Kritik zuReigen
2.0/5
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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Unbefriedigend
  · 07.08.22
''Nettes Geplauder beim Hochzeitstagsessen oder eine nicht ganz einfache lesbische Liebesbeziehung komplettieren den Reigen der Belanglosigkeiten. Nur der russische Autor Mikhail Durnenkov hat seine Episode nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine komplett neugeschrieben. Ein erwachsener Sohn aus Moskau telefoniert via Skype mit seiner Mutter in Tomsk. Die Szene wird als Video auf eine Lamellenjalousie projiziert. Erst macht die Mutter ihrem Sohn Vorwürfe wegen des schwulen Freunds und Paten seines Kindes, dann versucht sie seinen Unmut wegen des Kriegs zu zerstreuen, der für sie nur ein „militärische Spezialoperation“ ist. Der Sohn will mit seiner Familie Russland verlassen. Da bleibt viel unausgesprochen. Ein Beitrag, der ein eigenes Stück wert wäre.

Am Ende taucht die Glock vom Anfang wieder auf. Hier erfährt man, womit der Graf und Kunstmäzen aus der Szene zuvor sein Geld verdient. Er sucht neben Prostituierten nach seltenen Metallen auf fremden Kontinenten. Da tritt die Wirklichkeit in die Betriebsseligeit der Salzburger Festspiele. Es waren der Schweizer Autor Lukas Bärfuss und die Regisseurin Yana Ross, die das problematische Sponsoring der Festspiele offen kritisierten. Man hat sich in Salzburg auf den Druck hin von der Firma Solway als Sponsor getrennt. Das Schweizer Bergbauunternehmen zerstört in Guatemala nicht nur die Natur, sondern auch die Gesundheit der Arbeiter und Bevölkerung. Mit dem neu vorgelegten Regen wird dem Publikum aber nun weder politischer Aktionismus, noch Schnitzler, mit oder ohne Sex, oder zumindest ausreichend befriedigende Kunst geboten.'' schreibt Stefan Bock am 7. August 2022 auf KULTURA-EXTRA
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