Kritik zuMercedes
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Kein Spiel ohne Gesellschaft
  · 16.12.21
''Spielerisch nähern sich Oi und Sakko nun an, mimen mal Cowboy und -girl, Dealerin und Drogenkonsument, Prostituierte und mittelloser Freier. Wenn sich beide auf der Bühne über die durch Sakko repräsentierte Limousine unterhalten, sprechen sie auch über Träume. Die Automarke Mercedes bildet insbesondere für Sakko einen abstrakt bleibenden, fiktiven Sehnsuchtsort.

Aggressionspotenzial scheint durch, wenn Oi ihr Bild von der Leistungsgesellschaft zeichnet. Als sie herausfindet, dass Sakko sich zehn Jahre als Berufssoldat verpflichten möchte, fragt sie beiläufig, ob er nichts Besseres mit seinem Leben anzufangen wisse: Könne er nur so das eigene Sein aushalten? Spannung kommt auf, wenn sie hintergründig Sakkos Regelbedürfnis nach gesellschaftlicher Konformität hinterfragt. Oi empfindet soziale Umgangsformen als lieblos. Muss man sich einpassen in eine Gesellschaft, um einen „glatten“ Lebenslauf zu erhalten? Schlagabtausche wechseln sich mit Reflexionen ab.

Braschs Drama erzählt davon, dass Oi und Sakko Schwierigkeiten haben, sich in eine als sinnlos empfundene Gesellschaft einzugliedern. Denn – wie sich herausstellt – sind beide arbeitslos. Oi und Sakko sind nunmehr auch gesellschaftliche Aussteiger, ohne es so zu nennen oder wahrzunehmen. Oi reißt bald kraftvoll die Planen herunter und ändert so bewusst das Setting. Sie wird sich im Niemandsland der gesellschaftlichen Nonkonformität noch einmal neu erfinden. Wenn Sakko ihr als trauriger Clown mit unzähligen roten Bommeln zu begegnen versucht, wird sie im Hasen-T-Shirt Äpfel im Akkord anbeißen. Bei ihm anbeißen wird sie nicht. Der Blick geht ins Leere. An einem Kreuz hängt eine Hasenmütze.'' schreibt Ansgar Skoda am 17. Dezember 2021 auf KULTURA-EXTRA
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