Kritik zuhumanistää!
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humanistää! - Volkstheater Wien
  · 14.05.22
''Für die Eingangsszene von Jandls selbstreflexivem Text aus der fremde hat Patricia Talacko eine kleine Guckkastenbühne mit Esstisch in das Bühnenportal gesetzt. Darin schneiden Bettina Lieder und Samouil Stoyanov im Jandl/Mayröcker-Outfit (Kostüme: Andreas Auerbach) rhythmisch zur Musik aus dem Orchestergraben Schnitzel und prosten sich immer wieder zu. Der rein im Konjunktiv und in der dritten Person verfasste Text wird seitlich über Standmikrofone von anderen MitspielerInnen samt Strophennummerierung eingesprochen. Der Abend wird immer wieder auf diesen Text, der die Schwierigkeiten und Mühen eines Autors beim Schreiben reflektiert, zurückkommen. Die Bühne weitet sich später nach hinten in eine Art Konferenzraum mit Türen und abgehängten Neonleuchten. Zum durch ständige Lautverschiebungen gekennzeichneten Gedicht "l´amour/ die tür/ the chair/ der bauch" tänzelt das Ensemble beschwingt durch den Raum.

Auch zu Jandls Denglisch-Joke Calypso ("ich was not yet/ in brasilien/ nach brasilien/ wulld ich laik du go") oder zum Gedicht an der schreibmaschine gibt es sehr schöne rhythmische Choreografien. Ein Höhepunkt ist sicher die Darbietung der humanisten („ich sein ein universitäten professor kapazitäten von den geschichten/ was du sein?/ ich sein ein groß deutschen und inder national nobel preisen kunstler/ was du sein?“) von Julia Franz Richter und Elias Eilinghoff als clownesker Schwanzvergleich. Sie werden dabei von Hasti Molavian, umschwirrt, die im klassischen Sopran ein weiteres Lautgedicht Jandls singt. Etwas abgründiger wird es mit Samouil Stoyanov, der Jandls deutsches gedicht, eine Abrechnung mit dem österreichischen Alltagsfaschismus, als gefährliches Aufziehmännchen performt.'' schreibt Stefan Bock am 13. Mai 20222 auf KULTURA-EXTRA
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