JG
KRITIKEN
Endlich war es wieder soweit. Das Deutsche Theater in München öffnete mit einer großen Premiere das Haus für begeisterte Theaterbesucher nach einer langen Corona-Durststrecke. Und das nicht mit irgendeinem Stück, sondern mit einem aus Kino und TV gefeierten Stoff von Michael Bully Herbig: „Der Schuh des Manitu“. Schon 11,7 Millionen Besucher haben bereits den Film mit Bully Herbig selbst, Christian Tramitz, Sky du Mont, Marie Bäumer und Rick Kavanian gesehen. Und nun schreiben wir bereits 20jähriges Jubiläum der Freundschaft zwischen Ranger und Abahachi, das mit einer Neuinszenierung auf Basis der Berliner Uraufführung in München auf der Bühne gefeiert wird.

Das Musical aus der Feder von Martin Lingnau (Musik, Liedtexte), Heiko Wohlgemuth (Musik, Liedtexte, Buch), John von Düffel (Buch) und Andreas Gergen (Idee und Konzept) ist wie der Film eine Parodie der Karl-May-Filme und dreht sich rund um die lustige, alt bekannte Geschichte des Indianers Abahachi und seines Blutsbruders Ranger, die irgendwie versuchen, an Geld zu kommen und die Wogen im wilden Westen zu glätten, da die Schoschonen aufgrund des abhanden gekommenen Kriegsbeils den Klappstuhl ausgegraben haben, was nichts Gutes bedeuten kann. Bösewicht Santa Maria hatte bei einem krummen Deal den Häuptlingssohn Falscher Hase hinterhältig erschossen und schiebt es nun den beiden Freunden in die Schuhe. Das Geld steckt der Bösewicht ein und Ranger und Abahachi versuchen, per alter Schatzkarte an einen Edelstein zu kommen, um wieder flüssig zu werden und das geliehene Geld an die Indianer zurückzuzahlen.

Für alle „Schuh des Manitu“-Neulinge, die keine Film-„Vorbelastung“ haben, sei kurz und knapp gesagt: Unbedingt ansehen! Ein riesiger Wildwest-Klamauk mit Musik, die ins Ohr geht, mit vielen Schenkelklopfern, einem großen Bühnenbild und Musik, die einen mehr als beschwingt nach Hause gehen lassen.

Für alle, die den Film kennen und vielleicht sogar Passagen mitsprechen können: Auch hingehen, auch unbedingt ansehen!
Man muss loslassen können von den bekannten Gesichtern aus dem Film und sich neben Songs, wie Superperforator“, auf neue Musik einlassen. Das hier ist ein Musical. Es sei aber allen versprochen, dass schon kurz nach Beginn des Stücks, spätestens beim witzigen Tod des Indianers Falscher Hase (ja, extrem witzig, Szenenapplaus wohl verdient) alle Vorbehalte wie weggeblasen sein dürften. Denn neben einer auf den Punkt gebrachten Besetzung, die der Originalen wirklich nah kommt, gibt es tolle schauspielerische Momente, bei denen man nicht anders kann, als zu schmunzeln. Neue Pointen wurden eingebaut, starke Ensemblestücke unterstützen die Szenen und Bühnenbild und Kostüme sind mindestens so aufwändig wie im Film.

Abahachi (Mathias Schlung - Tanz der Vampire, Titanic) und Ranger (Daron Yates - Fack ju Göthe) harmonieren wunderbar mit Winnetouch (Marc Seitz - Into the woods, West Side Story), Abahachis schwulem und cleveren Bruder, dem Bösewicht Santa Maria (Hans Neblung - Harry Potter und das verwunschene Kind, Elisabeth) und der ganzen Banditenbande.
Dimitri (Fabio Diso - Mamma Mia, We will rock you) hatte wohl mit „Ich trinke Ouzo“ den Ohrwurm-Song des Abends, der es bestimmt auf die ein oder andere Party außerhalb des Theaters als Trinkspiel-Song schaffen könnte.

Mit der Gesamtsituation kann man hier also mehr als zufrieden sein!
Bis zum 9. Januar 2022 ist das Stück noch in München zu sehen. Dringende Empfehlung: 3G+ beachten und auf jeden Fall nicht verpassen!

(Jasmin Gollwitzer)

Kritik zu: BERLIN BERLIN
15 von 17 Personen fanden die Kritik hilfreich
Direkt von Berlin nach München ins Deutsche Theater und unmittelbar zurück in den Admiralspalast wurde das Premierenpublikum von „Berlin Berlin“ am 8. Januar 2020 im Deutschen Theater in München katapultiert.

Die 20er und 30er Jahre aktueller denn je. Denn die Musikrevue ist mehr als nur eine Spaß- und Tanzshow:
Auf der einen Seite wird der Zuschauer zurück in Charleston-Zeiten versetzt, in verruchte Clubs mitten in Berlin. Er darf dem Wiederaufleben großer Stars, wie Marlene Dietrich, Anita Berber, den Comedian Harmonists oder der leicht bekleideten Josephine Baker, beiwohnen und mitten drin und dabei sein, wenn sie die Bühne voll in Beschlag nehmen.
Auf der anderen Seite wird der Zuschauer aber auch aufgerüttelt, in einer kurzen, jedoch intensiven Zeitblende, in der die Nazis an die Macht kamen.

