„Ich habe schon viel gemacht, aber was ihr getan habt, kann ich nicht glauben“ apostrophiert der sich selbst aus dem Wasser herausgezogene smarte Ganove eines Kleinstadtidylls, der lieber so sein möchte wie Marko, den er mal bestiehlt und mal begehrt. Dieser Floyd meint damit Cliff und Ike, die sich nicht nur ebenso ambivalent und miteinander schachernd verhalten, sondern den Bruder Benjamin erst opfern und dann schützen. Sie treffen sich mal zufällig, mal absichtlich, mal versteckt, mal offensichtlich in einen von Zikaden umgebenen Haus, in dem dieser spielerische Ballett-Tänzer Marko den Takt selbst nach vorbereiteter Abwesenheit anzugeben scheint. Klara, seine Stiefmutter, beherrscht ganz in seinem Sinne weiter und liebäugelt mit dem Nachbarn Fynn, der sich zwischen Ihrem verschwundenen Sohn und ihr hin und her gezogen fühlt.

Alle verbindet eine besonders ambitionierte Figur des Balletts, die symbolisch bemüht wird, jedoch nur die Tänzer tatsächlich beherrschen.

Ike will tanzen lernen, den Hochzeitstanz, um bei Frauen zu landen. Doch nun ist der Tanzlehrer Marko weg. Nur warum? Alle kreisen um ihn und die Kollegen Javier sowie Guilherme sind längst eingebunden und wirken mit in diesem Ränkespiel.
Auf der befahrenen Straße am Haus geschah Ungeheuerliches und Unvorstellbares. Und das gleich zwei Mal.
Es lohnt sich in den fast 70 Minuten geballter Spielfreude dranzubleiben und zu entdecken.

Meier (Ike), Blank (Cliff) und Dittrich (Fynn) gewinnen durch klare Akzente und Timing, Gomolka (Floyd) durch Timbre und Zurückhaltung, Krippner (Klara) durch Präsenz und Übertreibung, Dos Anjos (Guilherme) durch Kraft und Negreira (Javier) durch Gefühl und Authentizität.

Die Tragische Komödie „Schnee ist nichts nur eine Sammlung von schmelzenden Kristallen“ von Mannigel wird durch die Regie zum besonderen und fließenden Charakterwerk.
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