Anja Röhl
KRITIKEN
Kritik zu: Maria
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Im Maxim-Gorki-Theater sah ich mit großen Erwartungen am 15. Februar ein Stück mit dem Titel: „Maria“, das den Anspruch, die Bibelerzählung der Mutter von Jesus ins Heute zu transportieren, leider nicht erfüllte. Dabei wäre das so eine gute Idee gewesen! Es gab nur einen behaupteten, aber keinen wirklichen Bezug zum Heute, das Prekariat wurde verarschend, nicht würdevoll gezeigt, ein rothaarig-aufgedonnertes Glimmermädchen (Vidina Popov, bemüht, aber als Maria nicht überzeugend) hüpft fröhlich schwanger über die Bühne, ist immer optimistisch, man weiß nicht ganz warum,  die Inhalte bleiben fahl und leer. Der Text wird mal zu schnell, mal zu laut, mal zu leise gesprochen, alle Spieler nehmen ihre Figuren nicht ernst, karikieren sie, allerdings auch nur wenig überzeugend und der Schnellsprechsalat auf der Bühne hat zudem den Fehler, dass die Inhalte auch von der Intention her unverständlich bleiben. Die Arbeit der Maria im Netz, wo sie sich Leuten zum Reden anbietet, und die irgendwelche Scheinsorgen herunterlabbern, ist ganz bestimmt kein Dornwald, das Kind wird geboren, verschwindet dann, Maria bleibt fröhlich wie ein Puppe, die Menschen um sie herum sind allesamt Schablonen.  Der Autor (Simon Stephens) hat es mit den  Assoziationen und Gedankensprüngen etwas zu weit getrieben und Nurkan Erpulat (Regisseurin) hat wohl dazu noch den Rotstift angesetzt. Übrig blieb ein anstrengend-ermüdendes Stück.

Anja Röhl
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Kritik zu: Woyzeck
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Dem Gefängnistheater AufBruch ist eine ungeheuer frische Fassung des Woyzecks gelungen.  Es spielt an einem Ort, dem der Dichter, Revolutionär und Autor des 200 Jahre alten Stückes, Georg Büchner unbedingt zugestimmt haben würde, dem Knast.
In diesem Fall der Jugendstrafanstalt Berlin. Da, wo noch heute all diejenigen landen, die ihre Verzweiflung, ihre Deklassiertheit und Ausgeschlossenheit in einem System, in dem der Klassenkampf von oben tobt, obgleich es offiziell als Demokratie gilt, nicht mehr aushalten, nicht mehr bremsen können, und schließlich gewalttätig in die Vertikale explodieren.
Erniedrigung, Degradierung
Das Stück enthält viele Parallelen zu ihrem eigenen Leben, und das ist der Grund, warum es der Regisseur Atanassow sicher für sein Theater „AufBruch- Gefängnistheater“ für die Straftäter im Jugendstrafvollzug ausgewählt hat. Zunächst Gewalterfahrung als Kind, Erniedrigung, dann Tötungsmaschine auf Befehl, zurück mit Verfolgungswahn, Degradierung zum Versuchsobjekt, zum Diener, zum Idioten, zum Tier, das sind so die Stationen in Woyzecks Leben, das dann weitergeht mit dem Versuch, kleines Glück zu halten, dann Eifersucht, schließlich Mord an dem einzigen Menschen, der je zu ihm gehörte, der Frau, die er liebte. Das ist die Story, zu der Büchner durch einen realen Fall inspiriert wurde, den man damals, statt die Bedingungen anzuklagen, mit ererbter Konstitution rechtfertigte und aburteilte.
