensten Blasinstrumenten zeigt. 

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, um zu sehen, wie die Liebesgeschichten ausgehen, kann dies noch bis zum 30. März 2019 im Deutschen Theater in München tun.
 

(Jasmin Gollwitzer)

Kritik zu: Der Medicus
16 von 16 Personen fanden die Kritik hilfreich
Am 9. November 2018 feierte Noah Gordons „Der Medicus“ umjubelte Premiere in München. 

Die mittelalterliche Geschichte rund um den Engländer Rob Cole (Patrick Stanke), der nach Persien auszieht, um das medizinische Handwerk zu erlernen, ist dem Zuschauer bestimmt bereits durch Kino und TV bekannt. Der junge Rob verliert früh seine Eltern durch schwere Erkrankungen und hat auch noch die unselige Gabe, mit seinen Händen zu spüren, ob Menschen sterben müssen. 
So macht er sich auf die jahrelange Reise bis nach Persien, wo der Arzt aller Ärzte, Ibn Sina (Reinhard Brussmann) junge Männer zu Ärzten ausbildet. Um das Studium antreten zu können, gibt Rob vor, Jude zu sein. Ein gefährliches Unterfangen, das ihn Kopf und Kragen kosten kann. Nicht zuletzt birgt die Tatsache, dass sein Mitstudent Karim (Christian Schöne) aus der persischen Herrscherfamilie überraschend zum Schah aufsteigt und voll in seiner neuen Macht aufgeht, weitere Gefahren. 

Die Musik aus der Feder von Dennis Martin ist eingängig und melodiös. Besonders die Ensemblestarken Szenen („Die Zeiten sind hart“, „Machen wir das Beste draus“, „Die Pest ist in der Stadt“) beeindrucken. Aber auch Patrick Stanke (Aida, Die drei Musketiere) singt zusammen mit Robs großer Liebe Mary, gespielt von Barbara Obermeier (Tanz der Vampire, Sister Act), bewegende Duette („Wenn die Sterne mit uns sind“) und vor allem auch starke Soli, wie „Mein Weg“ oder „Ich muss es tun“, während sich Rob durch einen Sandsturm in der Wüste kämpft. 

Das Bühnenbild ist einfallsreich, bunt und aufwändig. In Szenen wie in der Wüste, Schneelandschaft oder in Isfahan kommen zusätzlich Leinwand-Projektionen zum Einsatz, die das Publikum ganz und gar ins Geschehen zu ziehen vermögen. Auch die große Hütte, die als Winterquartier auf der Reise nach Persien dient, ist sehr atmosphärisch – durch und durch aus Holz und mit Fell dekoriert. Und schlussendlich das quirlige Treiben in der persischen Stadt und im Palast des Schahs wird neben orientalischen Gebäuden auch durch bunte Kostüme zum Leben erweckt. 

Das Multi-Kulti-Musical mit durchweg gesangsstarker Besetzung auf höchstem Niveau macht Spaß, ist jedoch gleichermaßen dramatisch, setzt sich mit Krankheit und der alten Wissenschaft, mit Religion, Liebe, Macht und Krieg auseinander. Das Münchner Premierenpublikum war in jedem Fall überzeugt und quittierte die Show mit Standing Ovations. 

Wer die sehens- und hörenswerte Reise mit Rob Cole durch die verschiedensten Länder antreten und seine dramatische Geschichte in Isfahan, der Perle des Orients, direkt miterleben möchte, kann dies noch bis zum 25. November 2018 im Deutschen Theater in München tun. Es lohnt sich! 

(Jasmin Gollwitzer)