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Kritische Reflexion über Brechts Kolportage-Frühwerk
  · 10.04.21
„Zerbrechen Sie sich nicht den Kopf über die Motive dieses Kampfes…“ schrieb Brecht selbst im Vorwort der zweiten Fassung des Stücks aus dem Jahr 1927. Zu krude und kolportagehaft wirkt die Handlung.
Dennoch haben sich Jan Friedrich und das Theater Oberhausen an das Stück gewagt und einen Theaterfilm produziert. In großen Lettern prangt das Schlagwort „Entdramatisierung“ über dem Bühnenbild: Hinter Masken verschanzen sich die Figuren, die Spielweise ist sehr entschleunigt. Diesen Stoff, den man kaum ernst nehmen kann, nehmen natürlich auch die Spieler*innen und die künstlerische Leitung nicht ernst und sorgen beim Publikum für die gewünschte Irritation.

Warum wurde das alte Brecht-Stück dann überhaupt auf den Spielplan gesetzt? Das wird nach etwa einer halben Stunde klar: Das Ensemble wendet sich direkt ans Publikum vor dem heimischen Rechner und beklagt sich über den Exotismus in dem alten Text. Julienne de Murisier hat die kurzen Zwischenrufe verfasst, bei denen die Spieler*innen aus ihren Rollen heraustreten und den berühmten Autor, eine Ikone vieler Linker, mit blinden Flecken, mit dem Rassismus und seinem sehr problematischen Frauenbild konfrontieren.

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