JG
KRITIKEN
Wieder einmal sind Frank ’n’ Furter und seine durchgeknallte Sippschaft im Deutschen Theater in München gelandet und wieder einmal ist die Show großartig.
Obwohl das Kultmusical von Richard O´Brien mit wenig großen Veränderungen im Bühnenbild auskommt, lebt die Show voll und ganz von ihren Charakter- und Gesangsstarken Darstellern in gekonnter, kunterbunter Lichttechnik.

Die biedere Janet (Claire Keenan) und ihr schüchterner Verlobter Brad (Sev Keoshgerian) wollen nach einer Autopanne im Regen doch eigentlich nur telefonieren. Dass sie dabei im Anwesen von Aliens der Erschaffung einer Kreatur des Hausherrn Frank ’n’ Furter beiwohnen müssen, der ganz in alter Psycho-Manier einen unliebsamen „Besucher“ um die Ecke bringt, ist dabei nicht geplant. Und ebenso nicht, dass der sexy „Sweet Transvestite“ – wie er sich dem ängstlichen Pärchen vorstellt – beide unabhängig voneinander ins Bett bekommt. Und wer ahnt schon, dass die Dienerschaft des ehrwürdigen Hauses eine Vorliebe für Ufos hat?
Wie sagt noch der Erzähler so schön: „ohne Sinn“. Ja, ohne Sinn, aber mit umso mehr Spaß!

Oliver Savile spielt einen wunderbar herrschsüchtigen, sexy Frank ’n’ Furter mit voller Stimme und unglaublicher Bühnenpräsenz. Seine Dienerschaft Riff Raff (Declan Egan) und Magenta (Charlotte Ann Steen) stehen ihm dabei in nichts nach. Scheinbar unscheinbar begleiten sie die Handlung und doch gehören ihnen viele Momente und das große Finale. Sky du Mont als Erzähler ist natürlich gewohnt souverän, interagiert humorvoll mit dem Publikum, das ihm immer wieder „laaaangweilig“ und „boring“-Rufe entgegenwirft – eben so, wie es sich gehört. Auch die obligatorische Zeitung gegen den Regen aus den mitgebrachten Wasserpistolen darf nicht fehlen, genauso wie Toilettenpapier und Konfetti, um im Musical interaktiv mitzumachen.

Unbedingt anschauen! Super Stimmung, schräge Handlung, tolle Cast – ohne Ausnahme! Noch bis zum 3. April 2022 ist die Rocky Horror Show zu Gast im Deutschen Theater in München. Wer den „Time Warp“ noch mittanzen will, sollte sich beeilen.

(Jasmin Gollwitzer)

Endlich war es wieder soweit. Das Deutsche Theater in München öffnete mit einer großen Premiere das Haus für begeisterte Theaterbesucher nach einer langen Corona-Durststrecke. Und das nicht mit irgendeinem Stück, sondern mit einem aus Kino und TV gefeierten Stoff von Michael Bully Herbig: „Der Schuh des Manitu“. Schon 11,7 Millionen Besucher haben bereits den Film mit Bully Herbig selbst, Christian Tramitz, Sky du Mont, Marie Bäumer und Rick Kavanian gesehen. Und nun schreiben wir bereits 20jähriges Jubiläum der Freundschaft zwischen Ranger und Abahachi, das mit einer Neuinszenierung auf Basis der Berliner Uraufführung in München auf der Bühne gefeiert wird.

Das Musical aus der Feder von Martin Lingnau (Musik, Liedtexte), Heiko Wohlgemuth (Musik, Liedtexte, Buch), John von Düffel (Buch) und Andreas Gergen (Idee und Konzept) ist wie der Film eine Parodie der Karl-May-Filme und dreht sich rund um die lustige, alt bekannte Geschichte des Indianers Abahachi und seines Blutsbruders Ranger, die irgendwie versuchen, an Geld zu kommen und die Wogen im wilden Westen zu glätten, da die Schoschonen aufgrund des abhanden gekommenen Kriegsbeils den Klappstuhl ausgegraben haben, was nichts Gutes bedeuten kann. Bösewicht Santa Maria hatte bei einem krummen Deal den Häuptlingssohn Falscher Hase hinterhältig erschossen und schiebt es nun den beiden Freunden in die Schuhe. Das Geld steckt der Bösewicht ein und Ranger und Abahachi versuchen, per alter Schatzkarte an einen Edelstein zu kommen, um wieder flüssig zu werden und das geliehene Geld an die Indianer zurückzuzahlen.

Für alle „Schuh des Manitu“-Neulinge, die keine Film-„Vorbelastung“ haben, sei kurz und knapp gesagt: Unbedingt ansehen! Ein riesiger Wildwest-Klamauk mit Musik, die ins Ohr geht, mit vielen Schenkelklopfern, einem großen Bühnenbild und Musik, die einen mehr als beschwingt nach Hause gehen lassen.