Verzweiflung wirkt sich vertikal aus
Die Auswirkungen der Klassengesetze schreiend ungleicher Ausgangsbedingungen, auf das Verhalten des Einzelnen, spielt auch heute noch eine Rolle,  zunehmend finden Erklärungsmodelle zurück zum Konstrukt der „ererbten Konstitution“ in Zeiten wachsender Kälte und Ausbeutung. Man bemüht statt Biologie nun die Psychologie, die Neurophysiologie. Die Forschungsergebnisse sind auch heute noch und wieder fragwürdig, weil der Mensch vielfältig ist und sich nicht mittels eines Parameters erklären lässt. Tatsache ist, dass sich Verzweiflung immer noch in vertikaler Gewalt gegen Menschen derselben Schicht auswirkt, wie Atanassow es im Pressegespräch ausdrückte.
Menschen von ganz unten eine Chance geben
In der Regel zeigt allerdings selten einer der Protagonisten seine Gefühle so nackt und bloß, seine Verzweiflung so offen, wie es in der Person Woyzeck durch den jungen Büchner (er starb mit 23 Jahren) künstlerisch gestaltet wird. Dies mit den Menschen zusammen sich angeeignet zu haben, die es betrifft, die auch oft ihre Gefühle der Trauer zugunsten solcher der Abwehr herunterschlucken und in sich runterdrücken, ist das Verdienst vom Gefängnistheater AufBruch. Das Konzept ist hier: Menschen von ganz unten eine Chance geben. Eine künstlerische Ausdrucksfähigkeit entwickeln, die aus einer real erfahrenen sozialen Ausgrenzung entsteht.
Nur nach sieben Wochen Proben, meist nur wenige Stunden in einem arbeitsreichen und durchstrukturiertem Tag fremdbestimmter und der Bestrafung verpflichteter Arbeit, hat ein Team von 8 jungen Männern in der Berliner Jugendstrafanstalt eine sehr gelungene, unter die Haut gehende Fassung des berühmten Werks des revolutionären und selbst deklassierten, von Verfolgung und Gefängnis betroffenen Dichters entwickelt.
Die Aufführung ist äußerst reduziert vom Bühnenbild (Lob an Holger Syrbe) her angelegt, es gibt nur ein Karré von rotgestrichenen Zaunlattenwänden vor schwarzem Hintergrund, auf dem sich alles abspielt. Das geschlossene Karré einer Lebenskraft, die nur in der Wut ihren Ausgang findet.
Äußerst glaubwürdig
Manchmal gibt es Szenen, in denen es mehrere Woyzecks gibt, es sind dies die Soldatenszenen, die Gehorsamsszenen. Überall, wo Woyzeck allein ist, und das ist er oft, im Grunde immer, wird ihm seine Individualität zum Ausgangspunkt von Angst. Allmählich kristallisiert sich dann ein Hauptspieler heraus, ein schmaler, ätherisch wirkender junger Mann, Salah, mit einer extrem tiefen Bass-Stimme. Oft wendet er sich an das Publikum, als wolle er belehren oder Hilfe suchen. Wie er den Psychopathen gibt (seine eigenen Worte) ist äußerst glaubwürdig und gelungen. Zu Beginn sind seine Worte noch schnarrend unsicher, schon nach Kurzem aber ist seine Stimme klar, tief. Sie bekommt in bestimmten Szenen etwas klirrendes, ächzendes, der Schmerz wird fühlbar, der in ihm wühlt.
Daneben sind die Szenen mit seiner Liebsten Marie (Sehr gut gegeben von Jallal, eher mütterlich, etwas dumpf, bäuerlich, gar nicht kokett, wie sonst oft). Wenn Franz Zeit hat, ist er von einer geradezu rührenden Fürsorglichkeit, die sparsam, unbeholfen und doch ehrlich wirkt. Dies selbst, wie auch von Büchner angelegt, bis kurz vor dem Tod und noch nach dem Mord.
Die roten Wände werden bei Szenenwechsel durch Projektionen jeweils in Vorausschau zur nächsten bebildert, Filmaufnahmen vom Aufwachsen von Kindern in Plattenbauvierteln, von der Perspektive der Fabrikhalle, den Maschinen, und dem dunklen Unbekannten der Sehnsucht oder der Verzweiflung, wie in einem Kaleidoskop. Auch eine altertümliche Jahrmarktszene ist dabei, einziger Ort der Ausgelassenheit und des Ausbruchs. Das schafft den Übergang zu heute.
