0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
was tun, wenn eine freundschaft krampfig wird? sich tot stellen oder erschlafft ein geheucheltes abschiedsdinner geben? für letzteres entscheiden sich katja und peter. erleichterung macht sich breit, gar leichte entkrampfung. bea und anton sind die ersten auserwählten, die man zum finale charmant und stilvoll, aber vorsätzlich verabschieden will. doch es kommt nur anton vorbei. denn die verspannte und prinzipienstarke autorengattin bea muss mit ihrer theatertruppe performen.
ingolf lück ist anton und brettert die rolle sofort hölzern auf die leicht schräge wohnzimmer-bühne, zitiert sich selbst aus klamaukigen wochenshow-zeiten in mimik und ausdruck und das strengt an. antoningolf, der nussknacker. der sich hier finden soll in einer ziemlich konstruierten rolle - antoningolf muss überdreht auftreten, ekstatisch vom ungarischen psychotherapeuten berichten, die adoption eines afrikanischen kindes ankündigen, endlose anekdoten widergeben, sich breit machen und laut sein. und anton stinkt. auf dem hinweg hat er, warum auch immer, mit einem penner den parka getauscht, verwirrtes großes herz. und schnupfen hat er auch. so windet sich das freundespaar schon bei der halbgaren begrüßung. rené steinke glänzt als sympathischer lebhafter peter und wird zum ensemble-darling des komödienabends. die kunst, genau zu dosieren, dürfte sich auch aus seinen jahren an der renommierten ernst-busch-schule speisen. ingolf lück kann als anton nur das comedy-temperament anbieten und das wird für den zuschauer zum theater-spagat. lück sollte sicher das zugpferd sein auf postern und in pressemitteilungen, aber schauspieler rené steinke ist der, der überzeugt, und das ganz uneitel und natürlich. seine frau katja wird von rebecca immanuel gespielt und katja ist die sinnliche, temperamentvolle und komische göttergattin.
in teil 2 des finalen freundschaft-todes-dinner begreift anton endlich, was hier vor sich geht und die enttäuschung lässt ihn erstarren. doch peter hat ein weiches herz. vorher muss er aber noch einen rollentausch überstehen, sogar die kleidung wechseln (ja, die ü50-herren zeigen viel nackte haut) um sich in anton mal hineinzufühlen. anton, der spirituell überdrehte therapie-konsument. steinke als peter läuft in der verdrehten rolle als anton zu großartiger form auf. wie er anton anton präsentiert ist fabelhaft lustig. lück bleibt auch hier eher steif und drückt seinen unmut stampfend aus. also ein boulevard-theater-abend, der ambivalent matt glänzte.
0 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
raus aus dem rauhen knast, rein ins rauhe berlin der 30er jahre. "alexanderplatz", der roman von alfred döblin, erzählte mit schnoddriger wucht die geschichte des lohnarbeiters franz biberkopf, dessen mieze, eine hure, von reinhold ermordet wird. der kleinkriminelle biberkopf gerät ins visier und sein leben zerstört sich. trostlosigkeit, hoffnungslosigkeit, verzweiflung. gier nach einem ausweg, einem licht, aber wo, ohne erneut abzustürzen. regisseur Sebastian Hartmann legt auf der bühne des deutschen theaters die kaputte seele des biberkopfs aus. das neonlicht grellt und bellt die zuschauer immer wieder an, die schlichten unschuldig weißen kulissen schieben sich hin und her. eklektische sounds brechen die szenen auf, verspielte aber todernste s/w videos surren über die wände. das stück "alexanderplatz" bekommt raum für seine unverwüstliche berlin-seele.
