3.5/5
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Lukas Holzhausen, der 2019 vom Volkstheater Wien ins Ensemble des Schauspiels Hannover wechselte und seit Jahren auch immer wieder Regie führt, gelang mit „Ein Mann seiner Klasse“ eine schlüssige Inszenierung, die relevante Themen bearbeitet und an der es handwerklich und dramaturgisch nichts auszusetzen gibt. Die Romanadaption ist eine überzeugende Arbeit für das Repertoire des Schauspiels Hannover, läuft an diesem mittelgroßen Haus aber nur auf der kleinsten Bühne im Ballhof Zwei.

Die Einladung zum Theatertreffen war die größte Überraschung in der 10er-Auswahl für den Mai 2022. In sich ist die Arbeit rund und durchaus sehenswert, aber erfüllt sie auch das zentrale Kriterium, besonders „bemerkenswert“ zu sein? Ästhetisch ist „Ein Mann seiner Klasse“ über weite Strecken eine frontal ins Publikum erzählte Roman-Adaption, die nichts falsch macht, aber auch keine neuen Wege ausprobiert oder auf andere Art herausragt.

Der Abend wird vor allem aus der Sicht der Hauptfigur Christian erzählt, die Nikolai Gemel verkörpert. In einem Mix aus erklärenden, ins Publikum gesprochenen Passagen und Szenen mit Mutter/Tante und Bruder Benny (im Wechsel von zwei Kinderdarstellern gespielt) führt er durch den Abend und die Erinnerung an eine sehr prekäre Kindheit.

2003, als Baron gerade Abitur machte, erste Artikel über Basketball-Oberliga in der Rheinpfalz veröffentlichte und sich bei den Jusos engagierte, wurde das Leben der Prekariatsschicht, aus der er stammt, durch die Agenda 2010 der rot-grünen Bundesregierung noch härter. Die Inszenierung positioniert sich in einem eingespielten Monolog kurz vor Schluss klar gegen die Einführung von Hartz IV, strengen Sanktionen, den Niedriglohnsektor und die Leiharbeit: Themen, bei denen auch die beiden Zeitungen Neues Deutschland und Freitag, für die Baron schreibt, immer sehr klar Position bezogen.

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