3.0/5
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Ironische Dekonstruktion und Emanzipation
  · 22.03.22
Programmatisch ist der „Faust“ im Titel von Bert Zanders theatraler Installation, durchgestrichen. Für das Gretchen, das Emilia Reichenbach verkörpert, ist ihr Faust nur noch eine Stimme aus dem Off. Während die junge Schauspielerin wie auf einem Laufsteg zwischen Video-Leinwänden flaniert, werden die Stimmen von Will Quadflieg und Gustaf Gründgens aus der berühmtesten „Faust“-Theater-Verfilmung eingespielt, die Generationen von Schulklassen aus dem Unterricht kennen.

Doch Goethes Klassiker ist hier nur die Hintergrund-Folie: Kasseler Bürger*innen fassen die Handlung in vielen weiteren Einspielern in ihren eigenen Worten zusammen. Vor allem in der ersten Hälfte der 85 Minuten dominiert die ironisch-dekonstruierende Nacherzählung.

Erst im Lauf der Zeit gewinnt die Inszenierung an Dringlichkeit, fokussiert sich auf die Emanzipation des Gretchens zur Margarethe. Eine Stärke des kurzen Abends ist, dass er von schönen Popsongs durchzogen ist, die Melancholie, Trotz und Aufbegehren der jungen Frau spiegeln, die vom Objekt zum Subjekt reift.

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