3.0/5
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Der Graf heißt Weinstein
  · 19.12.21
''Schimmelpfennig übernimmt Schnitzlers genialen Einfall, im Dunkel zu belassen, was seine antisemitischen Gegner empört und einen berühmten Prozess ausgelöst hat. Auch in der aktuellen Fassung sieht man keine Rammelei. Wann immer sie stattfindet, bleibt die leere, nur durch einen goldenen Vorhang gelegentlich nach hinten verkürzte Bühne schwarz, und das Publikum wird durch einen grellen Neonrahmen geblendet.

Die Regisseurin Tina Lanik inszeniert die Figuren als Karikaturen mit hohem Wiedererkennungswert in ständiger Bewegung und mit übertriebenen Verrenkungen. Schnitzlers Drama hat ein beachtliches Komikpotential. Wer sich davon überzeugen will, sehe sich Danielle Darrieux im Ehebett oder Gérard Philipe als Graf in der Verfilmung durch Max Ophüls an. Sie hat Maßstäbe gesetzt. Auch für die Bühne. In der Stuttgarter Adaption ist davon wenig geblieben. Sie bevorzugt das Grobe gegenüber dem Subtilen. Aber auch dafür hat schon Werner Schwab die Richtung gewiesen.

Die Schnitzler-Literatur erkennt im Reigen einen zeitgenössischen Subtext: die Weitergabe der Syphilis, die zur Zeit, als der Arzt Schnitzler das Stück geschrieben hat, noch nicht heilbar war, durch die sozialen Schichten hindurch. Da könnte man heute an Corona denken. Doch das interessiert Schimmelpfennig offenbar nicht. Muss auch nicht sein. Stellt sich bloß die Frage: worin liegt der Gewinn dieser Variante gegenüber Schnitzlers Original? Der Verfasser dieser Kritik konnte ihn nicht entdecken. Der Gerechtigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass die Bewertungen nach der Premiere fast durchweg positiv wenn nicht euphorisch ausfielen. Und zwar bezüglich des Stücks, der schauspielerischen Leistungen und auch der Regie. Wie gerne stimmte ich in den Chor ein. Es gelingt mir nicht. Not me.'' schreibt Thomas Rothschild am 19. Dezember 2021 auf KULTURA-EXTRA
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