Kritik zuTax for free
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Politkabarettistisches Infotainment
  · 03.06.21
„Tax for Free“ knüpft an Cum-Ex Papers an und zeichnet detailliert nach, wie es dazu kam, dass die Hamburger Behörden in den Jahren 2016/2017 eine fällige Steuernachzahlung von satten 47 Mio. € stillschweigend verjähren lassen wollten. Erst der Wirbel von Medien-Veröffentlichungen, vor allem von Oliver Schröm vom NDR-Magazin Panorama, der Druck von Oppositionspolitikern wie Fabio de Masi (Linke) und Gerhard Schick (ehemals MdB von Bündnis 90/Die Grünen, jetzt NGO-Aktivist von Die Finanzwende) und eine eindeutige Weisung aus dem Bundesfinanzministerium sorgten dafür, dass Warburg die Rechnung begleichen musste.

Die kabarettistisch aufbereitete und mit kurzen Dialoggefechten aufgelockerte Chronologie eines Skandals wird noch mit Talking heads-Einspielern der oben genannten Experten aus Politik und Medien angereichert. Das würde für einen Dokumentartheater-Abend, den man mit Gewinn sieht, auch völlig ausreichen. Doch der Abend droht sich durch im Untertitel „Scholz und Tschentscher geben einen aus und Michael Kohlhaas wundert sich“ angelegten zweiten Erzähl-Strang zu verzetteln. Regelmäßig werden kurze Passagen aus der berühmten Kleist-Novelle über Kohlhaas, der sich in seinem Widerstand gegen staatliches Unrecht komplett verrannte, in die Dokutheater-Handlung eingebaut. Dies sind jedoch die schwächeren Szenen des Abends. Oft zu albern und in betont lächerlichen Kostümen wird der Kleist-Strang nachgespielt. Die Entscheidung, ausgerechnet den Kohlhaas-Klassiker in das aktuelle Dokumentar-Theater einzubauen, wirkt nicht schlüssig.

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