3.3/5
Bewertungen: 4
Rezensionen: 4
Alle Kritiken ansehen.
3 von 4 Personen fanden die Kritik hilfreich
Intensive Choreographie in zähem Zwiespalt-Stück
  · 28.11.21
Ein Zwiespalt ist dieser dreistündigen Inszenierung deutlich anzumerken. Die Regisseurin Daniela Löffner stand vor der Herausforderung, wie sie mit Gerhart Hauptmanns Drama „Einsame Menschen“ aus dem Jahr 1870 umgehen soll.

Die Regisseurin wählte einen Mittelweg: vorsichtige Aktualisierung, im Wesentlichen bleibt das Hauptmann-Drama in der Textfassung, die die Regisseurin erstellt hat, aber doch erhalten. Das Ergebnis dieses Mittelwegs ist jedoch, dass der Abend zögerlich wirkt, über weite Strecken nicht vom Fleck kommt und im Zwiespalt der Regisseurin stecken geblieben ist.

Wie ein Paukenschlag erschüttert dann allerdings die zentrale Szene des zweiten Teils den Abend: Vockerat und Mahr, zwischen denen es bis dahin kaum knisterte, fallen in einer großen, ungewöhnlich langen Liebesszene übereinander her, wie man sie auf den Bühnen selten sieht. Beeindruckend, wie Marcel Kohler und Enno Trebs es schaffen, dass diese Szene nie peinlich oder softpornographisch wirkt, sondern als Choreographie intensiven Begehrens eindrucksvoll gelingt. Nur die allzu penetrante Wasser-Metapher, die sich bis zum finalen Suizid Vockeraths im Müggelsee, durch den Abend zieht, stört an dieser Stelle.

Weiterlesen
War die Kritik hilfreich?