3.0/5
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Schöne Sommerkomödie nach flacher Vorlage
  · 23.06.21
Claudia Bauers Basler „Tartuffe oder Das Schwein der Weisen“ ist vom Theatertreffen 2019 in schlechter Erinnerung und war bemerkenswert banal. Sehr albern und zäh schleppten sich die Kalauer und Loops aus PeterLichts Molière-Überschreibung dahin. Als breitgewaltzte Farce ohne Tempo funktionierte der Text überhaupt nicht.

Jan Bosse und das DT holen aus dem flachen Text das Beste heraus. Einen wesentlichen Schlüssel zum Erfolg der Open Air-Sommerkomödie hat André Mumot in seiner Fazit-Radio-Kritik benannt: wir erleben hier keine Karikaturen und Schießbudenfiguren, sondern sympathisches Komödien-Personal. Regisseur Jan Bosse präsentiert die Molière-Version mit Witz und wahrt die Balance. Er drückt nicht zu sehr auf die Tube und meidet den Klamauk. Die endlos ermüdenden „Geil/Ungeil“-Wortschleifen aus der Vorlage haben Dramaturg David Heiligers und Bosse auf ein vernünftiges Maß zurechtgestutzt.

Dass der Abend funktioniert, ist aber natürlich vor allem dem tollen Komödiant*innen-Ensemble zu verdanken: in den Hauptrollen glänzen Božidar Kocevski als grunzender, sexsüchtiger Schamane in einer Rolle, die ihm wie auf den Leib geschrieben scheint, Regine Zimmermann als Großmuttter/Herr Frau Pernelle auf Kinderfahrrad und Natali Seelig als Gattin Elmire im Kontextualisierungs-Rumba-Slapstik mit Tüffi.

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