Das Bühnenbild ist relativ einfach mit zwei Freitreppen, vielen Lichtern und Glitzervorhängen und verändert sich nur wenig. Die bunten Charleston-Kostüme und abwechslungsreichen, energiegeladenen Tanzszenen bringen die Show jedoch in jeder Sekunde voll zum Leben. Die Besetzung ist treffend gewählt und stimmlich ist vor allem Sophia Euskirchen als Anita hervorzuheben, die gesanglich mit in allen Tonlagen starker Stimme brilliert.

Der Admiral (Martin Bermoser) führt souverän zusammen mit dem tapsigen Kutte (Sebastian Prange), seinem Clubmitarbeiter für alles, durch die Geschichte des Clubs. Das gesamte Stück ist dabei bestimmt von einem Hit nach dem anderen, wie „Cabaret“ und „Mackie Messer“, „Ich bin von Kopf bis Fuß“, „Puttin‘ on the Ritz“ bis hin zu „Mein kleiner grüner Kaktus“. Auch wem die Titel im ersten Moment nichts sagen, wird bestimmt sämtliche Textpassagen aus vielen der genannten und all den weiteren Liedern kennen. Grade Kutte sorgt dabei auch für viele Lacher.
Und wem bis dahin noch nicht zum Lachen zumute war, muss spätestens ein Grinsen beim „Lachfoxtrott“ unterdrücken. Die Mauern des Deutschen Theaters haben wohl selten einen so kollektiven Lachanfall erlebt - Lachen ist einfach ansteckend. Ein unterhaltsamer, stimmungsvoller Revue-Abend mit Tiefgang ist also garantiert.

Empfehlung: Dringend ansehen! Noch bis zum 19. Januar 2020 ist das Stück im Deutschen Theater in München zu sehen.

(Jasmin Gollwitzer)

4 von 4 Personen fanden die Kritik hilfreich
Im Deutschen Theater in München waren am 2. Dezember 2019 vier beliebte Charaktere zu Gast: Sascha Draeger, Tobias Diakow, Manou Lubowski und Rhea Harder.
Aber wer ist das nun? Na klar, zumindest spätestens, wenn man sie sprechen hört: Tim, Karl, Klößchen und Gaby – besser bekannt als TKKG.

Schauspieler und Synchronsprecher Sascha Draeger ist zusammen mit Manou Lubowski schon seit 1981 als Synchronsprecher für das Jugendhörspiel tätig und beide sind nicht mehr wegzudenken aus dem Quartett als Tim und Klößchen. Seit 2009 ist Rhea Harder als Gaby zu hören. Jüngster Zulauf im Team ist Tobias Diakow - seit 2016 als Karl. Der Kenner wird den „echten“ Karl aus alten Zeiten vermissen, jedoch ist Diakow ein guter Nachfolger. Ein Rechtsstreit katapultierte den altbekannten Karl Vierstein (Niki Nowotny) zum Leidwesen seiner älteren Fans vor einiger Zeit aus dem Vierer-Team.

Unterstützt wurden die vier außerdem von Luise Lunow und Michael Lott, zwei alten Schauspiel- und Synchronhasen, sowie dem Geräuschemacher Peter Sandmann, der die Geschichte des Abends mit unzähligen kleinen und großen Hilfsmitteln zum Leben erweckte. Tatsächlich war es hier und da eine Herausforderung, Sandmann beim Geräusche machen zuzusehen und sich gleichzeitig auf die damit verbundene Geschichte zu konzentrieren und seiner Fantasie freien Lauf zu lassen: „… aha… was macht er mit der Luftpolsterfolie?... ah… hin und wieder ploppen… was soll das für ein Geräusch sein?... hm, mal Augen zu machen… ach sooo ein Lagerfeuer, wie es schön knistert und knackt!“
Es lohnt sich also durchaus, auch einfach mal nicht hinzuschauen.

Der Fall selbst dreht sich um einen scheinbaren Badeunfall in der Nähe eines kleinen, unheimlichen Dorfes, in dem es nicht mit rechten Dingen zuzugehen scheint. Ein Glück, dass TKKG Ferien hat und dem Spuk auf den Grund geht. Ein klassischer Kinderhörspiel-Fall, wie die Fans ihn seit jeher kennen und lieben, mit irgendwie doch noch denselben Stimmen aus der Kindheit, spannenden Momenten, kauzigen Erwachsenen, die versuchen, das Geheimnis vor TKKG zu bewahren, und natürlich auch einem Schmunzeln hier und da, ausgelöst von den Darstellern auf der Bühne, die rennen, klettern, im Zelt im Schlafsack schlafen … und das alles in 5 cm Entfernung von ihrem Pult mit Mikrofon.

Für alle TKKG-Fans ist TKKG- das Live-Hörspiel definitiv ein Muss, egal ob jung oder alt. Das Deutsche Theater war publikumsseitig gut durchgemischt, auch viele junge Fans fanden den Weg ins Theater. Ein netter Nebeneffekt zudem, dass Hörspielproduzentin Heikedine Körting am Abend im Publikum saß und ihren Mikrofonsprösslingen zusammen mit dem Publikum zujubelte. Im Deutschen Theater in München war TKKG nur an diesem Abend zu Gast. Die 4 Spürnasen touren aber noch weiter durch Deutschland, unter anderem z.B. Ulm, Düsseldorf, Kiel und Kassel.
Alle, die früher in der Kindheit oder auch jetzt jung, ganz neu entdeckt TKKG-Fälle lieben, sollten sich dieses Live-Hörspiel nicht entgehen lassen. Als Erwachsener wird man vermutlich nicht mehr so tief in die Fälle eintauchen, die Live-Erfahrung mit den lieb gewonnenen Charakteren ist aber sicher dennoch eine kleine Zeitreise wert.

(Jasmin Gollwitzer)