2.7/5
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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Verjuxt
  · 05.06.22
''Der Titel des Abends spricht Bände. Wer sich durch die über 500 Seiten Romantext ohne Absatz gefressen hat, weiß, wovon die Rede ist. Um einen gehässigen Joke aus einer Rezension zum neuen Roman von Uwe Tellkamp etwas verkürzt aufzugreifen, wer den Roman bis zum Ende gelesen hat, ist vermutlich Kritiker. Bernhard setzt sich hier in der Figur des mittelalten Privatlehrers Franz-Josef Murau mit seiner Kindheit im elterlichen Schloss Wolfsegg und der nationalsozialistischen Vergangenheit seiner Familie auseinander. Ein Endlosmonolog, der in sich stetig steigernden Schimpftiraden genau die bereits erwähnten Themen abhandelt. Murau lebt seit Jahren in Rom und erzählt im Roman, wie er seinem Schüler Gambetti die ganze Familiengeschichte berichtet. Anlass ist ein Telegramm seiner Schwestern, in dem er vom Unfalltod der Eltern und des Bruders erfährt und zu deren Beerdigung er für zwei Tage ins verhasste Waldegg zurückkehren muss. Die titelgebende Auslöschung ist ein Roman, den der Protagonist über seine Vergangenheit schreiben will.

Der Roman ist eine durchgehende indirekte Rede an diesen seinen Lieblingsschüler, ein ununterbrochener Gedankenfluss in Form einer Suada. Das ist Bernhard‘sche Meisterschaft und dürfte so als Theaterstück recht schwierig aufzuführen sein. Karin Henkel hilft sich, indem sie den Schüler Gambetti, den Bruder und andere Nebenfiguren wie den geliebten Onkel Georg, die Dichterin Maria oder den römischen Freund der Familie Spadolini einfach weglässt. Die Regisseurin vervierfacht dafür die Hauptfigur des Franz Josef Murau den verschiedenen Lebensaltern entsprechend und stellt ihnen die beiden Schwestern, Vater und Mutter direkt gegenüber. So entsteht so etwas wie ein Spielfluss in Dialogen, die es im Roman gar nicht gibt. Der weitschweifige Text ist stark gekürzt. Karin Henkel reichert ihn aber zusätzlich mit Auszügen aus Bernhards Stücken Der Ignorant und der Wahnsinnige; Vor dem Ruhestand; Ritter, Dene, Voss; Am Ziel; Eine Komödie von der deutschen Seele sowie weiteren Prosatexten an. Ein Machup, das die ursprüngliche Erzählform des Romans teilweise aufbricht und so für das Publikum leichter konsumierbar machen soll.'' schreibt Stefan Bock am 5. Juni 2022 auf KULTURA-EXTRA
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