Großartige Mimik und Gestik
Der Tambourmajor wird mit großer Bühnenpräsenz von Jamal gegeben. Dieser junge Mann hat das Zeug zum Filmschauspieler. Säße er nicht im Jugendstrafknast, und wäre nicht in einer arabischen, sondern in einer deutsch-großbürgerlichen Familie groß geworden, so hätte ihn vom Fleck einer von der Filmindustrie abgeworben. Großartige Mimik, großartige Stimme und Sprache, großartige Körperpräsenz und Geschicklichkeit in der Interpretation seiner Rolle, die er nicht so einseitig gibt, wie ich sie leider sehr oft gesehen habe. Er schafft es, den Frauenverführer ohne Arroganz zu geben, er schafft es, das Soldatische weich zu geben, mit anderen Worten, er verleiht seiner Spielfigur Widersprüchlichkeit. Einzigartig die Szene, in der er einen Kosakentanz initiiert sowie sämtliche Lied- und Tanzszenen. Das lebt, das will raus, das strotzt vor Lebenslust, ohne auch nur die kleinste Anzüglichkeit.
Sergeant Waurich hieß das Vieh
Der nächste Hauptdarsteller, der Hauptmann, wunderbar interpretiert von Jihad, wird seinem leitmotivischen Charakter gleich zu Beginn des Stückes sehr gerecht: Er tritt gleich sehr bestimmend auf, ebenfalls mit großer Bühnenpräsenz und starker Stimme, erinnert an Kästner: „Sergeant Waurich hieß das Vieh/ Wer ihn gekannt hat, vergisst ihn nie…“, sein Auftreten ist in seiner Kasernenhof-Mentalität und der Lust Schwächere herabzuwürdigen, entlarvend. Und – überzeugender, als ich es je in anderen Woyzeck-Aufführungen sah.   
Sehr gut auch die Lieder und Choreinspielungen, ganz im Sinne Brecht´schen Theaters, wird hier von den Protagonisten mit Hilfe des Lieds und des Tanzens etwas Überbedeutendes ausgedrückt. Das vermittelt sich sehr gut, Unbewusstes und Gewünschtes wird deutlich, der Erzählstrang auf eine andere Ebene gehoben. Herauszuheben sind auch noch die Szenen, die die Tiervergleiche des Hauptmanns sinnlich erfahrbar machen. Ein Mensch wird zum Affen, ein anderer zum Esel, der Affenspieler wandelt sich dabei langsam vom Mensch in einen immer echter wirkenden Affen. Die große Stunde des Spielers Viktor ist gekommen,  der sich sehr überzeugend aus einem folgsamen in ein aufmüpfiges Äffchen verwandelt.
Mut bekommen
Eine wirklich großartige Aufführung, sie steht anderen Woyzeck-Aufführungen mit Profis in nichts nach. Im Gegenteil sogar, man fühlt es durch: Hier genau gehört nach 200 Jahren der große Revolutionär und Dichter Georg Büchner (Friede den Hütten – Krieg den Palästen) hin. Das sind seine Spieler, das ist sein Ort. Wie wäre er stolz, wenn er sehen würde, wie diese Menschen Mut bekommen und wieder Glauben an sich selbst, durch sein Stück. Und wie gewinnt das uralte Stück an Aktualität, an Größe, an Schönheit.
Großes Lob an diejenigen unter den Mitarbeitern und Profis, die sich der Idee widmen, mit Ausgegrenzten Theater zu spielen. Überdeutlich kommt das Politische heraus: Dass wir alle Menschen sind, frei sein und leben wollen, ein kleines Stück Glück leben, in Ruhe und Frieden – selten wird es so deutlich wie in diesem Drama dieses Ensembles. Sehr überzeugend.
