Kritik zuödipus
2.3/5
Bewertungen: 3
Rezensionen: 3
Alle Kritiken ansehen.
4 von 5 Personen fanden die Kritik hilfreich
Banale Soap-Version der Atriden-Saga
  · 19.09.21
Die Autorin verlegt den Stoff der Atriden-Saga in die Ferienvilla einer reichen Unternehmer-Familie: Christina (Caroline Peters) möchte mit ihrem neuen Toyboy Michael (Renato Schuch) ausspannen. Ihr Bruder Robert (Christian Tschirner) macht ihr jedoch streitig, wer nach dem Unfall-Tod von Christinas Mann das Sagen hat. Im Stil einer TV-Soap plätschern die Dialoge dahin. Zum x.-ten Mal hat Jan Pappelbaum eine schicke Designer-Küche in seinem unverkennbaren Stil gebaut, die von Beginn in bedeutungsschweres Schwarz getaucht ist. Retro-Look und Selbstzitate sind zu Beginn dieser Spielzeit offensichtlich nicht nur an der Volksbühne angesagt.

Zade hält sich an die Grundstruktur des „Ödipus“-Mythos, wonach der ausgesetzte Sohn zu spät erkennt, dass er seinen Vater getötet und mit seiner Mutter geschlafen hat. Sie nimmt sich aber zusätzlich einige Motive aus Henrik Ibsens „Der Volksfeind“: die erste Stunde dreht sich um ein Gutachten, mit dem geklärt werden soll, ob Christinas Chemie-Fabrik an steigenden Krebs-Erkrankungen in der niedersächsischen Tiefebene schuld ist.

Ohne den Einfluss göttlicher Mächte und des Schicksals wirkt die Familien-Soap der Unternehmer-Dynastie, die durch eine Kette unglücklicher Umstände in eine Krise stürzt, sehr banal. Ebenso treffend wie böse fühlte sich André Mumot in seinem DLF-Fazit-Gespräch unmmittelbar nach der Premiere mehr an den Fernsehfilm der Woche oder Uschi Glas in der Serie „Anna-Maria – Eine Frau geht ihren Weg erinnert“ als an die Fallhöhe einer antiken Tragödie.

Weiterlesen
War die Kritik hilfreich?