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Berlin Kleistpark
  · 12.12.21
''Adem ist sich seines Glücks also nicht sicher, da er wirkliches Glück nie erlebt hat. Das manifestiert sich im Stück in den immer recht kurz angebundenen Gesprächen mit seiner Mutter, die plötzlich aus der Türkei angereist ist. Meryem (Çiğdem Teke), die die in Familienbesitz befindliche Haselnussfarm in der Türkei leitet, fährt, als ihr der Arzt (Mehmet Yılmaz) eröffnet, unheilbar an Krebs erkrankt zu sein, nach Berlin in die alte Wohnung am Kleistpark, um mit ihrem Sohn reinen Tisch zu machen.

Diese Gespräche in angespannter Situation werden immer wieder durch Filmeinspielungen unterbrochen, in denen Adem durch die Straßen Schönebergs läuft, seine Mutter (nun gespielt von Sema Poyraz) mit dem Auto vom Flugplatz abholt, oder Lea in ihrer Galerie aufsucht, um den Einfluss der Freundin auf Moria zu unterbinden. In einer weiteren Filmeinspielung sehen wir, wie die Mutter von Hakan Savaş Mican in einer Installation des Regisseurs aus Einrichtungsgegenständen ein altes Porzellanservice aus ihrer ehemaligen Wohnung wiedererkennt. Dazu hat Jörg Gollasch einen Soundtrack aus Chansons und Jazz komponiert. Sehr schön sind auch die französischen, türkischen und israelischen Lieder, die Sesede Terziyan begleitet durch ein Live-Musik-Quartett singt. Einmal greift sich der verzweifelte Adem selbst das Mikro und grölt einen deutschen Schlager ins Publikum.

Das schwierige Mutter-Sohn-Verhältnis färbt auf die Beziehung Adems zu Moria ab. Adem kann die Vergangenheit nicht begraben und verbaut sich so die gemeinsame Zukunft mit Moria. Auch wenn Meryem, die trotz Adems Verbot die potentielle Schwiegertochter mit Geschenken überhäuft (ein Albtraum für den damals auf diese einzigen Zuwendungen seiner Mutter angewiesenen Sohn) sich mit Moria auf Anhieb ganz gut versteht, tut sich Adem schwer, Meryem zu verzeihen. Das Stück lässt das am Ende auch relativ offen und zeigt das Kennenlernen des Paars in Adems alter Wohnung. Wieder relativ melancholisch lässt einen der Abend zurück. Insgesamt sind die nur 90 Minuten aber ein recht einfühlsam, ohne zu viel Sentimentalität gemachtes Theater, das auch zum Nachdenken anregt.'' schreibt Stefan Bock am 12. Dezember 2021 auf KULTURA-EXTRA
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