Publikum ist hingerissen!
Und was kommt nachher? Nach den paar öffentlichen Aufführungen? Da werden die Jungens, wie sie genannt werden, obgleich sie meist schon über 18 sind, hinaus in die Welt, in das Draußen gehen. Da warten keine Preise auf sie, kein Schauspielteam mit Rollenangeboten, da wartet im besten Fall die Maurerlehre, der Job bei einer Security-Firma, das Jobcenter. Da müssen sie auf sich selbst acht geben, während ein reicher Mann niemals auf sich selbst acht gibt, wenn er anderen Menschen ihre Lebensgrundlagen raubt.
Die Welt ist verbesserungsbedürftig wie damals und die Gewalt stark wie nie. Menschen aber können etwas bewirken, sie können etwas bewegen, sie können die Welt umdrehen und besser machen. Das alles und noch viel mehr zeigt dieses Stück, obgleich es doch ein düsteres Drama ist, scheinbar hoffnungslos.
Schnell hingehen, nur wenige Aufführungen!

Anja Röhl
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Ich bin nicht Rappaport – Das erste Stück unter der künstlerischen Leitung von Sewan Latchinian in den Hamburger Kammerspielen
Den Theaterintendanten der Hamburger Kammerspiele, Axel Schneider, hat der Ruf Latchinians, unbequem zu sein, nicht abgeschreckt. „Es ging in Rostock um die Schließung mehrerer Sparten. Das hat er verhindert. Das war eine Leistung für die Kulturstadt Rostock“, sagt Schneider. Außerdem habe Latchinian erreicht, dass das eher unbekannte Theater in Senftenberg zum „Theater des Jahres“ gewählt wurde. „Das sind Qualifikationen, die bundesweit Beachtung gefunden haben!“  Der Intendant freut sich über seinen neuen Mitarbeiter und wir freuen uns mit ihm, denn nach vierjähriger Pause ist Sewan Latchinian nun wieder in der Theaterwelt präsent.
Wedekind, Brecht, Klaus Mann
Die „bewegte“ Geschichte des kleinen Theaters im Hamburger Universitätsviertel begann 1918 als eine moderne, expressionistische Bühne, u.a. zeigte sie das Erstlingswerk von Klaus Mann, führte fünf Jahre lang Gustav Gründers als Ensemblemitglied, und Autoren wie Wedekind, Brecht, Schnitzler und H.H. Jahn wurden gegeben. Auch berühmte Künstlerinnen sah man hier: Elisabeth Bergner, Ernst Deutsch, Käthe Dorsch, Asta Nielsen. Aus einer jüdische Loge im selben Haus entwickelte sich nach 33 das Theater zum Zentrum der jüdischen Gemeinde im Viertel und nach Schließung des Theaters, fand dort am 11.7.42 eine Sammlung von 375 jüdischen Mitbürgern zur Massendeportation nach Auschwitz statt. 
Uraufführung: Draußen vor der Tür
Nach 45 übernahm die lange verfolgte Jüdin Ida Ehre (Überlebende des KZ-Fuhlsbüttel) die Intendanz, ausdrücklich setzte sich Ida Ehre zum Ziel, ein Theater der Menschlichkeit zu machen und  „Probleme der Welt zu zeigen, von denen wir 12 Jahre lang nichts wissen durften“ (Zitat nach Programmheft). Hier fand die legendäre Uraufführung von Borcherts: „Draußen vor der Tür“ statt. Im Folgenden konnte man hier u.a. Theaterstücke von Jean Paul Sartre, T.S.Eliot, Thornton Wilder sehen, sie stehen für aufklärerische 60er Jahre Strömungen. 1995 -2203 hatte dann u.a. Ulrich Tukur die Intendanz. 
