2.0/5
Bewertungen: 1
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Wo der reine Wein zerrinnt
  · 21.11.21
''Nicht nur die Sprache von Kleists Blankversen und das spießig-biedere Setting wirken in dieser Inszenierung veraltet; auch die Ideen erscheinen oft altbacken, umständlich und allzu boulevardesk. Es ist niedlich, wenn Marthe Rull die Brotdosen auspackt und eine ihrer Tochter reicht, während der Richter der Gerichtsrätin in der Pause Wein einschenkt. Die Bewegungsregie wird prompt noch betulicher, wenn Eve diese Brotdose auf den Boden hinüber zu ihrem Liebhaber gleiten lässt, um womöglich Frieden zu schließen. Natürlich geraten Mutter und Tochter respektive Vater und Sohn schnell aneinander. Dem jeweilig nicht betroffenen Elternteil obliegt es dann, an die Elternliebe des anderen zu appellieren. Interessant ist da eher, dass auch die Gerichtsrätin die bevormundenden Anreden und den herablassenden Tonfall vom Richter übernimmt, wenn sie die Zeugin mit der Verkleinerungsform „Evchen“ anredet. Bald hat die Gerichtsrätin selbst kaum noch Interesse an der Wahrheit, da sie wohl Schlimmes befürchtet. Trotzdem macht gegen Ende Lena Geyer als Eve ihre Aussage, mit unbewegtem Gesicht und betont emotionslos. Bis dahin haben sich die Verdachtsmomente arg gehäuft.

Peter Stein schuf 2008 am Berliner Ensemble mit seiner Inszenierung von Der zerbrochene Krug einen gefeierten Publikumshit. Die Theatergemeinde Berlin wählte das Kleist-Lustspiel mit Klaus Maria Brandauer in der Hauptrolle des Dorfrichters zur Vorführung des Jahres 2008/2009. Peter Stein wertete, anders als Jens Groß in Bonn, die Rolle des Gerichtsrats mit einem friedenstiftenden Monolog am Ende auf. Auch in der kurzweiligeren Bonner Inszenierung fallen am Ende Kunstschneeflocken durch ein geöffnetes Fenster, wenn der Hauptverdächtige nach draußen entflieht. Leider ist in der Bonner Aufführung die Personenführung deutlich weniger pointiert. Das vorhersehbare Geschehen wird konventionell und uninspiriert in die Länge gezogen.'' schreibt Ansgar Skoda am 21. November 2021 auf KULTURA-EXTRA
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