Kritik zuKönig Lear
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Blutrünstiges, zynisches Matriarchat
  · 07.06.21
Im Zentrum des Stücks steht weniger die Karikatur eines alten, weißen Mannes, den in der Berliner Inszenierung Felix von Manteuffel spielt, sondern ein mit strenger Hand und grausamer Brutalität regierendes Matriarchat. Hier setzte Warns gegenüber der Münchner Inszenierung von Stefan Pucher einen deutlich anderen Akzent: An den Kammerspielen waren Gro Swantje Kolhoff und Julia Windischbauer als Regan und Goneril ein aufgekratztes, rappendes Girlie-Duo. Ihre machtgeile Blutrünstigkeit wurde am Anfang durch die Aufbruchsstimmung nach dem Sturz des Patriarchats überdeckt. In Berlin lassen Catrin Striebeck und Jaqueline Macaulay keinen Zweifel, aus welchem Holz sie geschnitzt sind: sie sind genauso gierig und korrupt wie all die Exemplare toxischer Männlichkeit, die sie ablösen wollen. Sie kämpfen mit denselben Mitteln, ihr Gesichtsausdruck ist verbittert. Alles, was sie sagen, klingt harsch und zynisch.

Der Fokus der Inszenierung auf diese beiden Frauen, die im Partnerlook auftreten, sorgt dafür, dass andere prominente Gäste an diesem Abend nur eine Nebenrolle spielen: Katharina Thalbach" rel="nofollow" >Publikumsliebling Katharina Thalbach hat als Cordelia nur wenig Bühnen-Präsenz und auch Matthias Mosbach, Claus Peymanns Berliner Ensemble eine Urgewalt war" rel="nofollow" >der als „Baal“ an Claus Peymanns Berliner Ensemble eine Urgewalt war, wird von den beiden Herrscherinnen als Diener und Lustknabe schnell domestiziert.

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