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Das Düster- Biblische in der Kapitalismusparabel von Brecht und Weill
  · 04.10.21
''Kosky belässt es düster, nichts mit Glückseligkeit. Er lässt Jim einen schwarzen Widder ausweiden, an dem sich Freund Jack O’Brien (Philipp Kapeller) totfrisst, Joe (Tijl Faveyts) wird unter die Bühne geboxt, wo Jenny den Ansturm der Freier erwartet. Das Prinzip, nicht alles direkt zu bebildern, hält Kosky weitestgehend durch. Sein Augenmerkt liegt offensichtlich an Jim, der, nachdem er seinen Whisky nicht mehr zahlen kann, als geblendeter Simson gefesselt und vervielfacht zum „Nur die Nacht darf nicht aufhör'n“ über die nun mit hohen Spiegelwänden begrenzte Bühne irrt.

Als lächerliche Gottfigur fährt zum Prozess gegen Jim noch eine Affenpuppe auf einem Tretauto auf. Hier braucht es tatsächlich keinen Hurrikan, der Mensch ist sich selbst ein Wolf, und nacheinander erstechen alle den zum Tode verurteilte Jim. Diese Art von Drastik ist dann auch der Höhepunkt von Koskys Interpretationswillen. Der Chor zeigt nun keine Spruchbänder, sondern singt, vom Regisseur hinter die Bühne verbannt, dem allein in seinem Blute liegenden Jim das fatalistische „Können einem toten Mann nicht helfen!“ Bei allem Sarkasmus ist das keine „totale Scheiße“, wie kurz aus dem Parkett zu hören war, sondern einfach nur konsequent. Einmütiger Beifall auch für den Regisseur.'' schreibt Stefan Bock am 3. Oktober 2021 auf KULTURA-EXTRA
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