Kritik zuDie Rättin
4.0/5
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Bildgewaltig
  · 10.10.21
''Neben den RattendarstellerInnen Julia Berke, Patrick Isermeyer, Amal Keller, Teresa Schergaut und Hubert Wild, die auch die Crew der Meereskundlerinnen verkörpern, tritt Roman Kanonik als gealterter Oskar Matzerath in Kurzhosen und Blechtrommel auf. Er ist nun Filmproduzent und entwickelt mit dem Erzähler ein Stummfilmprojekt über den deutschen Wald, der sogleich als dicke Stämme vom Schnürboden schwebt. Mittels Livekamera gedreht und auf die Raumkapsel projiziert entsteht dieser Film hinter der Bühne mit den die Märchenfiguren darstellenden Leipziger Schauspielstudierenden, die auch einen bezaubernden Auftritt als tänzelnder Medusenchor haben.

Für den Begleitsound sorgt Musiker und Schauspieler Hubert Wild auf einer Elektro-Orgel. Vom vielstimmigen Requiem Aeternam über ein apokalyptischen „Ultemosch“-Gewitter bis zur Countertenorarie in den Reifröcken der kaschubischen Großmutter Anna Koljaicsek reicht der Soundtrack dieser bildgewaltigen Reise kreuz und quer durch den Grass-Roman, dessen zuweilen etwas altmodisch anmutender Text durch ein paar aktuelle Schlagworte wie "soziale Medien" oder "Klimakrise" ergänzt wurden. Auch wenn Claudia Bauer einige der zu weit verzweigten Erzählstränge des Autors gekappt hat, kann es sein, dass man bei Unkenntnis des Romans hin und wieder den roten Faden verliert, wenn dann auch noch genmanipulierte Rattenmenschen erscheinen. Die Idee einer anderen Utopie, und sei es die einer Revolution aus der Kraft der Märchen, bleibt aber erkennbar.'' schreibt Stefan Bock am 10. Oktober 2021 auf KULTURA-EXTRA
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