schnodderschnauze andreas döhler, mit dem hundeblick und der schiefen schnute, ist die idealbesetzung des verschlagenen franz mit dem kleinen herzen. wie er miezes schwester aufgegeilt aufsucht und an ihr rumschnurrt, ist eine der brutal-vitalen szenen. die blonde katrin wichmann, umwerfend-feminin und der düstere döhler gehen in den rollen so sehr auf, dass man hineingezogen wird in den sog der texte und taten. dem ganzen großartigen ensemble kann man das bescheinigen. berlinfiguren schlurfen kauzig über die bretter, zitieren berliner humor, berliner elend. immer wieder rauscht man zurück in die verbindung von franz und mieze. am ende begegnet eine energetisch gewaltige almut zichler als totenbotin dem mutlosen biberkopf und der kriegt es mit der angst zu tun. benjamin lillie ist der nackte engel, der das elend der schlachthöfe brüllt, das tier im menschen. und wieder eine szene mit sog. dann wird es wieder hinreißend komisch, dann bitter, dann poetisch.
auf über vier stunden (mit zwei pausen) hat regisseur hartmann den trip ins alte berlin angesetzt und langweilt keine sekunde. berlin rauscht immer noch. mit herz und schnauze. für mich, ja, berlinernde ostmieze, ein abend mit suchtfaktor.
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
marthaler - master of müßiggang. schon bei tessa blomstedt entstand irgendwann dieser regieschläfrige sog. der aber bei "hallelujah" wirklich einsetzte. anna viebrock karrte auch für diese stück die requisiten heran, wählte die kostüme aus und verpasste der volksbühnenbühne den spröden look. es ist plänterwald, der freizeitpark der vergangenheit ist erstarrt. ein riesiger unkaputtbarer dino ragt vom boden, eine scheppernde abgeblätterte treppe führt in die höhe und hinab. das irgendwie-zentrum in diesem aus der zeit gefallenen reservat ist ein kassenhäuschen, in dem eine ungemütliche ältere dame abweisend thront ("hinten anstellen!"). das ensemble trippelt wieder, wird zu einer gruppe verlorener, jeder ist eine "ehemalige" figur. zeitreise nach damals, die erstarrt ist. im freizeitpark, den niemand verlassen wird in den nächsten zwei stunden. trost findet sich in hinreißenden countrysongs. die muss man gar nicht mögen, aber in "hallelujah" dürfen sie wirken und blühen. sängerin tora augestad füllt den riesigen saal mit kitschigen songperlen, die stimme glockenhell. die musiker hardy kayser und clemens sienknecht sind die schräge mini-band. film-newcomerin lilith stangenberg ("wild" von krebitz) ist wieder mit dabei und teilt monoton mit, dass sie eine dauerkarte für den park besitzt und seltsamerweise hier auch wohnt. neid löst sie damit nicht aus.
marc bodnar, französischer schauspieler mit strammen bauch, schmieriger frisur und null scheu, seine rolle extrovertiert und komisch auszuleben, zitiert den oberindianer pierre brice/winnetou aber auch mal karl may, auf französisch. das ostdeutsche pendant dean reed findet heute auch seinen platz in amerikanisch-wohlfeilen zitaten.
irgendwie trostlos dieser schauplatz, irgendwie liebenswürdig diese figuren. man muss sich der entschleunigten regie hingeben, sonst wird man ziemlich müde. immer wieder reißt ein country-song die statischen statisten in die hoffnung zurück, lässt lustiges zu, trauriges und träume. ein kauziger abend.
 
(weniger skurril ist die neubestuhlung in der volksbühne. nachdem die verplüschten reihen entsorgt wurden, beton vergossen, sitzt man nun als erwachsener auf plastikstühlen im kindergartenformat. die überelastischen nur halbhohen rückenlehnen lassen kaum entspanntes sitzen zu. und das bei einem millionen-budget.)

 

Preis: €14,95 €11,95

UNSERE BÜCHER
ALS PDF-DATEI

AUSWAHL

 

Preis: €14,95 €11,95

 


DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN





AUF DER BÜHNE © 2020

AUF DER BÜHNE

Auf der Bühne

TICKETS KAUFEN
eventim

WIR EMPFEHLEN

3.3
Durchschnittsnote aller Stücke
5 840+
4 1877+
3 1650+
2 1036+
1 425+
Kritiken: 2842

PDF-Datei: 22,60 € 16,95 €

Weitere Formate auf Amazon & Google Play:
Kindle eBook - Taschenbuch - Google eBook


UNSERE BÜCHER ALS PDF-DATEI

AUSWAHL


BUCH ALS PDF-DATEI
Toggle Bar
X

Right Click

No right click