Für alle, die den Film kennen und vielleicht sogar Passagen mitsprechen können: Auch hingehen, auch unbedingt ansehen!
Man muss loslassen können von den bekannten Gesichtern aus dem Film und sich neben Songs, wie Superperforator“, auf neue Musik einlassen. Das hier ist ein Musical. Es sei aber allen versprochen, dass schon kurz nach Beginn des Stücks, spätestens beim witzigen Tod des Indianers Falscher Hase (ja, extrem witzig, Szenenapplaus wohl verdient) alle Vorbehalte wie weggeblasen sein dürften. Denn neben einer auf den Punkt gebrachten Besetzung, die der Originalen wirklich nah kommt, gibt es tolle schauspielerische Momente, bei denen man nicht anders kann, als zu schmunzeln. Neue Pointen wurden eingebaut, starke Ensemblestücke unterstützen die Szenen und Bühnenbild und Kostüme sind mindestens so aufwändig wie im Film.

Abahachi (Mathias Schlung - Tanz der Vampire, Titanic) und Ranger (Daron Yates - Fack ju Göthe) harmonieren wunderbar mit Winnetouch (Marc Seitz - Into the woods, West Side Story), Abahachis schwulem und cleveren Bruder, dem Bösewicht Santa Maria (Hans Neblung - Harry Potter und das verwunschene Kind, Elisabeth) und der ganzen Banditenbande.
Dimitri (Fabio Diso - Mamma Mia, We will rock you) hatte wohl mit „Ich trinke Ouzo“ den Ohrwurm-Song des Abends, der es bestimmt auf die ein oder andere Party außerhalb des Theaters als Trinkspiel-Song schaffen könnte.

Mit der Gesamtsituation kann man hier also mehr als zufrieden sein!
Bis zum 9. Januar 2022 ist das Stück noch in München zu sehen. Dringende Empfehlung: 3G+ beachten und auf jeden Fall nicht verpassen!

(Jasmin Gollwitzer)

Kritik zu: BERLIN BERLIN
15 von 18 Personen fanden die Kritik hilfreich
Direkt von Berlin nach München ins Deutsche Theater und unmittelbar zurück in den Admiralspalast wurde das Premierenpublikum von „Berlin Berlin“ am 8. Januar 2020 im Deutschen Theater in München katapultiert.

Die 20er und 30er Jahre aktueller denn je. Denn die Musikrevue ist mehr als nur eine Spaß- und Tanzshow:
Auf der einen Seite wird der Zuschauer zurück in Charleston-Zeiten versetzt, in verruchte Clubs mitten in Berlin. Er darf dem Wiederaufleben großer Stars, wie Marlene Dietrich, Anita Berber, den Comedian Harmonists oder der leicht bekleideten Josephine Baker, beiwohnen und mitten drin und dabei sein, wenn sie die Bühne voll in Beschlag nehmen.
Auf der anderen Seite wird der Zuschauer aber auch aufgerüttelt, in einer kurzen, jedoch intensiven Zeitblende, in der die Nazis an die Macht kamen.

Das Bühnenbild ist relativ einfach mit zwei Freitreppen, vielen Lichtern und Glitzervorhängen und verändert sich nur wenig. Die bunten Charleston-Kostüme und abwechslungsreichen, energiegeladenen Tanzszenen bringen die Show jedoch in jeder Sekunde voll zum Leben. Die Besetzung ist treffend gewählt und stimmlich ist vor allem Sophia Euskirchen als Anita hervorzuheben, die gesanglich mit in allen Tonlagen starker Stimme brilliert.

Der Admiral (Martin Bermoser) führt souverän zusammen mit dem tapsigen Kutte (Sebastian Prange), seinem Clubmitarbeiter für alles, durch die Geschichte des Clubs. Das gesamte Stück ist dabei bestimmt von einem Hit nach dem anderen, wie „Cabaret“ und „Mackie Messer“, „Ich bin von Kopf bis Fuß“, „Puttin‘ on the Ritz“ bis hin zu „Mein kleiner grüner Kaktus“. Auch wem die Titel im ersten Moment nichts sagen, wird bestimmt sämtliche Textpassagen aus vielen der genannten und all den weiteren Liedern kennen. Grade Kutte sorgt dabei auch für viele Lacher.
Und wem bis dahin noch nicht zum Lachen zumute war, muss spätestens ein Grinsen beim „Lachfoxtrott“ unterdrücken. Die Mauern des Deutschen Theaters haben wohl selten einen so kollektiven Lachanfall erlebt - Lachen ist einfach ansteckend. Ein unterhaltsamer, stimmungsvoller Revue-Abend mit Tiefgang ist also garantiert.

Empfehlung: Dringend ansehen! Noch bis zum 19. Januar 2020 ist das Stück im Deutschen Theater in München zu sehen.

(Jasmin Gollwitzer)