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  · 17.09.21
''Dem Schauspieler hat Ausstatter Neumann ein Gerippe auf den Rücken geschnallt, das an Fäden gezogen raucht und ihm als Running Gag und Tod im Nacken immer wieder an die Schulter tippt. Im Duett mit Kathrin Angerer gelingen einige schöne Dialoge über Geburt und Tod des Vorhangs, über dissoziative Störungen oder die müde Jugend hinter dem Vorhang grauer Haare, auf der die Probleme der Welt lasten, während die Alten jung zu bleiben versuchen. Eine Anspielung auf Fridays for Futur und den Gesundheitswahn. Nicht der einzige Verweis auf aktuelle Diskurse. Gestreift werden auch die Genderdebatte und die Macht der Regisseure, deren Wille hier als pathologisch bezeichnet wird.

Auch Brechts Die Mutter oder die Courage werden zitiert und über das Allgemeine des politisch engagierten Dramas diskutiert. Es kommen der sterbende Tolstoi und die Kubisten vor. Pollesch klopft die Kunst und das Theater wieder auf seine Wirkung ab, wozu der Vorhang zu Pop- oder Filmmusik von Kate Bush und dem Soundtrack von Almodovars Film Vicky Cristina Barcelona wilde Choreografien vollführt. Ein durchaus stimmungsvoller Abend, ein Versprechen in die Zukunft, das es nun einzulösen gilt. Der Wille René Polleschs, die von ihm als pathologisch erachtete Alleinherrschaft der Regiekönige zugunsten eines Teams aus AutorInnen und SchauspielerInnen zu beenden, ist hehre Theorie, die nun in die Praxis umgesetzt werden will.'' schreibt Stefan Bock am 17. September 2021 auf KULTURA-EXTRA
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