Kritik zuAm Ende Licht
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Noch eine Familiengeschichte
  · 14.11.21
''Am Ende Licht besteht, der Dramaturgie Roland Schimmelpfennigs nicht unähnlich, aus einer Folge von lose mit einander verbundenen Konstellationen. Dass sie in einem Kontext stehen, der seit Tracy Letts ein Déjà vu hervorruft, lässt sich nicht verbergen. Dass sich die Familie in der Krise befindet, wissen wir eigentlich schon seit Strindberg, aber noch nie war das Theater so beflissen, uns diese Erkenntnis einzubläuen, wie zurzeit. Warum Schwule, nicht nur hier, fast ausschließlich über Sex reden müssen, als hätten sie keine Sorgen um, sagen wir, Geld oder den Arbeitsplatz, bleibt ein Geheimnis. Am Ende Licht ist ein Stück ohne Zentrum, hat keine Haupt- und Nebenfiguren. Mit seinen zehn Personen – ganz gerecht: fünf Damen und fünf Herren – ist es eine ideale Vorgabe für die Beschäftigung eines Ensembles, bei dem alle Mitwirkenden zum Zug kommen. Goerden lässt sie die Dialoge Schlag auf Schlag sprechen und ermuntert sie zu überdeutlichem gestischen und mimischen Ausdruck.

Zur Eröffnung haben Silvia Merlo und Ulf Stengl, mit denen Goerden nicht zum ersten Mal zusammenarbeitet, ein transparentes, in hellgraues Licht getauchtes Panoramaregal eines Coop-Ladens in den Hintergrund gebaut. Danach bedecken sie – ein in jüngster Zeit, zum Beispiel in der Salzburger Lulu von 2017, inflationär benutzter „Einfall“ – die leere Bühne, an deren Rand die Schauspielerinnen und Schauspieler auf ihren Auftritt warten, mit Ballons. Beglückend ist die Wiederbegegnung mit den viel zu selten präsenten Sylvana Krappatsch und Klaus Rodewald als die lebend-tote Mutter Christine und ihr untreuer Mann Bernard. Nina Siewert darf diesmal beweisen, dass sie mehr drauf hat als den Typus der Kindfrau. Man ahnt, dass das Potential des Stuttgarter Ensembles im gegenwärtigen Spielplan nicht ausgeschöpft ist. Da gibt es Luft nach oben. Und vielleicht am Ende Licht. Am Ende der Premiere verneigte sich der Autor mit den Darstellern vor dem Publikum, offenkundig zufrieden und guter Dinge. Corona war, jedenfalls für den Augenblick, vergessen.'' schreibt Thomas Rothschild am 14. November 2021 auf KULTURA-EXTRA
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