JG
KRITIKEN
7 von 7 Personen fanden die Kritik hilfreich
Am 8. November 2019 feierte das Musical „Bodyguard“ seine Premiere im Deutschen Theater in München. Die Show drehte sich rund um die altbekannte Liebesgeschichte einer Sängerin und ihren Bodyguard, der sie vor einem unbekannten Mörder schützen soll. Schon 1992 lief die Geschichte mit Whitney Houston und Kevin Costner erfolgreich auf zahlreichen Kinoleinwänden und der Soundtrack gleichermaßen im Radio rauf und runter. Nun hat es die Geschichte auch auf die Bühne des Deutschen Theaters geschafft.

Das Musical basiert auf dem Film, weicht jedoch inhaltlich etwas ab. Zudem stehen die Musik, die divenhafte Rachel und ihre gesangsbegabte Schwester im Vordergrund. Bodyguard Frank Farmer nimmt eine eher untergeordnete Rolle im Stück ein, was daran liegen mag, dass die Rolle zu 100% auf Schauspiel ohne echte Gesangssoli ausgelegt ist.

Aisata Blackman als Rachel füllt den Part der auf der einen Seite ängstlichen aber doch sehr willensstarken und extrovertierten Sängerin voll aus. Mit ihrer umfangreichen Stimme meistert sie mühelos Songs, wie „I will always love you“ oder „I wanna run to you“. Aber auch Andrea del Solar als Rachels Schwester Nicki kann gesanglich brillieren, besonders in den Höhen.

Die Geschichte des Kinofilms wurde in gekürzter Version auf die Bühne gebracht und ist nun eher eine Aneinanderreihung von Bühnenauftritten der berühmten Sängerin. Die Handlung gerät dabei etwas in den Hintergrund. Zwar erscheint der Attentäter, der es auf die Sängerin abgesehen hat, hier und dort im Bühnenbild, dennoch will keine rechte Spannung aufkommen. Einen Vergleich mit dem Kinofilm sollte man also nicht ziehen.

Das Bühnenbild, wie die Villa, das Blockhaus oder die Karaoke-Bar, die im Bühnenstück für einige neue Szenen sorgt, konnte mit einem schönen Hintergrund, Licht und wenigen Utensilien gut zum Leben erweckt werden. Ansonsten ist das Stück durchaus eine füllende und auch amüsante Abendunterhaltung, allerdings neben den bekannten Hits von Whitney Houston ohne besondere inhaltliche Highlights – was nicht an den Darstellern liegt, denn auch alle Schauspieler konnten in ihren Rollen überzeugen. Das Stück hat jedoch Längen, vermutlich weil es recht Balladen-lastig ist und die Handlung so von Zeit zu Zeit schwerfällig macht.

Alles in allem ist das Stück für jeden sehenswert, der die bekannten „Bodyguard“-Songs liebt; auch für diejenigen, die den Film nicht gesehen haben oder die trotz dessen unvoreingenommen heran gehen können. Noch bis zum 15. Dezember 2019 ist „Bodyguard“ im Deutschen Theater in München zu sehen, so dass sich jeder selbst ein Bild machen kann. Das Premierenpublikum quittierte die Show jedenfalls mit Standing Ovations.

(Jasmin Gollwitzer)

Kritik zu: The Band
12 von 12 Personen fanden die Kritik hilfreich
Um genau zu sein, die Boyband ist los in München. Am 11. Oktober 2019 feierte das Musical „The Band“ aus der Feder von Tim Firth seine Premiere im Deutschen Theater in München. Die Show drehte sich rund um die Musik von der Boyband „Take That“, alte Klassiker aus den 90ern aber auch neuere Songs waren zu hören.
Die Band hatte es damals zu Weltbekanntheit gebracht und trotzdem stand „Take That“ bei dieser Musical-Premiere nicht 100% im Mittelpunkt. Das Musical handelt nämlich nicht von der bekannten Boyband selbst, sondern von einer Teenager-Freundschaft, die irgendwann „erwachsen“ werden musste.
Schon mit 16 tanzten und tobten die 5 Freundinnen Rachel, Heather, Debbie, Zoe und Claire ihren Idolen hinterher. Ein Konzert, das die Teenies besuchen, sollte dann jedoch eine Kehrtwende in ihrem Leben sein. Viele Jahre später treffen sich die Freundinnen wieder und sehen, was aus ihren Wünschen und Träumen geworden ist.

Prince Damien, Helge Mark Lodder, Taddeo Pellegrini, Alex Charles und Sario Solomon erweckten die junge Boyband zum Leben - zum Entzücken der anwesenden „That-That“ Liebhaber, ohne jedoch den Mädels die Show zu stehlen. So wurden die Jungs auch direkt in Szenen außerhalb der Konzerte mit eingebunden, wie z.B. von der Bühne ab in luftige Höhe, um als Flugbegleiter die Sicherheitshinweise zu geben.

Sowohl die jungen (Maria Arnold, Ruth Lauer, Jara Buczynski, Laura Saleh und Kristin Heil), als auch die alten Freundinnen (Silke Geertz, Laura Ley, Heike Kloss und Yvonne Köstler) konnten als Mädelsriege überzeugen. Mal lustig und überdreht, mal traurig und in Gedanken vertieft.

