Kritik zuIphigenia
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Ringen um zeitgenössische Überschreibung
  · 22.09.22
Die Autorin beschreibt in einem langen Beitrag fürs Programmheft ihr Ringen, wie sie den antiken Stoff ins Heute übertragen kann. Die Schilderung ihrer Zweifel und vergeblichen Anläufe gehört zum Interessantesten an dieser Koproduktion der Salzburger Festspiele mit dem Thalia Theater Hamburg. Im Austausch mit der Regisseurin entschied sich Bednarczyk für ein zeitgenössiches feministisches Missbrauchs-Drama von möglichst archaischer Wucht: die beiden polnischen Theatermacherinnen wollten von den Übergriffen des schmierigen Onkels (Stefan Stern) der Hauptfigur erzählen, die von Vater Agamemnon und Mutter Klytaimnestra (Christiane von Poelnitz) konsequent verdrängt und vertuscht wird.

Die Anstrengung des Denk- und Schreibprozesses ist dem 2,5stündigen Abend leider deutlich anzumerken. Die dramatischen Konflikte werden meist nur behauptet, statt großer Gefühle raschelt das Konzeptpapier. Die Inszenierung erreicht nie die Fallhöhe, die sie anstrebt. Das hervorragende Ensemble kann die klischeehaften Figuren dieser Familienaufstellung kaum mit Leben füllen.

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