Kritik zuDie Walküre
3.0/5
Bewertungen: 1
Rezensionen: 1
Alle Kritiken ansehen.
0 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Prima la musica?
  · 19.04.22
''Die aktuelle Brünnhilde sieht aus wie eine Brünnhilde. Wotan aber gleicht eher dem Professor Unrat eines Emil Jannings, dem Marlene Dietrich abhanden gekommen ist. Und die Walküren tänzeln aufgeregt und ziemlich läppisch über sehr bunte abstrahierte Hügel.

Die Zuständigen fürs Licht machen nichts anderes, als was sie immer machen. Immerhin lenkt die Konzeption die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der gemeinhin allzu wenig beachtete und in Kritiken kaum erwähnte Lichtregie. Dennoch: manches Arrangement wirft Fragen auf. Wenn Brünnhilde hinter Siegmund zwischen Säulen und Fackeln erscheint, ist die Inszenierung ganz nah an einer faschistischen Ästhetik. Eine Kritik daran ist nicht zu erkennen. Eher schon ist der Effekt affirmativ.

Und dann die Übergänge. Zwischen dem ersten und dem zweiten Akt ist das leitmotivschwangere Schwert Nothung arg geschrumpft. Und zwischen dem zweiten und dem dritten Akt ist aus dem bürgerlichen Wotan eine Art Sarastro mit mehrfarbigem Kittel geworden. Er verkörpert den menschlichen, also auch unmenschlichen germanischen Gott anstelle des christlichen Gottes, dessen unendliche Güte man sich gerade zu Ostern vom Vatikan bis zum Deutschlandfunk auch noch angesichts des Schlachtens in der Ukraine zurechtlügt.'' schreibt Thomas Rothschild am 19. April 2022 auf KULTURA-EXTRA
War die Kritik hilfreich?