Der heimliche Star des Abends war jedoch wohl Daniel Rossmeisl, der als Dave immer wieder stänkernd durch die Szenen grummelte. Ob als Roadie, Busfahrer, Polizist oder Flughafen-Personal, er hatte stets die Lacher auf seiner Seite.

Die Show hat keine wirklich großen Tiefen und ist trotz nachdenklicher Szenen mehr Spaß-Musical mit einem Touch schmalzigem Kitsch. Als „Take That“-Fan kommt man bei diesem Musical dennoch voll auf seine Kosten. Aber auch ohne direkten Bezug macht das Musical Spaß. Die Bühnenbilder sind abwechslungsreich: besonders hervorzuheben sind Flughafen und Flugzeug und ebenso auch der große Springbrunnen in Prag, wohin die Freundinnen aufbrechen, weil die alte Boyband dort nach vielen Jahren wieder ein Konzert gibt. Alles zum Leben erweckt durch Projektionen, Kostüme, Licht und natürlich den Sängerinnen und Sängern selbst.

Noch bis zum 3. November 2019 sind die Jungs und Mädels im Deutschen Theater in München zu sehen. Wer einmal wieder in Erinnerung schwelgen möchte, kann dies bei Kulthits, wie „Back for good“, „Patience“ und „Let it shine“ genau dort tun.

(Jasmin Gollwitzer)

4 von 4 Personen fanden die Kritik hilfreich
Am 18. August 2019 feierte das Märchen „Dornröschen“ seine Premiere im Deutschen Theater in München. Das Musical aus der Feder von Wolfgang Adenberg (Buch und Texte) und Marian Lux (Musik) drehte sich rund um das allseits altbekannte Grimmsche Märchen: Die böse Fee wird nicht zu den königlichen Feierlichkeiten für den neuen Nachwuchs geladen und belegt diesen prompt mit einem bösen Fluch, so dass das Kindchen noch vor seinem 17. Geburtstag sterben soll. Doch Dank der guten Fee soll es doch nicht gar so übel ausgehen und so verhilft der „Abschwächungsfluch“ zu einem langen Schlaf. So weit so gut… und bekannt. Neu an dem Stück ist jedoch, dass der Zuschauer einen Blick hinter die Kulissen der Feenschaft und der königlichen Familienhistorie erhält. Dornröschen träumt während ihres langen Schlafes und erfährt dabei eine Menge über ihre Widersacherin Selena und warum diese ihr an den Kragen will. 

Lisa Toh spielte überzeugend eine aufmüpfige Teenagerprinzessin, die nicht einsieht, warum sie einen Prinzen heiraten soll, wenn sie doch einfach nur frei und ohne Kontrolle leben will. Nachdem ihr der Prinz aber überraschender Weise gefällt, gilt es, sich gegen den Vater aufzulehnen, der den neuen Freund ihrer Tochter am liebsten mit einem Fußtritt aus dem Schloss werfen lassen möchte. 

Kurosch Abbasi als Prinz hatte im Vergleich zu einer früheren Rolle, wie dem Luigi Lucheni in „Elisabeth,“ leider wenig Gelegenheit seine große Stimme voll zu präsentieren, er verkörperte jedoch einen sympathischen und mutigen Prinzen. Janne Marie Peters hatte Song-technisch bei ihrer Rolle als gute Fee mehr Glück und somit die Chance, mit klarer Stimme sowohl in Soli als auch Ensemblenummern zu brillieren. 

Der heimliche Star des Abends war aber wohl Selena (Franziska Becker), die böse Fee, die mit ihrem glitzernd schwarzen Dornenkostüm schauspielerisch die Bühne für sich einnahm, wann immer sie diese betrat. Auch die Magie, die sie stetig einsetzte, wurde durch sie und ihre Schauspielkollegen wunderbar umgesetzt. 

Das Stück an sich enthält alles, was ein Märchen braucht: eine Heldengeschichte, glitzernde Kostüme, ein Schloss - wenn auch nur ein Pappschloss –, einen Abstecher in andere Märchen (der Glöckner lässt grüßen) und Musik, die ins Ohr geht. Das Märchen selbst wurde durch die Hintergrundgeschichte vom Traditionellen in die Gegenwart geschubst, mit einem etwas pubertierenden Dornröschen, das allerdings genau weiß, was es will. 

Alles in allem wirft das Ganze jedoch auch die Frage nach der Zielgruppe des Märchenmusicals auf. Für kleine Kinder durch die Sprünge in die Vergangenheit vermutlich ein bisschen zu verwirrend und in zumindest einer Szene etwas zu gruselig. Für Teenager dabei wohl wieder etwas zu uncool, weil ja ein Märchen. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann dies noch bis zum 31. August exklusiv im Deutschen Theater in München tun, wenn Dornröschen versucht, irgendwie aus eigener Kraft aus ihrem 100-Jahre-langen Schlaf aufzuwachen. 

(Jasmin Gollwitzer)