Sewan Latchinian antwortete einem Journalisten auf die Frage, warum gerade die  Kammerspiele, mit den köstlich ironischen Worten: „Auch im Osten wussten wir, dass Ida Ehre nach dem Krieg ‚Draußen vor der Tür‘ von Wolfgang Borchert aufgeführt hatte.“ 
Er selbst hatte hier einst Peter Zadeks Inszenierung von Sarah Kanes „Gesäubert“ mit Ulrich Mühe und Susanne Lothar erlebt und freut sich darüber, zu erleben, „was mit Theater noch zu machen ist“ Vor seiner Leitungsübernahme ab Oktober 19, stand Latchinian dort schon als Schauspieler auf der Bühne. (17.3. im Stück „Die Nervensäge“), dann als Regisseur, (Nein zum Geld). Nun das erstes Stück unter seiner künstlerischen Leitung, die bitterböse Altenkomödie aus dem New Yorker Centralpark: „Ich bin nicht Rappaport“.
Unterbezahlter Hausmeister
Unter einer einfach farblichen Bühnenbildskizze einer Parklandschaft, finden sich auf einer, Bänke andeutenden, Steinansammlung zwei gegensätzliche Alte. Der eine proletarischen Ursprungs, Handwerker, Hausmeister, lebt unterbezahlt als Hausmeister in einer Kellerwohnung, so dass ihn die Hausbewohner nicht bemerken und durch einen jüngeren ersetzen, wühlt zu Beginn des Stückes in den Mülltonnen. Er möchte nicht auffallen und anecken, und ist schwarz. 
Bürgerlich-anarchischer Aufschneider
Der andere ein auf bürglich-anarchistisch machender Aufschneider, der nach einem Leben in miesen Jobs sich nun im Alter gleich mehrere Persönlichkeiten zugelegt hat. Mal ist er der Anwalt Dr. Engels, mal ein Minister, mal ein Staatssekretär, mal Mafiaboss.  Er gehörte der 60er Jahre-Bewegung an und träumt vom Sich-wehren in jeder Situation, redet von der Befreiung des Proletariats, und ist weiß. 
Verbindung: Das Alter
Klassen- und Rassengegensätze prallen knirschend aufeinander. Während der weiße Kleinbürger den schwarzen Proletarier befreien helfen will, will der Letztere nur endlich seine Ruhe vor dem Schwätzer. Verbinden tut sie das Alter, beide sind fast blind, recht klapprig, schnell KO zu hauen. Die Hüften sind angeknackst, die Jüngeren wollen sie ins Altersheim verfrachten, die Tochter droht gar, den verrückten Vater zu entmündigen. Dieser gibt köstliche Beispiele der wachen Geisteskraft von Altersschwachen. 
Ganz ohne Videoinstallationen
Wenn man daraus keine klamaukige Komödie machen will, sondern eine mit Tiefgang, so braucht es gute Schauspieler, eine verdichtete Dramaturgie, eine perfekte Choreografie. Alles dies ist in diesem Stück gelungen. Die Spieler haben sich ihre Figuren von ihren Widersprüchlichkeiten her angeeignet, die Figuren sind durchweg dialektisch angelegt, also die Widersprüche in jeder Szene und Geste werden betont, alsdann agieren sie oft überraschend, unerwartet, berührend, komisch, ernst, traurig, politische Einsichten fördernd. Aktuelle Bezüge (zur heutigen Immobilienmarkt-Politik) schafft das Stück ganz ohne Videoinstallationen, Überblendungen, Puppenzubehör und Technik-Schnick-Schnacks, keine formalen Überbetonungen, dafür ist Latchinian nicht zu haben. Alles ist schlicht, einfach, klar, wahres Brecht-Theater. 
Donnernder Applaus tönt am Ende über der Parkbank, auf der nach dem Scheitern aller Ideen zur Verbesserung des Schicksals, die beiden Alten ihren Ideen nachspinnen. Eine Hymne an die Weisheit und Klugheit und Würde des Alters, in einer Zeit, wo alte Menschen zunehmend nur noch als Kostenfaktor gesehen werden. Sehr zu empfehlen! Hingehen! 

Anja Röhl
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