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Schlicht und ergreifend echt
  · 12.10.21
''Als Literatur kann man Louis’ schmalen Essay kaum bezeichnen – zu holzschnittartig die Art und Weise, wie er darin angesichts des Schicksals seines Vaters die Politik auf die Anklagebank setzt. Der 90-minütige Theaterabend aber lebt von genau dieser Zuspitzung. Am Ende hängt Édouard wie ein kleiner Junge in Zorro-Umhang und schwarzer Augenmaske die Fotos der Verbrecher an einer Wäscheleine auf, die seinen Vater umbringen – und wirft die beste Kinderwaffe auf sie: Knallerbsen.

Jacques Chirac hängt hier, weil er für den Vater benötigte Medikamente von der gesetzlichen Krankenversicherung gestrichen hat. Nicolas Sarkozy, weil er kranke Menschen wie den Vater zur Arbeit gezwungen hat, wenn sie ihre Sozialhilfe bekommen wollten. François Hollande, weil er unbezahlte Überstunden erlaubt hat. Emmanuel Macron, weil er den ärmsten Franzosen weitere fünf Euro aus der Tasche zieht und behauptet, das wäre doch nichts. Hier steht der echte, aufrichtige Sohn, der von seinem echten, kranken Vater spricht und reale Politiker anklagt – schlicht und ergreifend.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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