3.0/5
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Der Schelm von Arkadien
  · 09.12.21
''Jedenfalls hat Hopp in der Inszenierung von Barrie Kosky deutlich mehr zu tun als den Diener Plutos zu mimen und dieses eine Couplet zu singen. Denn ob Figuren sprechen, Türen quietschen, Absätze klackern, Zungen lecken, Küsse schmatzen, Getränke geschlürft oder Nägel gefeilt werden: Immer steckt dasselbe lose Mundwerk dahinter - das von Hopp. Und so thront er fast drei Stunden lang über allem wie ein Puck im auberginefarbenen Frack und zündet eine Juxrakete nach der anderen. Natürlich drückt ihm Kosky von den Dingern viel zu viele in die Hand, und manch ein Gag, der wieder und wieder über die Rampe gehauen wird, ist schon beim ersten Mal nicht lustig. In der Summe ist das aber völlig schnurz, weil der hochmotivierte Cast sichtlich Spaß am Rumblödeln hat und mit Windstärke acht über die Bühne brettert. Stellvertretend picke ich die beschwipste Juno von Karolina Gumos, Hagen Matzeit als gestrenges Öffentliches Meinungs-Mütterchen, Wolfgang Ablinger-Sperrhackes höllisch guten Pluto sowie die sopranfunkelnde, überaus ulkige Eurydike von Sydney Mancasola heraus. Ob Solist*innen, Tanzensemble, Chor, Ausstattung, Licht: Die Qualität der Aufführung ist enorm! Und wie großartig ist es, dass im französischen Original gesungen wird. Erst dadurch kann sich Offenbachs Opéra-buffon in ihrer vollen Pracht entfalten.

Apropos volle Pracht. Es wird mit Hingabe klimbimt, kalauert und klamaukt. Wer beim Anblick von Trockensex, Miederwaren und Swarovski-Schniedeln zur Schnappatmung neigt, sollte sich den Besuch vielleicht nochmal überlegen. Mich hat es nicht gestört. Dann schon eher, dass der Höllengalopp wieder fälschlicherweise als French Cancan dargeboten wird, obwohl das Gehopse zugegebenermaßen toll aussieht - und der Graben beinah explodiert. Allerdings ist die Nummer einer der wenigen Augenblicke, in denen das Orchester der Komischen Oper unter Adrien Perruchon auf gleichem Level spielt wie die Szenerie. Der Vorhang fällt, die Leute toben. Kosky pustet mit dieser Offenbachiade seinem Publikum den Coronablues von der Seele. Es wirkt, als sei dieses Stück von Salzburg nach Hause gekommen. Der Abend hat beste Chancen, ein langes Leben im Repertoire zu führen. Reingehen!'' schreibt Heiko Schon am 9. Dezember 2021 auf KULTURA-EXTRA
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