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Tänzelnde Co-Intendant*innen und ein sich bauschender Vorhang
  · 16.09.21
Kathrin Angerer schaltet nach der ungeplanten Action-Sequenz mit Polizei und sogenannten Querdenkern erst mal demonstrativ einige Gänge zurück und gönnt sich zu „Without me“ von Eminem ein Fußbad. Im Plauderton spielt sie sich dabei mit Martin Wuttke die Bälle zu. Die beiden Theater-Stars sind wichtige Pfeiler in Polleschs künstlerischem Team. Er betonte in zahlreichen Interviews immer wieder, dass sie mehr als glamouröse Ensemble-Mitglieder sind, bei seinem bekannt inklusiven Arbeitsstil haben sie eher die Rolle von Ko-Intendant*innen. In lockerem Prolog-Geplänkel führen sie mit Kartentricks und Akrobatik in die Welt des Zirkus als Leitmotiv dieser Eröffnungswoche ein.

Angerer und Wuttke tänzeln auch in den folgenden 90 Minuten spielerisch durch den Abend und machen es sich auf Camping-Stühlen gemütlich. Sie machen einfach, was sie immer machen: verbales Ping-Pong, etwas Slapstick und munter durcheinander gewirbelte Diskursschnipsel, die diesmal besonders häufig auf den russischen Dichter Leo Tolstoi rekurrieren. Diesen unverkennbaren Pollesch/Angerer/Wuttke-Sound hat man so schon zig-mal gehört. Die Fans jubeln dennoch dankbar, vor allem aus einem Grund: Diese Premiere ist die Rückkehr und Wieder-In-Besitz-Nahme des Stammhauses am Rosa-Luxemburg-Platz, aus dem Pollesch und Co. 2017 von Tim Renner und Chris Dercon vertrieben wurden.

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