Kritik zuHamlet
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Hamlet in Dessau
  · 07.04.22
''Die Türen öffnen sich, doch man kommt nicht hinaus, schaut gebannt auf die sich von neuem entwickelnde Geschichte. Die beiden Hamlets verzetteln sich in ihrem Glauben, einer Verschwörung auf die Spur gekommen zu sein. Gelöst wird dieser Konflikt bei Shakespeare durch den Tod aller Beteiligten und der Inthronisierung des jungen Norweger-Königs Fortinbras. Für den Regisseur ist das ein Gleichnis für die Wiederholung von Geschichte. Ein gespenstischer Loop. Das könnte momentan aktueller nicht sein. In der Inszenierung durchlaufen die Figuren vorhersehbar die bekannten Szenen wie Claudius oder sein sich in Wortschleifen windender Berater Polonius (Boris Malré). Sein Sohn Laertes (Roman Weltzien) redet zumeist Englisch, obwohl er nach Frankreich geht. „To be ore not to be“, na ja. Ansonsten gibt er wie immer seiner Schwester Ophelia gute Ratschläge. Cara-Maria Nagler muss auch gleich noch die Rolle der Gertrud übernehmen. Aber als Ophelia hat sie ihren schönsten Auftritt auf der Tafel. Sie darf hier mal Hamlet die Leviten lesen. „Die Unverschämtheit der arroganten Männer.“ Von wegen „Schwäche, dein Name ist Frau.“ So wechseln auch die Texte im Gespräch mit Hamlet, bei dem Ophelia ihn ins Kloster oder ins Bordell schickt.

Auch Claudius hat seinen Auftritt als böser Stepptänzer auf der Tafel, in der Hand einen Glitzerschädel, in dem eine Livekamera steckt und sein Gesicht groß auf den Vorhang überträgt. Der Spruch vom Wahnsinn bei Großen, der nicht unbeobachtet bleiben darf, lässt einen da erschauern. Sebastian Graf und Roman Weltzien geben noch das Paar Rosenkranz und Güldenstern, die Mausefallen-Schauspieler und Totengräber, deren etwas prolliger Dialog über den Weg eines Königs durch den Magen eines Bettlers oder wer fester als Maurer, Schiffsbaumeister oder Zimmermann baut, den vorläufigen Endpunkt der Dessauer Hamletschleife beschreibt. Danach wird das Tischtuch hochgezogen und schließt sich wieder der Eiserne Vorhang. „Das ist nicht und wird niemals gut.“ heißt eine der düsteren Erkenntnisse dieses Abends, demzufolge das auch nicht das Ende sein kann.'' schreibt Stefan Bock am 6. April 2022 auf KULTURA-EXTRA
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