3.0/5
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Minimalistisches Lesekonzert über Demenz
  · 30.03.22
Wer einen typischen Rimini Protokoll-Abend mit den Expert*innen des Alltags erwartet, geht hier in die Irre. Auch wer mit den Seherwartungen klassischen Sprechtheaters unvorbereitet in dieses minimalistische Lese-Konzert hineingerät, dürfte sich erstmal „im falschen Film“ fühlen, wie ein Sitznachbar bei der Wien-Premiere im Volkstheater raunte.

Zwei Erzählstränge führt Haug an diesem Abend parallel: die sehr persönliche Erinnerung an die fortschreitende Demenz ihres Vaters und die Recherchen zum mysteriösen Verschwinden des Flugs MH 370 vor mittlerweile 8 Jahren über dem Indischen Ozean. Wirklich schlüssig ist die Kombination der beiden Stränge, die ineinander montiert werden, nicht: ja, beide erzählen vom Verschwinden und einem Verlust. Doch der bedrückende, autobiographische Bericht der Regisseurin, wie sie mitansehen musste, wie ihr Vater nach ersten Alarmzeichen wie kleinen Aussetzern immer hilfloser wurde, ist um Längen stärker und eindrucksvoller als der sachliche Bericht über die weitgehend erfolglosen Ortungsversuche nach Trümmern der im März 2014 verschwundenen Boeing.

Die Theatertreffen-Jury ist von „All right, good night“ so überzeugt, dass sie den Abend in die 10er Auswahl einlud. Dies fügt sich ein in die Vorliebe der aktuellen Jury für kleine, oft sehr minimalistische Abende, die in poetischen Suchbewegungen an den Rändern des Sprechtheaters kreisen. Fulminant mit Starpower auftrumpfende Festival-Koproduktionen wie „Richard the Kid and the King“ hatten diesmal keine Chance.

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