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bei kafkas "ein käfig ging einen vogel suchen" in der regie von Andreas Kriegenburg waren die kritiker fast einheitlich angetan. mr. kriegenburg stapelt zimmer, versetzt, angeschrägt, ineinander gerammt. immer das eine. das eines junggesellen, ein schwarzweißes bild von der kindlichen judy garland hängt an der wand und preist nostalgisch den regenbogen. bei herrn blumfeld ist alles leberwurstgrau. die seele, das leben, der mantel. angstbesetzt wispert er sich hier mehrfach besetzt durch seinen organisierten alltag. die schauspieler sprechen halbmaskiert die texte, satz an satz, fast pausenlos. zitieren blumfelds zeilen, kriechen in den "bau". zwei verrückte mädchen tänzeln irr herein und gehen in den schrillen dialog mit dem scheuen blumfeld. die tennisbälle! fangen oder nicht? so bauen sich in fast zwei stunden ohne pause mit gepresster regie kafkas texte auf, wahre wortlawinen, die darsteller agieren monoton synchron. kriechen mit slapstick in diesen blumfeld und so wird sich auch mal gern und erlöst amüsiert über den sonderling. kafkas wortlawinen sind aber besser zu erfassen, wenn man diese im eigenen rhythmus liest. zeile für zeile. im großen bühnenmonolog rauscht es meist nur. das fühlen des sinns bleibt bei diesem tempo auf der strecke. zumal man diesen blumfeld eigentlich eher bedauert in seinem inneren gefängnis. was für mich die ebene der slapstick aushebelt.
Kritik zu: Nora
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regisseur Stefan Pucher bleibt seinem pop-poesie-stil treu und zeigt eine glamouröse nora
ein gutes vorzeichen: die stets höchst anspruchsvolle, gern verkniffene kritiker-riege hat die inszenierung bereits im chor benörgelt und abgewatscht. da ich der regiearbeit von pop-magiker Stefan Pucher schon in den dt-inszenierungen "baal" und "was ihr wollt" viel frollainwunderbares abgewinnen konnte, war ich sehr auf ibsens "nora" (oder ein puppenheim, 1879!) gespannt, mit der sprache von Armin Petras, der auch weiß, was smarter mainstream mit eigener note sein kann. die 80 minuten neuzeit-nora wurden zum ziemlich hinreißenden kaleidoskop. ebene 1 zoomt in die gut situierte yuppie-ehe mit karrieregatten und der schmucken frau an seiner seite (die 3 kinder blieben gesichtslos außen vor). ebene zwei zeigte sich in großen s/w-einblendungen auf den zimmerwänden. getragene film-szenen mit texten aus dem original, in nostalgischen kostümen, mit dem nötigen ernst inszeniert. schön. bernd moss mit dem markanten gesicht gibt den karrierehengst und göttergatten torvald helmer, betet seine göttin nora vor allem körperlich an. katrin wichmann ist aber auch reizend besetzt. edel-blond, feminin, elegant, deluxe-madamig, aber auch schnatterig, überdreht, frustriert, dann wieder tapfer, stolz. es wabert der konflikt der unerlaubten urkundenfälschung. (nora erschlich über den verstorbenen vater einen immensen kredit, um damit den burn-out-gatten in eine offzeit zu schicken). als torvald dies erfährt, eskaliert die situation. bernd moss steigert sich hier in eine energetische szene hinein, in der er seine angebetete in grund und boden beleidigt. was ist vertrauen??? nebenfigur christine linde wird von tabea bettin verkörpert, ebenso bildschön und ausdrucksstark wie katrin als nora. diese christine wird den konflikt provozieren aber auch wieder eindämmen. somit beruhigt sich der dominante helmer schließlich, hat aber mit seinem entlarvenden ausbruch seine frau verloren. nora verliert sich nun in die große enttäuschung und wird ihn verlassen. sie muss. 
das bühnenbild präsentiert sich zwischen lässig und statisch, gibt die umgebung in modernen details preis. pucher zieht konsequent eine vordergründig/hintergründig auf edelglanz polierte regie durch und fasziniert wieder mit musikalischen brüchen. die protagonisten dürfen popstarlike singen und magnetisieren, kurz in ihre abgründe abtauchen. viel spielfreude, viel applaus.
sibylle berg, die gottesanbeterin der modernen literatur, schuf nach dem euphorisch aufgenommenen stück "es sagt mir nichts, das sogenannte draußen" die ebenso euphorisch aufgenommene fortsetzung "und dann kam mirna". die vier medien- und lifestyle-kritischen jungen frauen (in latschen, kitteln und mit nerdigen frisuren) sind nun doch irgendwie schwanger geworden, duldeten aber keine nähe zu den männern und erziehen ihre töchter lieber allein vor sich hin. von wegen erziehung! die überforderung gibt sich die kante. die analysen werden endlos, ufern aus, zugepackt wird hier noch lange nicht. die welt ist einfach eine totale erschöpfung. die protagonistinnen sind nun den dreißigern nahe, das macht angst. die biografien sind erneut als poetry-slam-chor inszeniert, der sich nur ab und zu unterbricht für ein persönliches statement einer mutterfigur (oder es simst eine verzweifelt aus dem off die biografisch verbündeten freundinnen an, whatsapp-pling).
80 minuten chor-girl-gewalt, schnellsprech-attacken, ruhelose gedanken-welt. die text-welle rollt faszinierend über uns. die mirnas, der kesse nachwuchs, sind mit vier aufmüpfigen jungen mädchen mit wippenden zöpfen besetzt, in rosa sweatjacken einer trend-marke, beturnschuht. schmollschnutig, patzig, ziemlich bockig. und genervt von den plänen ihrer irgendwie total bewusst lebenden mütter, die erschöpfende großstadt gegen die vermeintlich heile welt des öko-umlands einzutauschen. kann ja gar nicht funktionieren! die mirnas haben das schon längst erfasst, die mütter träumen noch vor sich hin. nur in tänzerischen kurz-choreografien wird bekittelt entschlossenheit gestampft. die teenie-mirnas misten lieber das zuhause anhänglich aus. bücher knallend in den bühnengraben, klamotten, kuscheltiere folgen. die schlaffen mütter stets ermahnend. nähe wollend aber dann doch nicht. linkische umarmungen der vom schlechten gewissen geplagten glucken scheitern steif.
die kombination aus ratlosen müttern und ihren strategischen töchtern als bellender chor ist ziemlich hinreißend. sibylle bergs pulsierende textvorlagen schröpfen einfach so viel absurde und doch wahre realität, dass ein amüsanter abend garantiert ist.

 

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