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Schwappungs- Orgie
  · 26.08.21
''Jan Bosses trashig-zotige Inszenierung beginnt mit schrill-ausladenden Kostümen und einer illustren Gemeinschaft, die sich um einen reichen, zu Anfang noch abwesenden Mäzen versammelt. In künstlich in die Länge gezogenen Dialogen zanken sich die Figuren affektiert und albern über Nichtigkeiten. Man denkt an mögliche Huldigungen des Sonnenkönigs Ludwig XIV., der stets im Zentrum seines Hofstaats stand. Die Hofgesellschaft ist in leichter Aufregung. Denn wir erfahren von Pernelle (Regine Zimmermann), dass Orgon seine ungeteilte Aufmerksamkeit einer „Figur“ schenkt, die er neu in die Gemeinschaft aufnahm: Tartuffe. Je mehr sich die Gruppe auf der Bühne des Vorplatzes brüskiert, desto anzüglichere Posen macht dieser zunächst unbeteiligt schweigende Günstling (Božidar Kocevski) am weit geöffneten Fenster eines Seitenflügels. Die Aufmerksamkeit des Publikums ist ihm sicher, denn er ist nur mit einem Slip bekleidet. (...)

Die Dialoge, die sich auch um den G-Punkt drehen, dehnen sich wie Gummi. Doch auch, wenn Linn Reuse als Dorine über Gutturalgeräusche klagt und das Themenspektrum auf Nasenhaarextensions bringt, wird die Nonsense-Kommunikation auf mögliche Verknotungen dieser Extensions und damit einhergehender Paar-Zusammenführungen zurückgelenkt. Sprachfiguren wie „Kontextualisieren“ verbrauchen sich, werden nahezu ausgeblutet, was wohl so beabsichtigt, aber für das Publikum nun mal ermüdend ist. Insbesondere die bedächtigen Monologe am Ende geraten arg lang. Sie schaffen es dann auch nicht mehr, das Geschehen auf eine höhere Bedeutungsebene zu bringen. Wäre dies überhaupt beabsichtigt gewesen? Trotz guter Darstellerleistungen gerät die Vorführung so allmählich zur Kleinkunst-Comedy, deren Stil sich zu schnell verbraucht. Was hätte Max Reinhard dazu gesagt, dessen Büste unzerschlagen auf die Inszenierung blickte?'' schreibt Ansgar Skoda am 26. August 2021 auf KULTURA-EXTRA
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