Kritik zuDer Idiot
2.0/5
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Elegisches Literatur-Hochamt
  · 20.11.21
Schon das nicht vorhandende Dekors signalisiert: dieser Abend ist mehr protestantische Text-Arbeit und Anstrengung als sinnlicher Genuss. Im Zentrum stehen die Figuren und ihr sich mehr als vier Stunden entfaltendes, recht unübersichtliches Beziehungsgeflecht. Wie aus früheren Abenden von Jürgen Gosch und Johann Simons gewohnt, bleibt auch diesmal das komplette Ensemble die gesamte Zeit über am Rand der Schütz-Bühne präsent. Ein Markenzeichen dieser Arbeiten mit hohem Wiedererkennungswert, das aber im Lauf der Jahre und Jahrzehnte zum manierierten Selbstzitat zu werden droht.

Sanft und elegisch plätschert das klassische Literatur-Theater vor sich hin. Dem Sitznachbarn fallen schon vor der Pause mehrfach die Augen zu, immer wieder schreckt er kurz hoch, wenn die Live-Musik-Begleitung (Per Rundberg, Olena Kushpler) dringlicher und dissonanter wird.

Der Abend gleitet in erwartbaren Bahnen vor sich hin und unterscheidet sich Sebastian Hartmanns „Idiot“-Adaption, die vor wenigen Wochen zwei Bahn-Stunden weiter südöstlich am Deutschen Theater Berlin Premiere hatte" rel="nofollow" >fundamental von Sebastian Hartmanns „Idiot“-Adaption, die vor wenigen Wochen zwei Bahn-Stunden weiter südöstlich am Deutschen Theater Berlin Premiere hatte. Die beiden Inszenierungen der prominenten Regisseure stehen für sehr unterschiedliche Handschriften: hier das Hochamt, das sich viele Pausen gönnt und tastend an den Text annähert, dort das Zertrümmern, das mit schwerem Gerät Schneisen durch das Text-Bollwerk zu schlagen versucht, assoziativ, überfordernd, grell und laut. Gemeinsam ist beiden Abenden, dass sie sich in den Slapstick retten, wenn sie nicht mehr weiter zu wissen zu scheinen, wie sie den Dostojewski in den Griff bekommen sollen.

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