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Bedrückendes, minimalistisches Kammerspiel
  · 17.05.21
Einige Motive und dramaturgischen Mittel, die typisch für Inszenierungen von Dušan David Pařízek sind, nutzt der tschechische Regisseur hier besonders exzessiv: die Overhead-Projektoren, die Erinnerungen an Schulzeiten und Seminarräume aus Prä-Digital-Zeiten wach werden lassen, die spröden Betonwände, der völlige Verzicht auf Requisiten und das ständige Aus-, An- und Umziehen des Trios auf der Bühne. Dies macht „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ zu einer äußerst kargen Kost. Als minimalistisches Kammerspiel hat Pařízek die knapp zweistündige Romanadaption im Malersaal des Schauspielhauses Hamburg angelegt. Dass er auch ganz anders inszenieren kann, zeigte Pařízek zuletzt bei einem revuehaften „Peer Gynt“-Live-Stream mit Rockkonzert-Einlagen.

David Grosssmans 2009 in deutscher Übersetzung erschienener Roman erzählt von einer Gesellschaft im Dauer-Krisen-Modus, von der Alarmstimmung an den Checkpoints, der Allgegenwart des Militärs, dem Zwangsdienst für alle jungen Erwachsenen in der Armee und von den tiefen Wunden, die dieser permanente Krisen-Zustand, in dem Phasen relativer Normalisierung mit brutalen Eskalationsspiralen wechseln, in den Seelen hinterlässt.

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