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Katharine in love with Judy
  · 11.12.21
"Wie schön, Sie sind da!" Der Freude über die Möglichkeit, endlich wieder live und (fast) ohne sichtbare Sicherheitsmaßnahmen auftreten zu können, verleiht Katharine Mehrling gleich zu Anfang Ausdruck, immer wieder zeigt sie große Erleichterung, aber auch Dankbarkeit dem Publikum gegenüber, die Anforderungen dieser ganz speziellen Zeit auf sich genommen zu haben.
An dieser Stelle darf aber auch nicht unerwähnt bleiben, dass das Tipi am Kanzleramt höchst vorbildlich agiert, was die Sicherheit für alle angeht. Was sich auch darin zeigt, dass dort seit der Öffnung Anfang Juli noch kein nachverfolgbarer Corona-Fall aufgetreten ist. Es gilt nicht nur die 2G plus Test-Regel samt wirkungsvoller Lüftung; eine neu installierte moderne Ionisierungsanlage verspricht außerdem besonders reine Luft. Und die Zuschauer werden, soweit möglich, auch nicht dicht an dicht platziert.
Das Tipi ist für Katharine Mehrling ein Heimspiel, "In love with Judy" ist eine Hommage an Judy Garland, der sie sich nicht erst seit gestern widmet, unvergessen auch ihre beachtliche Leistung als Garland höchstselbst, die sie schon wiederholt auf die Theaterbühne gebracht hat. In dieser Produktion verkörpert sie den ruhelosen Geist Garlands so glaubwürdig und vielschichtig, dass man ihr diesen Charakter voll und ganz abnehmen konnte. Und ihr auch noch den Goldenen Vorhang verlieh.
Nun aber zum aktuellen Konzertabend, bei dem sich Mehrling mit ihrer unverwechselbaren Stimme an Songs von Judy Garland aus dem Great American Songbook bedient, einer nicht genau festgelegten Anzahl herausragender Werke der amerikanischen Unterhaltungsmusik aus den 1930er bis 1960er Jahren. 
Hier versucht sie jedoch nicht, Garland so nah wie möglich zu kommen, außer wenn sie sich „ihrer“ Judy höchstpersönlich widmet, sondern interpretiert die Lieder neu, ihr musikalischer Leiter und Orchestermitglied Ferdinand von Seebach hat die Songs arrangiert, was zum Teil die leisen Töne ein wenig vermissen lässt, die 7-köpfige intrumentalgewaltige Band erinnert zeitweilig an eine klassische Bigband. Zwischendurch wird es aber auch ruhiger auf der Bühne, z.B. bestreitet Saxophonistin Karola Elßner auf einem Duduk, einer armenischen Flöte, einen Teil von "Alone Together" mit einem fast mystisch anmutenden Solo.
Mehrling fühlt sich sichtlich wohl auf der Bühne, huldigt den drei Bs und ist berauscht, beglückt, beseelt. Und weiß zwischen ihren musikalischen Einlagen immer wieder charmant und humorvoll zu unterhalten, plaudert aus ihrem eigenen höchstpersönlichen Corona-Alltag und tritt mit Wolfgang-Harald aus dem Publikum in einen immer wieder aufflackernden Dialog über beispielsweise Lebensgepferdinnen und die alltäglichen Gefahren durch Kirschkerne, manchmal herrlich überdreht, bevor sie sich wieder dem Gesang widmet, z.B. auch mal nur von einem Banjo begleitet, schöne Intermezzos.
Auch optisch sorgt sie für Abwechslung, lichtgewaltig unterstützt von der Lichttechnik, wechselt zweimal das Kostüm. Und präsentiert auch noch wechselnde Gäste in den verschiedenen Shows, beispielsweise Isabel Dörfler, die sie als glamouröse Guestlady ankündigt und glamourös plauscht, bevor Dörfler "He touched me" von Barbra Streisand glamourös singt, auch sehr überzeugend.
Schließlich begibt sich Mehrling auch noch in einen musikalischen Dialog mit dem Kontrabassisten, bevor die Hymne "Somewhere over the Rainbow" den Schluss bildet, der Regenbogen sinnbildlich für Liebe, Toleranz und Diversität steht, alles persönliche Anliegen von Mehrling. Am liebsten würde sie jetzt gleich das Tipi abschließen, alle Zuschauer persönlich kennenlernen und natürlich ganz viel Musik machen.
Ein kurzweiliger Abend mit guter Unterhaltung von einer bestens aufgelegten Katharine Mehrling.
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