Kritik zuAnna Karenina
2.0/5
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Mehr Schein als Sein
  · 30.10.21
''Insgesamt erscheint die Personenkonstellation recht unübersichtlich. Insbesondere die Bezüge zwischen den Figuren wirken diffus. Übertriebene Szenen verstärken den Eindruck allgemeiner Sinnentleertheit. Da gibt es eine belanglos wirkende Szene mit Anna und Wronski in Italien, in der viel Windgebläse die Haare der Akteure durcheinander wirbelt. In einer anderen Szene zittert und zuckt Kostja am ganzen Körper, ohne dass Beweggründe erkennbar werden. Wenn Alexej aus Wut über Anna ein Kleid in kleine Stofffetzen zerbeißt oder seine Fingerknochen und Wirbel krachend überdehnt, wirkt das reichlich albern. Gegen Ende schmückt sich Anna mit wuchtigen Ketten und Ringen, um in die Oper zu gehen. Jedes Anlegen eines Schmuckstücks wird durch laute Hallgeräusche künstlich verstärkt, als zöge sie in den Kampf. Tatsächlich erklärt sie kurz darauf sichtlich getroffen, sie sei beim Opernbesuch von einer Sitznachbarin angefeindet worden.

Die Wandlung Annas vom schillernden Auftreten im Lichte der Öffentlichkeit bis hin zu verzweifelten Suizidgedanken wird nicht deutlich. Fragen der Schuld und des Drucks der elitären, russischen Oberschicht werden zu wenig fokussiert. Was geschieht eigentlich mit der Tochter der Titelheldin, Annie? Luise Voigts Adaption belässt trotz schöner Bilder allzu vieles im Vagen.'' schreibt Ansgar Skoda am 30. Oktober 2021 auf KULTURA-EXTRA
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