Kritik zuclair obscur
3.5/5
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Tanz und Musik – eine Einheit
  · 28.05.21
''Einen Schlüssel zu diesem erneut rätselreichen Stück bietet die Geschichte, die eine Frau erzählt: bei Tag glücklich lächelnd, in der Nacht in Traurigkeit vergehend – was ist nun ihr wahres Ich?! Tag und Nacht, Licht und Schatten - hier zeigt sich die explizite Beschäftigung mit dem Unbewussten, mit der Psychologie. Wer sich mit dem Schatten-Begriff bei C. G. Jung beschäftigt hat, wird Wiedersehensfreude empfinden: der Schatten als das Unbewusste, die verdrängten Anteile der Persönlichkeit oder das angsteinflößende Unbekannte. Die individuelle und kollektive archetypische Schattenwelt – vieles in dieser Choreografie könnte man auf dieser Folie interpretieren.

Aber der Tanz steht auch für sich: das Aufbegehren und Einsinken der Körper, die Verlorenheit in der Schockstarre und das expressive in den Raum hinein Agieren – eine sehr faszinierende Tanzsprache. Begleitet von der Musik von Ralf Ollertz, Mitbegründer der Company, diesmal eine entrückte Klanglandschaft, auch wenn das Rauschen, Klopfen, Tropfen, Schaben und Hämmern aus der mechanischen, industriellen Klangwelt zu kommen scheint.

Toula Limnaios schürft einmal mehr in den Tiefen der menschlichen Seele, der Empfindungen und Gedanken und setzt das in einen expressiven, eleganten Tanz um, der wunderlich-schön ist und oft unheimlich und beunruhigend wirkt. Ein im Lockdown, unter dem Eindruck der Vereinzelungs-Erfahrungen entstandenes Stück, das einen in seinen Bann zieht, geradezu fesselt und unendlich viele Deutungs-Assoziationen auslöst.'' schreibt Frank Schmid auf rbbKultur
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