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Präzise Sprechoper zu Macht und sexueller Gewalt in Abu Ghraib
  · 20.02.22
Alle Rollen in diesem Stück über Macht, Demütigung und sexuelle Unterwerfung hat er mit Frauen aus den beiden Ensembles besetzt. In einem Labyrinth aus Gitterstäben, das Olaf Altmann entwarf, setzen die Spielerinnen zu einem hochkonzentrierten Sprechgesang an, der von einem vierköpfigen Live-Musik-Orchester begleitet wird.

Mit klug gesetzten Strichen führt Bachmann durch den Goetz-Text: von der Perspektive der Schreibtisch-Täter, die die rechtlichen Winkelzüge ausheckten, mit denen Folterverbot und weitere Normen des humanitären Völkerrechts ausgehebelt werden, wechselt er zur Perspektive der Täter*innen um Lynndie England, deren sadististisches Grinsen auf den Abu Ghraib-Fotos um die Welt ging. In der stärksten Passage des Abends zoomt die Inszenierung auf die Perspektive der Opfer. Das Grauen wird hier nicht aus- oder szenisch nachgestellt, in den beklemmenden Reflexionen jedoch sehr deutlich. Die gesamte Inszenierung ist deutlich zurückgenommener, weniger revuehaft und explizit als die Hamburger Uraufführung.

Überfrachtet wird der knapp 2,5stündige Abend durch das stakkatoartige, das Publikum stark fordernde Solo, mit dem Melanie Kretschmann den Abend beendet. Hier entschied sich Karin Beier mit einem orchestralen Klanggewitter ihres Ensembles für die eindrucksvollere Lösung.

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