Kritik zu: Madama Butterfly
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giacomo puccini. 1858 geboren, 1924 verstorben. fuhr gern rasend sein automobil (und konnte einem dramatischen unfall nicht ausweichen). er rauchte viel und starb an kehlkopfkrebs.
ich bete puccini und sein werk an (u.a. la boheme, tosca, turandot). „manon lescaut“ berauschte mich letztes jahr und immer noch, „madama butterfly“ fliegt ebenso in hinreißende höhen und bittere tiefen. puccinis klang- und tonwelten sind zum niederknien schön. puccini-eigen.
die inszenierung von eike gramms in der staatsoper kann sich auf ein meisterwerk verlassen und braucht es nur mit zauber zu interpretieren. oksana dyka als leidende cio-cio-san entblättert ihren feurigen sopran bis in die hintersten ränge. es ist ein traum ihrer stimme durch das gesamte werk folgen zu dürfen. den geliebten pinkerton verkörperte der smarte rumäne teodor ilincai und auch sein tenor beeindruckte wohlwollend. madame schmetterlings geschichte ist bekannt. die junge japanische geisha verliebt sich in den amerikanischen leutnant pinkerton, der sie nach japanischem brauch heiratet. er verlässt sie für jahre, sie erkennt, dass die ehe nicht gültig sein wird und bedauert in den armen ihres kleinen sohnes die umstände. doch pinkerton kehrt zurück und cio-cio-san sieht die sonne aufgehen. und später untergehen, als sie nun erkennt, dass es keine zukunft geben wird, denn pinkerton und seine frau fordern nur das kind ein. cio-cio-san sieht für sich den bitteren tod als erlösung aus dem unendlichen schmerz an.
oper bedeutet drama, bedeutet wucht und schmerzen und seligkeit. das bühnenbild im japanischen stil ist eine anmutung. die südkoreanerin eun sun kim dirigierte emotional das versierte orchester und der applaus war feurig wie oksanas sopran. willkommen in der welt von puccinis opernträumen.
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wenn man aktuell vor dem theater und der komödie am kurfürstendamm steht hat man die wahl: links „alles muss glänzen“, rechts „im sommer wohnt er unten“. neulich wählte ich rechts, eine voraufführung, ein wunderbarer abend. gestern wählten wir links, auch eine voraufführung, und bereuten den besuch schon nach einer viertelstunde. mit uns murrte es tendenziell verständnislos in den vollen zuschauerreihen. der noch recht junge gründer und chef ivan vrgoc der berliner santinis productions legt gern ein kreatives ei und buchte sich schon mit „geächtet“ oder „eine familie“ in das bodenständige theater ein. begrüßte uns und stolz den regisseur und autoren. in "alles muss glänzen" setzt vrgoc erneut auf die sympathische maria furtwängler, die mal keimfreie ärztin war und stets die freundliche ausstrahlung einer öffentlich-rechtlichen nachrichtensprecherin hat. der roman „the homemaker“ von noah heidle ist ein surreales werk und wurde z.b. von der regisseurin anna bergmann im staatstheater hannover genau so verstanden und mit einer abgefahrenen bildsprache umgesetzt. (leider waren wir aber am kudamm). jedenfalls steht frau furtwängler alias rebecca im hübschen roten fifties-kleid in ihrer nostalgischen küche, draußen regnet es bindfäden (für eine sintflut reicht es noch nicht) und sie werkelt an der flunder rum. dreht mit tantigem schwung das radio auf und wiegt sich steif in den schmalen hüften. die beflissene rebecca erwartet den gatten, der aber nicht kommen wird. denn er sucht das glück. nur nicht mehr bei ihr, der spröden (jedenfalls ist blondine furtwängler das) und vorbildlichen hausfrau, die sich um krümel und falten in der tischdecke sorgt. in ihrer hausfrauheilen vergangenen welt klopft es regie-aufgeregt ständig an der tür. mal wird das teenagertöchterchen abgeholt zum ball, dann stolziert die nachbarin im grünen kostümchen herein und leiht sich mal eben eine waffe, um sich im badezimmer von rebecca spontan umzubringen. vorher verkündet sie