Kritik zuOrlando
4.0/5
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Zeitlos durch alle Spiegel
  · 11.10.21
''Überlaute Glockenschläge strukturieren das Bühnengeschehen. Die Inszenierung lässt sie*ihn oft nicht selbst sprechen, sondern gibt über Zeugen Auskunft, wenn sie*er etwa schwermütig über den Sinn der Welt grübelt. Eine sehr witzige Szene zeigt Jemima Rose Dean als Orlando beim schriftstellerischen Schöpfungsprozess. Sie schreibt völlig in sich vertieft an ihrem Werk „The Oaktree“, während Yuri Englert und Katharina Schmalenberg das Publikum minutenlang mit sinnentleerten Phrasen hinhalten. Zahlreiche Ausstattungshelfer bauen kopfschüttelnd die Requisiten ab. Tritt hier Orlando ihre Besitztümer ab, weil zur damaligen Zeit nur Männer erbberechtigt waren? Die beiden Weltkriege und die Geburt von Orlandos Sohn finden szenisch leider keine Darstellung oder Nacherzählung.

Woolfs kühner, manchmal surrealer Roman ging als bedeutendes Gesamtkunstwerk in die Literaturgeschichte ein. Die leider recht voraussetzungsreiche Bühnenfassung rüttelt an dem Ruhm der Vorlage, indem sie den Inhalt des Romans um neue und eigene Ideen bereichert. Die Akteure posieren teils in provokanten Lackkostümen oder gar splitterfasernackt auf Hackenschuhen in athletischen Heldenposen zu Planningtorocks Song „Orlando“. Die sieben Darsteller verkörpern mit tänzerischem Können und beeindruckendem Tempo unterschiedliche Romanfiguren. Ähnlich spielfreudig mag wohl einst Vita Sackeville-West gewesen sein. Nach der Inszenierung ist man knappe 90 Minuten älter und fühlte sich von Erzählsträngen aus scheinbar 400jähriger Historie phantastisch, poetisch und angenehm modern unterhalten.'' schreibt Ansgar Skoda am 11. Oktober 2021 auf KULTURA-EXTRA
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