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Ein ganz kleines Virus hat nicht nur die Welt verändert, sondern diese komplett in die Knie gezwungen. Da bleibt uns nur eins: ganz viel lachen, um die Situation erträglicher zu machen. Das Kabarett-Theater Distel hat sich mit seinem neuen Erfolgsstück „Deutschland in den Wechseljahren – Von Zuständen und Abständen“ unter der Regie von Dominik Paetzholdt und nach dem Buch des Duos
Onkel Fisch dies zur Aufgabe gemacht. Am Freitag, den 18. Februar 2022, tauchten wir in die Welt der politischen Satire ein, die uns die aktuellen Probleme nicht vergessen, sondern diese anders betrachten ließ.

Doch wovon handelt das politische Satirestück „Deutschland in den Wechseljahren“?
Die Kanzlerin ist weg, eine neue Regierung steht. Doch das Virus ist noch immer da. Aber auch die vielen anderen Probleme in der Gesellschaft sind geblieben: soziale Ungerechtigkeit, Rassismus und Umweltverschmutzung. Zum Glück ist eine Variable in der Gleichung des Lebens identisch geblieben: Der Fußball ist weiterhin korrupt.

In der Satire lernen wir Scholz und sein Gehirn kennen, erkennen, dass Corona nicht nur Negatives gebracht, sondern auch viele Dinge zum Positiven verändert hat: Die Umwelt konnte sich durch die wenigen Reisen erholen und wir konnten als Gemeinschaft zusammenwachsen. Am meisten haben aber natürlich die Riesen im Onlinebereich von der Corona-Krise profitiert und sind so noch reicher geworden. Dabei bräuchte man das Geld dringend, um die vielen Probleme wie die Plastikflut in den Meeren zu bekämpfen. Das alles wird in „Deutschland in den Wechseljahren“ thematisiert, aber nicht mit dem moralischen Zeigefinger, dafür aber mit viel Humor und Musik.

Zu meinen Lieblingsszenen in dem Stück gehören: Ein Polizist berichtet davon, dass die Polizei nun ganz eng mit den Linken arbeitet. Sein Hund sieht es aber offensichtlich ganz anders und ist auf die linke Szene und die Begriffe aus dieser (darunter „Antifa") abgerichtet. In einer anderen Szene reisen wir zur WM in Katar, wo es nur um Geld und nicht um die Menschenrechte geht. Sagen wir so: Die WM wird wie geschmiert laufen. Aber für die ganz großen Lacher auf der Bühne sorgten Erika und Margot live aus ihrem „braunen Kessel“. In der volkstümlichen Tracht verbreiten die beiden „Damen“ hinterwäldlerisches Gedankengut und singen dabei so tolle Volkslieder, zum Brüllen komisch!

Natürlich lebt das Satirestück nicht nur von seinen lustigen Geschichten und den Gags, sondern auch von den unglaublich talentierten Darstellern, die zudem auf der Bühne tanzen und singen – egal, ob es zur Melodie von Moulin Rouge oder zu dem Lied „MfG“ ist. Timo Doleys und Caroline Lux haben mich schon vor fünf Jahren in dem Erfolgsstück „Wohin mit Mutti?“ begeistert.
Rüdiger Rudolph und Edgar Harter kannte ich noch nicht. Während Timo Doleys wieder in seiner Paraderolle der Mutti der Nation aufgeht, indem er ihre Mimik, Gestik (Raute der Nation), Sprache und Körpersprache detailliert und einwandfrei nachahmt. präsentiert er sich genauso überzeugend in der Rolle des Moderators Lanz. Genauso wie schon in „Wohin mit Mutti?“ mimt Caroline Lux wieder authentisch die Figur Ursula von der Leyen, liefert aber auch in den Rollen der Alice Weidel und des Karl Lauterbach ab. Rüdiger Rudolph und das Urgestein Edgar Harter bringen als Erika und Margot das Publikum zum ekstatischen Lachen.

Mein Fazit: Die erste Hälfte des Theaterstückes war ich nur am Schmunzeln und in der zweiten Hälfte nur am Lachen, was an den spitzzüngigen Dialogen und vor allem an der überragenden schauspielerischen Leistung der vier Darsteller lag. Das Darsteller-Quartett überzeugt nicht durch das schauspielerische Talent, sondern kann zudem auch noch sehr gut singen. Aber auch die Musiker machen ihre Sache sehr gut. Der gestrige Abend hat uns sehr viel Freude bereitet und wir mussten sehr viel lachen! Gestern wurde mir aber auch wieder klar, wie gut wir es hier in Deutschland haben, da wir auch über Politiker lachen dürfen – ungestraft. Vor allem die Zugaben am Ende, in denen die bekannten Diktatoren dieser Welt satirisch vorgestellt wurden, haben dies unterstrichen.

Wir können jedem das Theaterstück empfehlen, auch den nicht an der Politik Interessierten, denn schließlich ist Lachen was Wundervolles. Bis Samstag, den 12. März 2022, noch auf der Distel-Bühne zu erleben!

Text © E. Günther ("Mein Event-Tipp")
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