Kritik zuStreulicht
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Überflüssige Literatur-Vernichtung
  · 24.08.21
''Der vergammelte Industriepark und das diffuse Streulicht, durch den die heimkehrende Erzählerin taumelt, ist auf der Bühne nicht sichtbar und spürbar. Alles spielt sich im künstlichen Irgendwo, im sterilen Überall ab. Weiße Stellwände werden hin und her geschoben, um neue Fantasieräume zu schaffen, auf die Wände werden ständig neue Fotos und Zeichnungen projiziert, Bilder von Anschlägen auf Ausländer, Polizeiübergriffe, fremdenfeindlicher Hass und Terror. Stühle und Tische, an denen Schulunterricht als Übung in Disziplin und Unterwerfung vorgeführt wird, werden rein und rausgetragen, es gibt choreographierte Tanz- und Gesangseinlagen, Pop-Musik plätschert aus dem Off, ständig ist Bewegung und Hektik, aber eigentlich passiert rein gar nichts, außer dass drei geklonte Figuren sich durch einen sensiblen Text kämpfen, ihn verwursten und veralbern: nichts als rasender Stillstand, absoluter Leerlauf, sinnfreie Regie-Einfälle. Wir werden Zeuge, wie ein ganz großer Text zu einer ganz kleinen Inszenierung verkommt.

Dem auf Unterhaltung abonnierten Premieren-Publikum konnte das den Spaß aber nicht nehmen, es lachte ausgiebig und applaudierte kräftig. Die Autorin, die beim Schlussapplaus vom Regisseur auf die Bühne gezerrt wurde, machte gute Miene zum schlechten Spiel und lächelte freundlich: Glücklich kann sie aber nicht gewesen sein darüber, wie ihr sprachmächtiger Roman theatralisch gehäckselt und geschreddert wurde. Ein klarer Fall von überflüssiger Literatur-Vernichtung.'' schreibt Frank Dietschreit auf rbbKultur
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