aufgelöst, dass sie ihrem mann noch einen blasen wollte, aber auch das konnte die eingeschlafen ehe nicht mehr retten. und er ist wohl auch tot, sowieso. rebecca nimmt das höflich zur kenntnis und das interesse der zuschauer ist mittlerweile auch schon ermattet. die leiche der nachbarin liegt jedenfalls den abend über im bad herum. es klopft mal wieder und ein junger prediger predigt platt und steigert sich in die erlösung der hausfrau hinein, aber dann grüßt die schaubühne und maria alias rebecca „rappt“ eine hymne an alle tapferen mütter dieser welt und will sich applaus erkämpfen. die aufgesetzte performance-szene irritiert aber nur das gesetzte publikum. es regnet immer noch bindfäden. und das sieht eigentlich ganz hübsch aus, wie das wasser so am fenster herunterläuft. wenigstens das wasser fließt. ein ungelenker mann mit schwarzer einbrecher-maske taucht am küchenfenster auf und kraucht herein und hui es ist ja der vergewaltiger, der schon die schwangere nachbarin und deren tochter belästigt hatte. den vergewaltiger und auch später mal spontan den erträumten gatten spielt der sonst auf komik gebuchte schauspiel-beamte ludger pistor, den die produktion stolz mit seiner nebenrolle als herr mendel in „james bond: casino royale“ anpreist. daniel craig könnte den abend noch retten, tut er aber nicht. der plumpe vergewaltigungsversuch endet in einer verständnisvollen unterhaltung mit dem nachbarn, der offenbar irgendwie langeweile hatte, und die szene ist inhaltlich geschmacklos umgesetzt. auch der verlorene sohn beehrt heruntergekommen die mutti, konnte den vater nicht finden und hui man putzt einfach zusammen die küche und die welt gerät wieder in die fugen. die welt und die fuge, der kudamm und das surreale. am ende bleibt eine vom leben enttäuschte rebecca übrig, die einsam die kerze auslöscht.
der regisseur hat zumindest die voraufführung ohne für die zielgruppe wichtige pipi-pause angesetzt. nach 110 seltsamen minuten leerten sich erschöpft die reihen. begeisterung sieht anders aus. aber die poster in den schaukästen sind wirklich schön.
Kritik zu: Dantons Tod
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ich bin immer gespannt auf die jungen wilden der ernst-busch-schule, ob in stücken an der volks- oder schaubühne. der väterliche peter kleinert, der die jungen wilden schon „die mutter“ von brecht entstauben ließ, hat ihnen nun „dantons tod“ von georg büchner für eine eigene interpretation vorgesetzt. und die ist jung und wild und umfassend. jonas dassler ist danton und schaut mit wasserblauen augen, wirkt introvertiert und extrovertiert zugleich. ob jonas schon um seine wirkung weiß? diese aura kann man sich nicht erspielen, diese ist da oder nicht. im off-studio der schaubühne wird er zum flackernden fixpunkt. offenbar hält er und die truppe einen nackten auftritt für inszenierungsfördernd. soll hier dantons sinnliches leben markiert werden oder sein ausgeliefertsein kurz vor dem tod? oder einfach mal wieder ein pen*s ein zeichen setzen. jonas kann singen und e-gitarre spielen und wenn die kleine rauhe busch-band losrockt flasht sie. man bleibt aber trotzdem an der hehren und politisch brenzligen vorlage dran, die vielen todernsten texte fließen stolperfrei. die schmale jungenhafte esra schreier ist der entschlossene robespierre und sitzt auch mal am klavier. robespierre verteidigt leidenschaftlich und stur seine ansichten und ziele, während danton an seine langsam nicht mehr glauben will und kann. freiheit, gleichheit, brüderlichkeit? die französische revolution dominiert die geister und verhindert entschlossenes, gemeinsames handeln. entschlossenes, gemeinsames handeln demonstrieren die hinreißenden jungen wilden, die die immerhin zwei stunden so gestalten, dass trockene politik ihre entkrampfung findet mit ironie, wildheit und freude am performen.

 

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