Kritik zuhumanistää!
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Sprachspielereien und Körperkomik á la Fritsch
  · 27.03.22
Besonders schön ist der „Calypso“-Tanz zum Refrain: „ich was not yet / in brasilien / nach brasilien / wulld ich laik du go“. In dieser Zeile wird deutlich, was Claudia Bauer und ihr Ensemble an diesem Abend bieten: höheren, sprachverliebten Blödsinn mit wunderbar choreographierten Verrenkungen. 

Zu loben ist vor allem die Präzision, mit der dieses hervorragende Ensemble unterhält, das sich vor allem aus Spieler*innen zusammensetzt, die mit Kay Voges aus Dortmund kamen oder von den drei wichtigsten Münchner Theater nach Österreich zogen bzw. zurückkehrten. Ein kleiner Wermutstropfen an diesem vom Wiener Publikum bejubelten und ansonsten so gut getimten Abend ist nur, dass er eine halbe Stunde zu lang ist.

Hier unterschied sich Claudia Bauers „humanistää!“ auch von ihrem ästhetischen Vorbild: in ihrer Lust an Körperkomik und Sprachakrobatik tritt diese Inszenierung deutlich in die Fußstapfen von Herbert Fritsch, der mit seinen Volksbühnen-Dada-Experimenten „murmel murmel murmel“, „der die mann“ oder „Pfusch“ jahrelang ein Theatertreffen-Abo hatte, dem turbulenten Wahnsinn stets nach 90, maximal 100 Minuten ein Ende setzte, nun aber etwas aus der Mode gekommen ist. In diese Lücke springt Bauer beherzt hinein, auch sie fast schon ein Stammgast des Theatertreffens. Die feinziselierte Sprachakrobatik und Körperkomik kannte man bisher von ihr nicht, ihre Arbeiten waren meist aus deutlich gröberem Holz geschnitzt, allen voran ihre platte Tartüffe-Verulkung aus Basel im 2019er Jahrgang des Theatertreffens.

Bemerkenswert an diesem Abend ist also nicht, dass er dem Theaterpublikum neue Ästhetiken und Perspektiven bieten würde. Vielmehr handelt es sich um eine bewährte Ästhetik, die hier virtuos auf die österreichischen Sprachspieler*innen Jandl/Mayröcker adaptiert wurde. Ebenfalls handelt es sich um einen bereits etablierten Slot im tt-Tableau, den statt Altmeister Fritsch diesmal eine bekannte, nur auf dieser, „seiner“ Stamm-Position ungewohnten Regisseurin besetzt. Auch in Berlin beim Theatertreffen wird dieser handwerklich sehr gut gemachte, „famose Quatsch“ (Theresa Luise Grindlstraßer auf Nachtkritik) seine Fans finden.

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