Kritik zuTax for free
3.5/5
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Der Theatermacher Helge Schmidt arbeitet komödiantisch
  · 06.02.22
''Auf der kleinen Bühne im TD Berlin stehen stoffbespannte Videowände, die u.a. für die Projektionen der für das Stück befragten ExpertInnen aus Politik, Journalismus und Bürger-Verbänden dienen. Unter ihnen der Investigativ-Journalist Oliver Schröm und der Linken-Politiker und ehemalige Obmann des Wirecard-Ausschusses im Bundestag Fabio des Masi. Die parlamentarische Untersuchung eines weiteren Finanzskandals mit Politikbeteiligung. Auch hier zeigte Olaf Scholz als Bundesfinanzminister erhebliche Erinnerungslücken.

So erfährt man in den kurzen zwischengeschalten Videos einiges aus dem Nähkästchen mühsamer journalistischer Ermittlung und parlamentarischer Aufarbeitung aus erster Hand, während das Spiel des vierköpfige Ensemble wechselnd mit Hilfe von der Presse zugespielten Briefen und Auszügen aus dem Tagebuch des führenden Warburg-Bankers Olearius den Fall auf der Bühne aufrollt. In barocken Kostümen wechseln die DarstellerInnen immer wieder in entscheidende Szenen aus Kleists Kohlhaas, bis sich die Ebenen fast überlagern. So schliddert die Inszenierung von einem kuriosen Funfact zum nächsten und ringt den dokumentarischen Passagen mit Spielzeugpferden, Säckeweiser verbrannter Kohle und Scholz- und Tschentscher-Masken einiges an ironischem Witz ab. Was aber nicht darüber hinweg täuschen soll, dass einem bei all der spürbaren Ohnmacht nicht die Galle überkochen könnte. Politische Petition oder Revolte ist da die große Frage. Letztendlich ist der Abend aber ein Plädoyer für mehr parlamentarische Kontrolle der finanzwirtschaftlichen wie politischen Entscheidungsträger.'' schreibt Stefan Bock am 5. Februar 2022 auf KULTURA-EXTRA
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