2.7/5
Bewertungen: 3
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Keine leichte Aufgabe, die sich Karin Henkel mit ihren beiden Dramaturginnen Rita Thiele und Juliane Koepp ausgesucht hat: viele hundert Seiten mäandert Bernhards Anklage vor sich hin, mit demselben Hammer drischt er unverdrossen auf den selben Nagel ein. Das Trio destillierte aus den Textmassen eine Fassung, die den Stoff spielbarer, aber nicht unbedingt spielerischer machte.

1986 war bekanntlich das Jahr, in dem in Österreich eine hitzige Debatte über die Nazi-Vergangenheit des Bundespräsidenten Kurt Waldheim begann. Damals war der Text auf der Höhe der Zeit, heute wirkt er so museal wie die letzte Szene, bei der Statistinnen mit Fotoapparaten und Notizblöcken durch das verlassene Landgut der Familie Murau stapfen.

Die Roman-Adaption, in die Fragmente anderer Prosawerke und Schnipsel aus Bernhard-Stücken hineinmontiert sind, ist eine solide Arbeit, die jedoch sichtlich mit den Textmassen zu kämpfen hat, durch die sich das Ensemble wühlt. Der Erkenntnisgewinn bleibt überschaubar. Gelungener war Karin Henkels letzte Auseinandersetzung mit Thomas Bernhard: Vor wenigen Jahren hat sie „Auslöschung. Ein Zerfall“ schon einmal für die Bühne bearbeitet. Handwerklich sehr präzise verzahnte sie diesen Romanplot unter dem Titel „Die Übriggebliebenen“ am Schauspielhaus Hamburg mit „Ritter Dene Voss“ und „Vor dem Ruhestand“ zu einem dreifach gespiegelten Zombie-Gruselkabinett. Rita Thiele, auch diesmal als Co-Dramaturgin beteiligt, wurde für ihre präzise Textarbeit 2019 mit dem Rudolf Mares-Preis ausgezeichnet.

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